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Immer den richtigen Ton getroffen

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Die A-cappella-Gruppe YeoMen stimmlich in ihrem Element (Foto: Benekam)

Wozu braucht ein Musiker eigentlich Instrumente? Na, zum Musizieren halt! Um die im kreativen Kopf eines Musikers entsprungenen und als Noten zu Papier gebrachten Töne und Kompositionen mittels unterschiedlichster Instrumente zum Klingen zu bringen. Das geht laut, leise in schnellen oder getragenen Tempi, im Orchester oder Solo, in Kirchen oder Konzertsälen, sogar auf der Straße und, wenn es mit Leidenschaft vorgetragen wird, dem Zuhörer unter die Haut.


Das sollte eigentlich jeder wissen. Aber dass der Zauber der Musik auch ohne Instrumente, ohne Keyboard, E-Gitarre, Schlagzeug oder Blasinstrument wirken kann, das wissen nur die Zuhörer des A-cappella-Konzerts der Berliner Band »YeoMen«. Zwar wollten die fünf jungen Herren ursprünglich die Bühne des k1-Saals rocken, doch schien es ihrer Begeisterung und Musizierfreude keinerlei Abbruch zu tun, sich aufgrund mangelnden Publikums mit der Studiobühne zu begnügen. Schade für all die, die das verpasst haben, was jenen glücklichen Anwesenden nun in viel intimerer Atmosphäre geboten wurde.

»Hier oben ist die Welt so schön«, so hieß es im ersten Stück, womit eigentlich der Blick aus dem All auf unseren Planeten gemeint war, »ich seh’ die Sterne funkeln...«. Doch hatte man den Eindruck, dass die A-cappella-Künstler damit eher die Bühne meinten, auf welcher sie sich offenbar pudelwohl fühlten. Funkeln taten da, nebst bunten Scheinwerfern, die Augen der von der ersten Sekunde an begeisterten Zuhörer. Es war wirklich beeindruckend, dass man nur mit Mikrophon, Lippen, Zunge und Stimmbändern eine ganze Rockband ersetzen kann.

Viele Lieder sowie deren Texte von »YeoMen« sind Eigenproduktionen. Ihre Inhalte sind ebenso vielseitig und ansprechend wie ihre Schöpfer, mal gesellschaftskritisch, mal polit-satirisch, dann geht es um Liebe und den damit verbundenen Herzschmerz. Langweilig wird es nie. Im Gegenteil! Richtig abwechslungsreich ist die Liedauswahl, die sich laut YeoMen auch immer nach dem Geschmack des anwesenden Publikums richtet. Traunreut stand auf Techno! Obwohl auch durchaus die Interpretation einer Nummer der Hardrock-Gruppe Ramstein hervorragend ankam und man bei geschlossenen Augen hätte schwören können, dass da auf der Bühne an Instrumenten alles geboten war, was eine echte Hardrock-Band ausmacht. Schlagzeug, E-Gitarre, Bass-Gitarre, Synthesizer, Mundharmonika, alles war nur als akustische Fatamorgana vorhanden. Und das verblüffend echt. Die Augen zuzulassen wäre bei einem YeomMen-Konzert allerdings Sünde, denn da würde einem ein Großteil des Genusses entgehen. YeoMen musiziert nämlich nicht nur auf höchstem Niveau, nein, die können sich sogar bewegen.

Und genau dieses Gesamtpaket aus gutem Stimmvolumen, Ideenreichtum, witzigen Anekdoten aus dem gemeinsamen Musikeralltag, Sprung- und Tanzeinlagen und nicht zuletzt das überaus sympathische Auftreten der A-cappella-Profis macht wohl den großen Erfolg aus. Der enge Kontakt zum Publikum, das immer wieder bei bekannten Nummern übers Mikro mit singen durfte oder mitgerissen von leidenschaftlichen Gitarren- oder Mundharmonikasoli zu klatschen und tanzen begann, sorgte für beste Stimmung.

Ob ACDC, Zucchero, Major Tom, Nenas »99 Luftballons« oder Spider-Murphy-Gang’s »Skandal im Sperrbezirk«, YeoMen schaffte mit seinen Nummern und Interpretationen ohne Instrumente, was vielen Bands auch mit voller instrumentaler Ausstattung nicht gelingt. Sie rockten die Bühne und den Saal, versprühten musikalischen Witz und beste Laune und spielten sogar mit ihrer antidepressiven Wirkung den Krankenkassen zu. Nur sehr ungern verabschiedete sich das Publikum erst nach zahlreichen Zugaben mit stehenden Ovationen. Kirsten Benekam