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Im Trio über Hindernisse und Wohlfühlstrecken

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Entspannte Atmosphäre (v.l.): Redakteur Dieter Meister, 2. Bürgermeister Karl Seiberl, Marktbürgermeister Franz Rasp und 3. Bürgermeister Bartl Mittner. Anzeiger-Foto

Berchtesgaden - Alles Friede, Freude, Eicherkuchen? Seit Mai 2008 lenkt Franz Rasp als Marktbürgermeister die Geschicke Berchtesgadens. In seiner Abwesenheit oder auch bei Terminüberschneidungen hat er zwei Vertreter an seiner Seite (oder auch hinter sich), die statt seiner ihn und die Marktgemeinde vertreten. Neben vielen anderen Ereignissen, die das Jahr kommunale Jahr 2012 prägten, hatten sowohl CSU-Bürgermeister Rasp als auch sein Vize Karl Seiberl von den freien Wählern und letztlich auch der dritte Bürgermeister Bartl Mittner Grund zum Feiern, nämlich den 40., 60. und 65. Geburtstag. Kurz vor Ende des Kalenderjahres schien das ein guter Anlass, bei einem Edelweiß-Kaffee in fast privater Atmosphäre über Gemeinsames, Trennendes, Mit- und Gegeneinander zu sprechen. Und auch einen schüchternen Blick in die Zukunft Berchtesgadens zu wagen.


Sie stehen als Trio bereit zum verabredeten Termin, locker, aber unübersehbar wachsam. Kommunalpolitikern werden selten und insbesondere an den sogenannten Stammtischen Huldigungen entgegen gebracht. Für viele ist eben immer falsch, was »die da oben« machen und planen. Wenn man das Führungstrio der kommunalen politischen Macht an einem Tisch zusammen hat, drängt sich eigentlich zuerst die Frage nach dem Warum auf. Also, warum wird man überhaupt Kommunalpolitiker, wenn es doch im normalen Alltag genügend andere Möglichkeiten gibt, sich Ärger einzuhandeln?

Karl Seiberl weiß sogar noch den Zeitpunkt seines politischen Beginns. Der Alte Friedhof in Berchtesgaden sollte aufgelassen werden. Das war für ihn ein Signal, sich zu engagieren. Auch, weil er sich überzeugen ließ, dass man so besser mitgestalten kann. Und als Marktgemeinderat Josef Fegg, der vor der Gebietsreform Oberhaupt der selbstständigen Gemeinde Maria Gern war, starb, rückte er in den Marktgemeinderat nach.

Zur Kommunalpolitik kam Bartl Mittner über die Partei. Seit 1973 SPD-Mitglied, brauchte er allerdings zwei Versuche, um in den Gemeinderat zu kommen, wo er seit 1990 einen Stammplatz hat. In einer »Minderheitsfraktion«, in der es allerdings früher schwerer war, zu agieren, weil Parteien und Fraktionen um die Sachgebiete Grenzen zogen, die zu überschreiten selten jemand bereit war.

Für den jetzigen Berufspolitiker Franz Rasp war der Einstieg in die Politik zwar ein immer schon angedachtes, aber zuerst von außen an ihn herangetragenes Thema. Konkret: Man hat ihn vor der vorigen Wahlperiode seitens der CSU gefragt, ob er Lust hätte zu kandidieren. Er hatte, obwohl er da noch kein Parteimitglied war. Und in ihm sei bereits als Marktgemeinderat die Überzeugung gewachsen, dass man etwas bewegen könne, wenn man sich einsetze, auch wenn es mitunter ein zäher, langer Prozess sei.

Dem früheren langjährigen Berichterstatter aus dem Marktgemeinderat ist aufgefallen, dass es im Gremium weit weniger als vor Jahren ein sehr abgeschwächtes parteipolitisches Denken und Agieren gibt. Die Hinweise, dass ein bestimmtes Thema CSU-, SPD-, Grüne- oder Freie-Wähler-Domäne sei, sind schwächer und leiser geworden.

»Wir von der Gemeinde sind nichts anderes als Dienstleister«, sagt Franz Rasp. Das gelte für den hauptamtlichen Bürgermeister ebenso wie für die Stellvertreter. Und sein Bemühen sei stets, dies auch in der Praxis so umzusetzen. Der erste sowie die zweiten und dritten Bürgermeister müssen überparteilich fungieren. Die Mehrheitsmeinung (im Marktgemeinderat) sei bindend, egal, welche Meinung man persönlich zu einer Sache habe. »Das ist wichtig, ist mir wichtig.«

Er (Rasp) beherrsche die »Umarme-deinen-Feind-Strategie« perfekt, sagt Karl Seiberl launig. Fügt aber nahtlos an, dass die Zusammenarbeit anders als früher sei, dass sowohl er und Kollege Mittner im Vorfeld mit Hintergrundwissen versorgt würden, die das Agieren leichter mache. »Das ist mir persönlich sehr wichtig.« Zumal ihm als Unternehmer oft die Zeit fehle, sich umfassend in eine Materie einzuarbeiten. Und es sei auch schön bei der Fülle der Aufgaben, »dass wir Bartl haben«.

»Ich bin der Gratulationsbürgermeister«, sagt Mittner. Und es klingt nicht einmal lakonisch. »Mir bereitet das sogar Freude.«

Bei soviel Schulterschluss ist die Frage, ob es dennoch offene Fragen gibt, ob man als Vizebürgermeister oder zweiter Stellvertreter Projekte mit sich trägt, die man eigentlich umsetzen möchte, aber nicht kann, weil mindestens ein Andersdenkender über einem sitzt.

»Franz (Rasp) bestimmt natürlich die Richtlinien«, bekennt Mittner. »Aber es ist auch so, dass der Bürgermeister viele Dinge, die mir immer wichtig waren, umgesetzt hat und ich gar nicht intervenieren musste. Ich war immer für mehr Bürgernähe. Franz Rasp hat die Bürgermeistersprechstunde eingeführt, macht Infoveranstaltungen, um der Bevölkerung Zusammenhänge zu erläutern. Ich kann mich und meine Vorstellungen natürlich absolut einbringen. Da kann man schlecht opponieren dagegen, wenn die Realität nahe an den eigenen Vorstellungen ist.«

Das Verkehrskonzept allerdings, fügt Bartl Mittner schelmisch an, sei nicht seines. Aber damit müsse er und könne er auch leben.

Karl Seiberl sieht es ähnlich. Auch er weiß vieles in die rechte Richtung gebracht. Aber auch er hat in seinem »Kampf« kleinere Wunden davongetragen. Den Brunnen beispielsweise, der vor der Neueinrichtung der Fußgängerzone auf dem Weihnachtsschützenplatz stand, wollte er wieder haben. Er bekam ihn. Allerdings nicht am »richtigen Standort«.

Und die Zukunft Berchtesgadens. Wenn man lange Kommunalpolitik macht, sind Wünsche offengeblieben, ist noch Schwung genug da, um das eine oder andere zu verbessern? »Berchtesgaden muss sich als lebenswerter Ort, als Treffpunkt des südlichen Landkreises mit Infrastruktur darstellen.« Sagt Marktbürgermeister Franz Rasp und auch, dass sich der Markt gegen die großen Einkaufszentren der Nachbarschaft behaupten müsse. Auf seiner »Wunschliste« für die Zukunft stehe auch eine geordnete städtebauliche Entwicklung. Momentan ist Rasp überzeugt, »wir haben einen guten Lauf«, auch weil sich die Gewerbetreibenden, Händler und viele andere gut einbrächten. Das Ortsoberhaupt wähne sich glücklich, wenn die Bürger voll Stolz sagen könnten: »Ich bin ein Berchtesgadener.«

Was, so Rasp weiter, leicht aussehe, sei in der Regel mit viel Arbeit verbunden. Aber wenn es vorwärtsgehe, mache sich am Ende doch Zufriedenheit breit.

Sein Vize Karl Seiberl nickt zustimmend und will es kurz und knapp unterstreichen. »Ein Wald, in dem Monokultur herrscht, ist anfälliger als eine Mischkultur.«

Bartl Mittner bemüht den Satz, dass »wir alle in einem Boot sitzen« und lobt die Zusammenarbeit im Gemeinderat und speziell unter dem Bürgermeistertrio.

Am Ende eines Jahres steht nicht nur die Bilanz. Ein Ausblick muss her. Berchtesgaden ist im Aufschwung, aber noch nicht fertig. Was steht an in der nahen und ferneren Zukunft?

Franz Rasp muss nicht lange nachdenken: Beispielsweise die Verstärkung der interkommunalen Kooperation, sprich Näherrücken der Gemeinden des südlichen Landkreises, ein engeres Miteinander als bisher. Dazu seien nicht allein bessere Konzeptionen nötig, das müsse vor allem in den Köpfen reifen. »Es wird von meiner Seite aus immer ein Angebot bleiben. Ich bin aber gewiss nicht auf mehr Arbeit erpicht, ich will eine Besserung der gegenwärtigen Situation.«

Er sei Berufsoptimist, sagt Franz Rasp. Auch was eine Umorganisation im Tourismus angehe. Es werde immer schwerer, die Qualität zu halten. Der Haushalt sei gegenwärtig ein Hauptthema. Die Bestandspflege der markteigenen Gebäude, der Straßen und Brücken, Sanierungen, die nach jahrelanger Zurückstellung nicht mehr aufschiebbar seien. So sei die Sanierung der Breitwiesenbrücke 20 Jahre lang verschoben worden, jetzt wäre der Neubau unaufschiebbar gewesen. Das blieben alles Dauerthemen für die nächsten Jahre.

Keine Neuverschuldung der Gemeinde mehr, sagt Franz Rasp kategorisch mit Nachdruck. Man müsse ehrlich sein. Die Verschuldung Berchtesgadens sei zum jetzigen Zeitpunkt einfach zu hoch, hat sich über Jahre aufgestaut. Die Schuldenlast liege bei etwa 3 000 pro Kopf. »Bei Orten unserer Größenordnung liegt sie bayernweit durchschnittlich bei unter 1 000 Euro«, sagt Rasp.

»Wie viel Feuerwehr braucht Berchtesgaden?« Die letzte Frage klingt sachlich und wird mit Erläuterungen garniert, etwa, dass Fahrzeuge nicht so zahlreich und so groß (und billiger) sein könnten. Was auch für den Bauhof zutreffe. DM