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Im Lichte der Weimarer Republik

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Die gespannte Aufmerksamkeit der Zuhörer war Angela Denoke und ihren Mitstreitern Tal Barshai (von links), Norbert Nagel, Uwe Kraus und Tim Park sicher. (Foto: Aumiller)

Angela Denoke hat ihr Publikum im Landestheater Salzburg mit einem Liederporträt der Weimarer Republik unter dem Motto »Städtebewohner – Kurt Weill und seine Zeit« zusammen mit dem Pianisten und Arrangeur Tal Barshai, dem Klarinettisten Norbert Nagel, dem Cellisten Tim Park und dem Sprecher Uwe Kraus fasziniert.


Den Traum vom Glück und seine nachtschwarzen Dunkelstellen besang Angela Denoke in dem Liederreigen rund um die Entstehungszeit von Brecht/Weills »Dreigroschenoper«. Avantgarde und populäre Elemente reichten sich in den frühen Dreißigerjahren harmonisch die Hand, waren keine unvereinbaren Gegensatzpaare. Sie waren höchst erfolgreich in ihrer pointierten Mischung aus Polit- und Gesellschaftssatire, bevor das radikale Aus ihre Schöpfer ins Exil trieb.

Angela Denoke und ihr perfekt auf sie eingestimmtes, fantasievoll musizierendes Ensemble ließen Kurt Weill, Bertolt Brecht, Walter Kollo, Erich Kästner, Werner Heymann, Hanns Eisler, Kurt Tucholsky, Friedrich Hollaender, Mischa Spoliansky auf geradezu unnachahmliche Weise zu Wort und Klang kommen.

Denoke war grandios, wie sie diese Szenen in einer Mischung aus 100 Prozent Wortdeutlichkeit und minutiös tariertem Gesangston servierte. Sie ist die nonchalante Chansonnette auf ihre ganz individuelle Art. Sie legte eine fein ausgewogene Würzmischung an den Tag: eine Spur lasziv und erotisch – nicht zu viel und nicht zu wenig –, eine Spur kühle Blonde – aber mit warmem Herzschlag –, eine Selbstsichere, eine Erfahrene, die die Welt, die Männer, die Liebe, die Schönheiten und die Abgründe, den Schmerz und die Verzweiflung kennt, die aber auch noch Platz hat für Träume und Visionen und dabei doch auf dem Boden der Realität bleibt.

In einem Reichtum an Nuancen, stimmlichen Klangvarian-ten, an Intensität ebenso wie an Zartheit fächerte sie die unterschiedlichen Stimmungen auf. Sie übertrieb nie, fand genau die Mitte, hatte exakte Kontrolle über jede Bewegung, über jede Facette, jeden Augenaufschlag, setzt minimale Gestik ein, die aber jede Regung bedeutsam und aussagekräftig machte. Das ist große Kunst, die im Gewand von Selbstverständlichkeit daherkommt, die einen beinahe natürlichen Ausdruck annimmt, das Publikum an die Hand nimmt und sich voller Aufmerksamkeit sicher sein kann. Wenn Denoke einmal nicht mehr ihre großen Opernpartien singen wird, dürfte ihr eine erfolgreiche Zweitkarriere als Chansonette sicher sein.

Uwe Kraus brillierte zwischen den Songs unter anderem mit Gedichten von Erich Kästner wie »Besuch vom Lande« und »Lob der Volksvertreter« und bringt gewitzt Brechts politische Karikatur »Wenn die Haifische Menschen wären«, die auch heute noch durchaus nachdenklichen Aktualitätswert besitzt.

Hell leuchtete »Berlin im Licht« in dem Weill-Song, der mit »Komm, mach mal Licht« die Illumination der Stadt feiert, die die Nacht und ihre dunklen Gefahren bannen möchte. Unbeschwert ging es in Walter Kollos »Unter den Linden« zu, das ebenfalls mit Stolz die Großstadt besingt, dabei immer auch Doppelbödigkeit einbringt. Im Gegenzug verbarg Heymanns »Die Kleine Stadt« hinter schlichter Idylle tragische Untertöne. Düsternis herrschte »An den Kanälen«, in denen Selbstmörder und politisch Ermordete ihr ewiges rattengeschwängertes Bett finden.

Gefühl und Zartbesaitung kamen in Spolianskys »Leben ohne Liebe« und in Eislers »Lied von der Moldau« auf. Träumerisch dachte sie darüber nach, »wenn ich mir was wünschen dürfte« und ließ zum Abschluss den großen Hoffnungsschimmer winken: »Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück.......irgendwo, irgendwie, irgendwann!«. »Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder« war dann ihre umjubelte Zugabe. Elisabeth Aumiller