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»Ick kann's nicht globen«

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Foto: dpa

Sybilla Wunderlich aus Schleching lebte damals in Westberlin. Sie erinnert sich an ein einprägsames Erlebnis:


»Als wir am 9. November am Abend zu Hause die Nachrichten im Fernsehen verfolgten, konnten wir nicht glauben, was wir dort hörten. Als ich am nächsten Morgen meine Boutique in einer Westberliner Einkaufsstraße öffnete, kamen tatsächlich drei junge Frauen, die erzählten, sie seien aus Ostberlin und das erste Mal in ihrem Leben im Westen.

Wir begrüßten uns – unbekannterweise – sehr herzlich und die Damen schauten sich in meinem Geschäft um. Auf meine Frage, ob sie einen Kaffee oder zur Feier des Tages lieber einen Sekt trinken wollen, kam ‚auja lieba een Sektchen‘. Gesagt, getan, beim Anstoßen sagte eine der Damen ‚Mensch, kneif ma doch mal innen Arm, ick kanns nicht globen, dass wa inne Westberliner-Boutique stehen‘.

Nach ein paar Freudentränchen und Anproben bedankten sich die Damen und wollten weiter durch Westberlin ziehen. Zu ihrem großen Bedauern konnten sie leider nichts kaufen, denn sie hatten ja nur das Begrüßungsgeld.«