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»Ich werde ein immer größerer Gegner«

Berchtesgaden – Olympia-Müdigkeit. Das trifft es wohl am besten. Nach fünf gescheiterten Berchtesgadener Bewerbungen kann Michael Drummer nur noch den Kopf schütteln, wenn er dieses Wort hört. »Man könnte doch meinen, dass die Politiker irgendwann kapieren, dass es mit Olympia in Berchtesgaden nichts wird«, sagt der Ortsvorsitzende der Grünen. Und davon, dass es nichts wird, ist der Marketingfachmann überzeugt. Selbst, wenn das Ratsbegehren der Befürworter durchgeht.

Immer auf dem neuesten Stand: Michael Drummer will in Sachen Olympia-Bewerbung auf dem Laufenden bleiben. Dafür liest er auch regelmäßig den »Berchtesgadener Anzeiger«. Foto: Anzeiger/Fischer

Michael Drummer lehnt die Olympia-Bewerbung vehement ab. Bleibt aber mit seinen Argumenten stets sachlich. »Ich werde ein immer größerer Gegner«, sagt er. Denn die Gründe gegen die erneute Bewerbung würden sich häufen. Und die der Befürworter? »Ich kann jedes einzelne Pro-Argument widerlegen«, ist sich Drummer sicher. Und deshalb verstehe er nicht, dass sich der Landkreis das Bewerbungsgezerre schon wieder antut. »Wenn alle anderen Bewerber abspringen, dann hätten wir eine Chance«, scherzt der Marketingfachmann.

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Michael Drummer ist rhetorisch fit, das merkt man sofort. Er spricht langsam und verständlich. In kurzen Sätzen. Immer sachlich, stets fundiert. Aufgelockert hier und da durch ein spitzbübisches Lächeln oder eine ironische Andeutung. Drummer kann Sachen auf den Punkt bringen.

Keine wirtschaftlichen Impulse

Zum Beispiel das gebetsmühlenartig wiederholte Argument der wirtschaftlichen Impulse. Denn laut Befürworter würde Olympia eine verbesserte Infrastruktur, mehr Bekanntheit, mehr Nobelhotels und mehr Tourismus bringen. »Aber die Infrastruktur ist doch angeblich schon da«, wirft Drummer ein. »Das ist doch eines der Hauptargumente der Bewerbung.« Und warum solle irgendjemand überhaupt für 17 Tage Spiele bauen? Und vor allem: wo? »Gut, die Hofreitstraße hinter zur Kunsteisbahn soll ausgebaut werden. Auf Kosten der Gemeinde«, sagt Drummer. Und kann sich ein süffisantes Lachen nicht verkneifen.

Lächerlich findet er auch die Hoffnung, ein nachhaltiges Konzept würde das IOC beeindrucken. »Das IOC hat kein Interesse an Nachhaltigkeit und Demokratie. Und wir können dieses Konglomerat nicht beeinflussen«, ist sich Michael Drummer sicher. Überhaupt dürfe man nie vergessen: »Wir entscheiden nicht, ob die Spiele zu uns kommen. Sondern, ob wir uns bewerben wollen.«

Nachhaltigkeit gar nicht möglich

Veranstaltungen dieser Größenordnung können laut Drummer überhaupt nicht nachhaltig sein. Und seien für den Alpenraum sowieso gänzlich ungeeignet. Deshalb müsse man die Olympischen Spiele künftig komplett überdenken. »Der olympische Gedanke muss gemeinsam gedacht werden«, findet Drummer. Und sich beispielsweise überlegen, wie man die Trennung zwischen olympischen und paralympischen Spielen aufheben könne. »Das wäre ein guter Schritt Richtung Inklusion.«

Ganz und gar nicht sportlich findet Drummer die Tatsache, dass das Landratsamt ausschließlich die Pro-Argumente an alle Haushalte verschickt hat. »Mit sportlicher Fairness hat das nichts zu tun«, regt er sich auf. »Aber rechtlich ist das halt bei einem Ratsbegehren in Ordnung.« Die groß angelegte Kampagne von Landkreis und BGLT hält Michael Drummer dennoch für fragwürdig. Schließlich sei die BGLT ausschließlich für die touristische Außenwerbung zuständig. »Ihr massiver Einsatz pro Olympia ist eine Sauerei«, ärgert sich Drummer, »das ist eine Kompetenzüberschreitung«.

Der Übermacht der finanziell durch Steuergelder bestens ausgestatteten Befürworter stellt sich der Berchtesgadener gerne entgegen. Angefeindet sei er bisher nicht worden. »Ich feinde ja auch niemanden an«, sagt Drummer sachlich. Im Gegenteil: In den vergangenen Wochen habe er viel Zuspruch bekommen. Dass die heimischen Wintersportler Olympia in ihrer Heimat haben wollen, könne er durchaus verstehen. Aber zu diesem Preis? Mit einem »staatsfeindlichen IOC-Vertrag«?

»Landrat sagt Unwahrheit«

Was Michael Drummer am meisten ärgert, ist das Verhalten von Landrat Georg Grabner. »Er sollte es doch wirklich besser wissen. Nach fünf gescheiterten Bewerbungen.« Außerdem sei es dreist, zu behaupten, Olympia sei ein Gewinn. »Da sagt der Landrat nicht die Wahrheit«, ist sich Michael Drummer sicher. »Rein rational kann man die Spiele nur ablehnen.«

Zur Abstimmung am Sonntag will Drummer auf alle Fälle gehen. »Sie bietet die Möglichkeit, ein deutliches Zeichen gegen die Bewerbung zu setzen«, betont er. Eine Prognose wagt Drummer nicht. »Ich hoffe, dass sich die Mehrheit deutlich gegen Olympia ausspricht.« Christian Fischer