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»Ich sing am liebsten, wenn der Mond scheint«

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Max Raabe verstand es auch in Salzburg wieder, mit seiner besonderen Mischung aus unverwechselbarer Stimme, inszenierter Steifheit und trockenem Humor das Publikum zu begeistern. (Foto: Heel)

Natürlich – man muss sie mögen, die Schlager aus den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Aber wer diese Musik gerne hört, der kommt an Max Raabe nicht vorbei. Aber Raabe hat diese Musik nicht nur wiederbelebt und fortgeführt, er hat mit seinen zuletzt erschienenen Alben auch etwas völlig Eigenständiges geschaffen: große deutsche Popmusik mit starken Texten und leichtfüßigen Melodien.


Doch es ist nicht nur die Musik, mit der der gebürtige Westfale und langjährige Wahl-Berliner die Konzertsäle füllt. Der mittlerweile 55-jährige Sänger (und ausgebildete Opernbariton) vermittelt ein ganzes Lebensgefühl und versteht es, mit seiner besonderen Mischung aus unverwechselbarer Stimme, inszenierter Steifheit und trockenem Humor das Publikum zu begeistern.

So auch jetzt in der Salzburgarena piccola, wo er mit seinem 12-köpfigen Palast-Orchester gastierte und mit dem Lied »Guten Tag, liebes Glück« das Konzert eröffnete, einem der vielen Ausflüge zu seinem neuen Album »Der perfekte Moment ... wird heut verpennt.« Ein Album, das er erneut mit Unterstützung von Annette Humpe produziert hat und so schöne Titel wie die Mond-Sinfonie »Ich sing am liebsten, wenn der Mond scheint« enthält, aber auch ein komplett ernstes Lied wie »Willst du bei mir bleiben?« Ansonsten blieb er mit seinen Musikern auf vertrautem Terrain, bildeten bekannte und weniger Lieder aus längst vergangenen Tagen das tragende Element. Schwungvoller Frohsinn à la »Ich wollt, ich wär ein Huhn«, wie er in dieser Art nie wieder produziert wurde, aber auch ein wehmütiger Blick in eine zwar turbulente, aber vergleichsweise goldene, untergegangene Zeit. Denn danach kamen die Nazis und viele der Künstler, die Raabe in seinen Ansagen stets namentlich anführt, mussten emigrieren.

Sein Aktionsradius beschränkte sich dabei auf die zwei Meter zwischen Flügel und Mikrofon, wobei er immer wieder aus dem Scheinwerferlicht heraus in den Schatten des Flügels trat, um seinem Orchester die Bühne zu überlassen. Denn die Musiker sind keine Nebensache. Sie durften alle zeigen, was die drauf haben, ins rechte Licht gerückt von einer dezenten Lichtshow und witzigen Videoeinspielungen.

Zusammengehalten und bereichert wurde das musikalische Programm durch Raabes häufig kabarettreife Ansagen. Da erläuterte er, was die Beziehung zwischen den beiden Geschlechtern mit der Mülltrennung zu tun hat; fragte sich in Anspielung an den biblischen Samson, ob es sein kann, dass sich der mächtigste Mann eines Landes nur durch die Ungewöhnlichkeit seiner Frisur im Amt hält; und spottete: »Wenn der Berliner Senat sagt, er baut einen Flughafen, dann baut er auch einen. Da muss man nicht alle sechs Jahre nachfragen.«

Bei den Zugaben durfte natürlich der »kleine, grüne Kaktus« nicht fehlen, und zum Abschied konnte man Raabe & Co. mit »Donna Maria« auch noch als Männerchor erleben. Ein ergreifender Abschluss eines herrlichen Abends. Wolfgang Schweiger