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»Ich mag die Stimmung am Fuße des Watzmanns«

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière war am Sonntag zu Gast bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft. Als Sportminister interessiert er sich auch für den deutschen Bob-Piloten Johannes Lochner. (Foto: Pfeiffer)

Ausnahmezustand am Königssee: Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist am Sonntagvormittag an der Kunsteisbahn empfangen worden. Grund seines Kommens: die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft. Im Interview spricht der Minister über seine Lieblingssportarten, die Notwendigkeit der finanziellen Förderung des Spitzensports und den umstrittenen US-Präsidenten.


Herr Minister de Maizière, Sie besuchen die Weltmeisterschaften am Königssee. Ist das für Sie richtige Arbeit oder eher Entspannung?

Thomas de Maizière: Beides. Ich bin ja auch der Sportminister. Insofern habe ich dienstlich viel mit Sport-Themen zu tun. Auch die sind nicht immer einfach, wenn Sie an die Reform der Spitzensportförderung, den Kampf gegen Doping oder Wettmanipulationen denken. Aber ich bin auch begeisterter Zuschauer bei Sportveranstaltungen. Und vor allem deswegen bin ich zu Besuch bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft am Königssee.

Sie waren schon einmal hier. Wie gefällt Ihnen die Kunsteisbahn am Königssee?

Thomas de Maizière: Die Bahn am Königssee ist die älteste Kunsteisbahn der Welt, das ist schon was Besonderes. Außerdem mag ich die besondere Stimmung hier am Fuße des Watzmanns. Da sind die Wettkämpfe besonders intensiv und als Zuschauer ist man nah am Wettkampfgeschehen.

Sommersport oder Wintersport?

Thomas de Maizière: Beides zu seiner Zeit. Ich schau mir spannende Leichtathletikwettkämpfe genauso gern an wie Bob- oder Skirennen. Auch Mannschaftssportarten, vor allem Volleyball, interessieren mich. Und wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich gern ins Fußballstadion.

Rund um den Königssee sind zahlreiche Top-Sportler beheimatet. Etwa auch die Olympiasieger im Rodeln, Felix Loch oder Georg Hackl. Wie wichtig sind solche Persönlichkeiten für ein Land wie Deutschland?

Thomas de Maizière: Sportpersönlichkeiten sind sehr wichtig für ein Land. Sie sind wichtig, weil man als Nation bei internationalen Wettbewerben mitfiebern kann. Sie sind wichtig, weil sie auch jungen Leuten zeigen, dass sich Anstrengungen lohnen. Sportpersönlichkeiten und Sportereignisse gehören zu unserer gemeinsamen Erinnerung. Die Älteren unter uns erinnern sich sicher noch an Rosi Mittermaier, an Ulrike Meyfarth und Heike Henkel im Hochsprung. Das sind Menschen, die Tolles geleistet und uns mit ihrer Leistung in den Bann gezogen haben. Das verdient den höchsten Respekt.

Immer wieder wird geklagt, dem Spitzensport stünden nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Fehlt irgendwann das Geld, um sportliche Aushängeschilder heranzuziehen?

Thomas de Maizière: Wir haben gerade im Bundeskabinett das gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund erarbeitete Konzept zur Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung beschlossen. Damit stellen wir die Spitzensportförderung auf eine zukunftsfähige Basis. Künftig wird nicht mehr danach gefördert, wer früher viele Medaillen gewonnen hat, sondern wer das Potenzial hat, in Zukunft viele Medaillen zu gewinnen. Ich glaube, dass wir die Weichen hier richtig gestellt haben und dass es wichtiger ist, gezielt zu fördern als mit der Gießkanne.

Wie wichtig ist Ihrer Ansicht nach der Breitensport? Können Sie Klagen, dass auch hier das Geld fehle, nachvollziehen?

Thomas de Maizière: Der Breitensport ist für uns alle sehr wichtig, denn nicht jeder kann und will Olympiasieger werden. Es ist schön zu sehen, wie sich junge und ältere Menschen sportlich messen, wie sich die Vereine organisieren und auch das Leben in der Gemeinschaft gestalten. Es ist wichtig, dass das erhalten bleibt. Allerdings ist der Bund nicht für die Finanzierung des Breitensports zuständig, insofern möchte ich mich da mit Forderungen zurückhalten.

Kurz und knapp noch drei Themen abseits des Sports: AfD verbieten – ja oder nein?

Thomas de Maizière: Die AfD ist eine rechtspopulistische Partei, mit der wir uns politisch auseinandersetzen. Und dazu gehört vor allem, den Menschen in Deutschland immer wieder deutlich zu machen, dass eine Partei, die sich darauf beschränkt, Probleme drastisch zu beschreiben, ohne Lösungen anzubieten, eben gerade keine Alternative ist, wenn es darum geht, unser Land auch in Zukunft so gut dastehen zu lassen, wie es heute dasteht. Das Hickhack um den Umgang der Partei mit Björn Höcke (Thüringens AfD-Landeschef; Anm. d. Red.) und seinen unerträglichen Äußerungen ist der erneute Beleg dafür, dass es einen tiefen Riss in der AfD gibt. Letztlich ist überhaupt nicht klar, für welche Richtung die Partei eigentlich steht.

Wie gefährlich sind »Fake News«?

Thomas de Maizière: Das Phänomen der gezielten Desinformation ist jedenfalls nicht neu, sondern ein altbekanntes Instrument, wenn es darum geht, Menschen zu beeinflussen. Durch die Digitalisierung haben sich aber vor allem Verbreitungswege und das Verbreitungstempo fundamental verändert. In der Sache sind hier vor allem die Medien gefordert, angemessene Konzepte zu entwickeln, um damit vernünftig umzugehen. Und ganz grundsätzlich gilt: Man sollte sich nicht nur bei einer Quelle informieren oder dieser uneingeschränkt trauen. Gerade im Netz gibt es eine schier unendliche Breite von Angeboten. Wenn man diese nutzt, bewahrheitet sich der alte Spruch »Lügen haben kurze Beine« ganz schnell und recht einfach.

Donald Trump – Fluch oder Segen?

Thomas de Maizière: Für den Bereich der Sicherheit bin ich fest davon überzeugt, dass wir weiterhin eng und vertraulich zusammenarbeiten werden. Die ersten Kontakte, die ich mit meinem neuen US-Kollegen hatte, bestärken mich in dieser Annahme. Ich werde mich jedenfalls weiterhin für ein gutes transatlantisches Verhältnis einsetzen. Ich glaube aber schon, dass unsere Bevölkerung angesichts der ersten Wochen des neuen Präsidenten mit unserer parlamentarischen Ordnung und einer starken Bundeskanzlerin sehr zufrieden sein kann. Kilian Pfeiffer