weather-image
14°

»Ich liebe Kinder und ich liebe Puppen«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Renate Bauditz mit ihrer allerersten Puppe, die sie als Kind von ihrer Mutter geschenkt bekam. (Fotos: Wannisch)
Bildtext einblenden
Sie passen nicht in die Sammlung, erzählen aber eine kuriose Geschichte.
Bildtext einblenden
Paulchen, der Steiff-Teddy, war das Lieblingsstück ihres Mannes.

Saaldorf-Surheim – Die Augen von Renate Bauditz strahlen, als sie einen ihrer Schätze liebevoll in die Hände nimmt. »Das ist eine meiner ältesten Puppen«, sagt die 83-Jährige. Wie alt genau die Puppe mit dem Porzellangesicht und dem bordeauxroten Kleid ist, kann sie spontan nicht beantworten. »Da müsste ich nachschauen in einem meiner schlauen Bücher.«


Puppen aus Porzellan und Zelluloid, Puppenstuben und allerlei Accessoires, darum dreht sich die Welt von Renate Bauditz seit fast 50 Jahren. 1970 hat sie ihre erste Sammlerpuppe gekauft. Damals lebte die gebürtige Dresdnerin bereits mit ihrem Mann im Haus in Saaldorf. »Ich wollte sechs Kinder, leider konnten wir keine bekommen«, sagt Bauditz. Ersatzkinder seien die Puppen aber nicht, nur ihre ganz große Leidenschaft. »Ich liebe Kinder und ich liebe Puppen.«

Doch Puppe ist nicht gleich Puppe – das merkt man schnell bei einem Rundgang durch ihre umfangreiche Sammlung, die sie dann und wann auch noch für Fremde zugänglich macht. »Früher habe ich es als Museum geführt, jetzt nur noch auf Anfrage«, sagt Bauditz. Fachmännisch greift sie sich einzelne Puppen heraus, lüftet das Kleidchen und damit das Geheimnis des Unterbaus. Meist sind nur Kopf und Hände aus Porzellan oder Zelluloid, die Glieder sind entweder aus Lederbalg oder Stoff, oft gefüllt mit Stroh, oder aus Holz.

Eine Lieblingspuppe hat sie nicht, wie könnte sie sich angesichts der umfangreichen Sammlung auch entscheiden. Stolz ist sie aber auf eine Zelluloid-Puppe der Marke Schildkröt aus dem Jahr 1935, ihrem Geburtsjahr: »Das war die erste Puppe, die mir meine Mutter als Kind geschenkt hat.«

Die Mehrheit ihrer Puppen stammt aus Ostdeutschland, dort hat die Fertigung von Porzellanpuppen eine lange Tradition. Viele ihrer Schätze hat sie aus der ehemaligen DDR herausgeschmuggelt. »Das war eine Straftat, die wertvollen Porzellanpuppen Volkseigentum«, weiß die Seniorin. Nachdem sie 1954 mit 18 Jahren aus der DDR geflüchtet war, nutzte sie spätere Familienbesuche mit ihrem Mann in Dresden, um an die geliebten Sammlerstücke zu gelangen. »Ich war immer so aufgeregt, ich habe Beruhigungstabletten genommen und dennoch gezittert, bis wir auf der anderen Seite der Grenze waren«, sagt sie. Bevor sie und ihr Mann mit dem Auto losgestartet sind, »habe ich das Auto immer mit Weihwasser bespritzt«, damit alles gut geht, erinnert sich die gläubige Christin.

Bildtext einblenden
Sie passen nicht in die Sammlung, erzählen aber eine kuriose Geschichte.

Behalten habe man die Puppen nämlich nur dürfen, so Bauditz, wenn man nachweisen konnte, dass sie aus engstem Familienbesitz stammen, etwa von der Mutter oder Großmutter. »Mit so einer Geschichte haben wir uns einmal, nachdem wir geschnappt wurden, in der Befragung gerettet«, erinnert sich die 83-Jährige und muss dabei schmunzeln.

Auch ein paar Exoten sind in der Sammlung zu finden, dunkelhäutige Schönheiten ebenso wie asiatisch angehauchte Puppen und Raritäten aus dem Hause Steiff. »Der Teddybär war das Lieblingsstück meines Mannes, der war so dreckig, den musste er erst sauberschrubben.« Paulchen, wie der große Steiff-Teddy heißt, thront nun unter den Puppen.

Kurios ist auch die Geschichte um drei Puppen, »die so gar nicht in meine Sammlung passen«, wie Bauditz sagt. Als sie diese angeboten bekam, habe sie zunächst ablehnen wollen, zu neu, zu viel Plastik, nichts, was ihr Sammlerherz höher schlagen lässt. Überzeugt hat sie schließlich die Geschichte dahinter. Das Trio soll einst der damalige KGB-Agent und heutige russische Staatspräsident Wladimir Putin, der Ende der 1980er in Dresden stationiert war, als Geschenk mit nach Dresden gebracht haben.

Bildtext einblenden
Paulchen, der Steiff-Teddy, war das Lieblingsstück ihres Mannes.

Bewusst nach Sammlerstücken gesucht haben Renate Bauditz und ihr Mann nie, »die Puppen haben uns gefunden«, ist sie sich sicher. Oder der Zufall spielte ihnen das eine oder andere Stück in die Hände. So kam sie auch zu ihrer ersten Barbie-Puppe, Das war 2009, zu Barbies 50. Geburtstag. Innerhalb von einem Jahrzehnt hatte sich Bauditz eine stattliche Sammlung angeeignet, die mehr als 1000 Barbie- und Ken-Puppen umfasst. Diese hat sie nun dem Traunsteiner Stadt- und Spielzeugmuseum geschenkt. »Da weiß ich sie in guten Händen«, begründet die 83-Jährige ihre Entscheidung. vew

Die rund 150 Barbie-Puppen sind noch bis 14. September im Traunsteiner Heimathaus zu sehen. Die Barbie-Schau im Stadt- und Spielzeugmuseum ist von Dienstag bis Samstag je-weils von 10 bis 15 Uhr und am Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.