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»Ich liebe Berchtesgaden«

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Die süßen Blümchen täuschen: Als »Buhlschaft« macht Christine Neubauer den »Jedermann« ganz schön scharf. Foto: Agentur

Berchtesgaden – Sie ist eine der gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. Am 9. und 10. August steht Christine Neubauer als »Buhlschaft« auf der »Jedermann«-Bühne im Kurgarten. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem Star über Vorfreude, die Salzburger Festspiele und Fernsehfilme.


»Jedermann« in Salzburg, »Jedermann« in Berchtesgaden. Was ist das Besondere an der Inszenierung im Kurgarten?

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Christine Neubauer: Der Regisseur Helmut Vitzthum hat zum Beispiel den Tod und den Mammon zu wirklich tragenden Rollen herausgearbeitet. Und für mich persönlich ist es spannend, nach den vielen Aufführungen in den letzten zehn Jahren mit Peter Willmann als Jedermann nun neben Thomas Peschke die Buhlschaft eines leiseren, aber keinesfalls weniger präsenten Jedermanns zu sein. Das holt unwillkürlich auch in meinem Spiel neue Töne hervor.

Was halten Sie vom Berchtesgadener Kurgarten als Aufführungsort?

Neubauer: Herrlich. Nicht nur, weil ich Berchtesgaden und sein Umland liebe – auch die Touristen werden begeistert sein, den Blick auf den Watzmann, den man schon allein aus den Ganghofer-Verfilmungen vor sich hat, real erleben zu können. Für den Jedermann ist es – ähnlich wie ein Schloss- oder Burgambiente - eine unheimlich beeindruckende Kulisse, die einen Zeit und Raum vergessen lässt.

Waren Sie schon mal in Berchtesgaden?

Neubauer: O ja – schon als Kind. Außerdem habe ich hier gedreht. Ich freue mich sehr, hier nun einmal auf der Bühne stehen zu dürfen.

Bei den Aufführungen in Xanten hatten Sie einen riesigen Tigerpython mit auf der Bühne. Wird die Schlange in Berchtesgaden auch dabei sein?

Neubauer: Lassen Sie sich überraschen. Also, gut, ich sag's nur Ihnen: Ja. Wenn der Schlange nichts dazwischenkommt.

Was sagen Sie Kritikern, die behaupten, der »Jedermann« sei ein altbackener Schmarrn?

Neubauer: Dass sie offenbar nichts verstanden haben. Hofmannsthals Mär ist nicht umsonst mit all ihren unterschiedlichen Interpretationen zum Kultstück geworden. Und die Erinnerung daran, dass wir alle mit leeren Taschen vor dem Tod stehen werden, ist auch in heutiger Zeit sicher kein Fehler.

Würden Sie die Buhlschaft auch bei den Salzburger Festspielen spielen?

Neubauer: Nennen Sie mir eine Schauspielerin, die dieses Angebot ablehnen würde …

Würden Sie die Buhlschaft auch in einem ARD-Fernsehfilm spielen?

Neubauer: Bitte vergessen Sie nicht, mich zu fragen, wenn Sie ein entsprechendes Drehbuch in der Hand haben.

Spielen Sie lieber in Filmen mit oder stehen Sie lieber auf der Bühne?

Neubauer: Eben weil es ein ganz anderes Umgehen mit einer Rolle verlangt beziehungsweise gestattet, bin ich sehr dankbar, dass ich beide Möglichkeiten bekommen habe. Außerdem muss ich zugeben: Der direkte Kontakt zum Publikum, der Moment, wenn wir uns alle vor ihm verneigen – das ist etwas ganz Besonderes. Das kann kein ungnädiger Kritiker mehr kaputtmachen.

Jetzt ist gerade Urlaubszeit. Auch den »Jedermann« in Berchtesgaden werden sich viele Touristen anschauen. Können Sie überhaupt entspannt Urlaub machen? Oder springen da permanent Fotografen und Agenten herum?

Neubauer: Schauspieler und Presse befinden sich nun einmal in einer – mal angenehmen, mal anstrengenden – Symbiose. Aber wie jeder, der in der Öffentlichkeit steht – und ja auch von ihr lebt – habe ich natürlich meine privaten Refugien, in denen ich wieder auftanken kann. Christian Fischer

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