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»Humor in der Literatur«

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Die Grabenstätter Pfarr- und Gemeindebücherei war der perfekte Ort für die Lesung von Gustl Lex, der gekonnt aus den Werken einiger teilweise schon in Vergessenheit geratener bayerischer Autoren las. Für die passenden Klänge sorgte die Haunerdinger Zithermusi. (Foto: Müller)

Leider viel zu wenig literaturbegeisterte Besucher waren der Einladung von Ortsheimatpfleger und Mundartdichter Gustl Lex gefolgt, der in der Grabenstätter Pfarr- und Gemeindebücherei aus Werken bayerischer Autoren las.


Unter dem Titel »Humor in der Literatur« stand der unterhaltsame Abend, den die, die gekommen waren, noch lange in Erinnerung behalten werden. »Seine« teilweise bereits in Vergessenheit geratenen bayerischen Autoren nennt Lex »gute Beobachter« und »starke Erzähler« – alles Eigenschaften, die ihn auch selbst auszeichnen.

Gleich zu Beginn der Lesung trug Lex aus dem Buch »Weiß-blauer Föhn« des Münchner Schriftstellers, Journalisten und Schauspielers Ernst Hoferichter, Jahrgang 1895, die Geschichte »Das erste Radio« vor, in der ein gewisser Korbinian Heuberger mit den Errungenschaften der Technik, genauer gesagt mit den schamlosen neumodischen Rundfunkwellen zu kämpfen hat, die ihn mit ihren ständigen Belehrungen und Warnungen zur Weißglut treiben und in seiner bierseligen Verzweiflung am Stammtisch folgenden Entschluss fassen lassen: »Jetzt kauf i mir a Radio, des a bissal an Anstand und a Bildung hat«.

Die Emotionen kochten auch im Ludwig-Thoma-Stück »Auf der Elektrischen« hoch, in dem eine arme Frau die Tram mit einem Bett betritt und den Unwillen der anderen Fahrgäste auf sich zieht. »Sie, mit Eahnan dreckigen Bett brauchen S’ mir fei ‘s Maul net abwisch’n! Glauben S’ vielleicht, Sie müassen’s mir unta d’ Nasen halt’n, weil S’ as jetzt aus ‘m Versatzamt g’holt hamm?« oder »Der Herr hat ganz recht. Mit so an Bett geht ma net in a Tramway. Da kunnten ja mir alle o’g’steckt wer’n. Heutzutag, wo’s so viel Bazüllen gibt!«, schallt es der eingeschüchterten Frau entgegen. Auch im Schaffner findet sie keinen Fürsprecher, denn der schickt sie nach draußen auf die vordere Plattform. Am Ende hat sie nur noch einen halben Verbündeten, einen Nordgermanen, der sie ein wenig in Schutz nimmt und fortan selbst als »Zuagroaster« in die Opferrolle gerät: »Da siecht ma halt wieda de Preißen!«.

Viel gelacht wurde dann wieder bei der Kurzgeschichte »Die doppelte Buchführung« aus dem Buch »Der Stier von Pocking« des 1905 geborenen niederbayerischen Journalisten, Schriftstellers und Turmschreibers Wugg Retzer und der Geschichte »Wurst mit Semft« aus dem Buch »Da Exposi von Oaslbing« des 1933 geborenen ehemaligen Stadtpfarrers von Straubing-Ittling, Paul Urlberger. Den Abschluss bildete »Die Bürgermeisterwahl« aus dem Buch »Niederbayerische Bauernköpf« des 1881 im Landkreis Freyung-Grafenau geborenen freien Schriftstellers Franz Schrönghamer-Heimdal, der leider nicht nur kurzweilige Geschichten aus dem Leben geschrieben, sondern auch hin und wieder »ätzenden Antisemitismus« verbreitet habe, wie Lex bedauerte.

Selbst der große altbayerische Heimatdichter und Schriftsteller Ludwig Thoma (1867 bis 1921), der seine Lausbubengeschichten in Prien, Traunstein und Seebruck »erlebte«, wo seine 1894 verstorbene Mutter in ihren letzten 20 Lebensjahren nacheinander Wirtshäuser gepachtet hatte, könne hier nicht ausgenommen werden. Auch Thoma, der von 1890 bis 1893 als Rechtspraktikant am Amtsgericht Traunstein arbeitete, habe nämlich im Alter unter Pseudonym antisemitische Beiträge und Hetzartikel im Miesbacher Anzeiger veröffentlicht, so Lex. Dies sei aber erst viel später bekannt geworden.

Um ein wenig Werbung für die kleine aber feine Grabenstätter Pfarr- und Gemeindebücherei zu machen, hatte Lex seine Autorenlesung dorthin verlegt. Sie hat freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Büchereileiterin Erika Danzer bedankte sich bei Gustl Lex und der zünftig aufspielenden Haunerdinger Zithermusi. Die Bücherei-Damen kümmerten sich in der Pause ums leibliche Wohl der Gäste. Markus Müller