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Hufschmied im Außendienst auf der Regenalm

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Nicht alltäglich ist es, dass ein Hufschmied auf der Regenalm Pferde beschlägt. Hier macht sich Stefan Herbst gerade an die Arbeit.
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Stefan Herbst bei der kniffligen Arbeit auf der Regenalm. (Fotos: Stanggassinger)
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Der Huf wird beschlagen.
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Hufschmied Stefan Herbst biegt das Eisen auf Steinen zurecht, weil es auf der Alm keinen passenden Amboss oder Schraubstock gibt.

Schönau am Königssee – Die beiden Stuten »Sophie«, 24 Jahre, und »Hella«, 18 Jahre, genießen den Sommer auf der Regenalm. Sie haben Besuch von Stefan Herbst bekommen, der Hufschmied verpasste ihnen maßgefertigte neue Eisen.


Kein Pferdehalfter, sondern nur einen schmalen Riemen mit einem kleinen Glöckerl um den Hals. Keine schwere Arbeit, nur grasen auf den Almmatten im Nationalpark – das dürfen die beiden Süddeutschen Kaltblutpferde von Werner Zeininger diesen Sommer über genießen. Insgesamt hat Zeininger vier Pferde, zwei auf der Alm und zwei zu Hause in Schönau am Königssee zum Kutschenfahren.

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Das einzige, was die Tiere auf der Alm arbeiten müssen: Ab und zu müssen sie zur Versorgung der Regenalm einen schmalen Karren zur Gotzenalm und zurück ziehen. »Das ist umweltfreundlich« sagt Zeininger. Sein Stiefsohn Stefan Herbst ist von Beruf Hufschmied. Am Donnerstag hat er die beiden Pferde auf der Regenalm beschlagen. Als die beiden im Almgebiet angekommen werden sie von den Pferde schnell erkannt. War es die vertraute Stimme oder der mitgeführte blaue Müllsack? Darin war Hafer und jedes Pferd bekam zur Begrüßung eine ordentliche Portion. Sobald die beiden Stuten mit einem Halfter an den Almzaun gebunden waren, konnte die aufwendige Arbeit beginnen.

Zunächst zog Stefan Herbst die Nägel und die alten Hufeisen kamen herunter. Den nachgewachsenen Tragrand schnitt er zurück. Herbst machte anschließend den Huf mit einer Raspel plan. Der Experte kontrollierte auch, ob die Tiere eventuell Hufabszesse durch Steingalle haben. Bei einer Steingalle ist die Huflederhaut des Pferdes stellenweise verfärbt – oftmals rötlich, grün, gelb oder bräunlich. Die Steingalle entsteht, wenn das Pferd sich den Huf quetscht oder stößt. Dadurch blutet die Lederhaut und verfärbt sich. Eine trockene oder nasse Steingalle könnte vorkommen und müsste behandelt werden. Das alles beachtet ein gut ausgebildeter Hufschmied. Bei den beiden Pferden auf der Regenalm war alles tipptopp.

Der nächste Schritt: Das Hufeisen muss gebogen und dem Huf angepasst werden. Da kein Amboss oder Schraubstock zur Verfügung stand, hat der Schmied Stefan behelfsmäßig das Eisen zwischen Steine geklemmt und zurecht gebogen. Das Eisen darf nie den Hufmechanismus stören.

Der Werner hat unterdessen seine Pferde gestriegelt und gegen Fliegen eingesprüht. Er ist im 70. Lebensjahr, seine Tierliebe spürt man. Er strahlt eine Ruhe aus, die sich auch auf seine Pferde überträgt. Sie blieben circa eineinhalb Stunden ruhig stehen und ließen das Prozedere über sich ergehen. Es gab kein Schlagen und kein Wiehern. Hufschmied Stefan musste schleunigst wieder ins Tal zu den nächsten Pferden. Der Werner hingegen nahm den Stuten das Halfter ab und gab ihnen wieder die Freiheit auf den Almmatten. Er setzte sich auf das Bankerl und schaute seinen glücklichen Pferden nach.

Zeininger hat 50 Jahre Berufserfahrung mit Pferden. Sein Großvater und sein Großonkel waren Rossknechte und haben mit Pferden in der Landwirtschaft auf Gehöften im Chiemgau gearbeitet. Von ihnen hat Werner einiges mitbekommen. Seine eigenen Erfahrungen mit Pferden hat er jedoch zunächst bei der Bundeswehr gemacht. Der Schönauer war Zugführer in der Tragtierkompanie und später Leiter der Hufbeschlagschmiede in Bad Reichenhall.

500 Fahrschüler haben bei ihm das Kutschfahren gelernt. Nach der Bundeswehr arbeitete er als Hufschmied und hat immer noch in Schönau am Königssee einen Kutschfahrbetrieb. Unzählige Brautpaare hat er zur Kirche gefahren. Im Berchtesgadener Advent fährt er mit seiner Kutsche durch den Markt, er ist Moderator bei Kaltblutpferdefesten in der Umgebung und beim Schönauer Rosstag. Drei Salzsäumerzüge von Berchtesgaden in den Pinzgau hat er organisiert und ihm wurde das Silberne Fahrabzeichen für Mehrspännerfahrten verliehen. Bernhard Stanggassinger

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