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Hoteleinbrüche für Drogengeld

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Foto: Symbolbild

Schönau am Königssee – Bis auf Heroin hat der heute 34-jährige Koch fast alles genommen. Um an das Geld für Rauschgift zu kommen, schreckte der Mann, der im südlichen Landkreis lebt, auch vor Einbrüchen nicht zurück. Im August 2016 war er in ein Schönauer Hotel eingebrochen. Nur vier Wochen später hatte er in einem nahem Gästehaus 8 000 Euro mitgenommen. Das Schöffengericht in Laufen verurteilte den mehrfach vorbestraften Koch nun zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.


Die Tür an der Rückseite des Hotels war unverschlossen. In die Rezeption kam der Angeklagte mithilfe eines Schraubenziehers. Dort fand er 2 000 Euro Bargeld und 200 Euro Trinkgeld in einem Sparschwein. Auch die rückwärtige Eingangstüre eines Gästehauses soll unversperrt gewesen sein, ebenso der Schreibtisch, in dem sich ein Briefumschlag mit 7 000 Euro Bargeld befand. In einer Bedienungsgeldtasche befanden sich 650 Euro, in einer Kunststoffdose 150 Euro und in einer privaten Geldbörse weitere 200 Euro. Auf seiner Flucht vom Tatort kamen ihm jedoch Polizei und Sicherheitsdienste in die Quere. Die waren alarmiert durch eine Autoaufbruchsserie just in dieser Zeit. Der Versuch, den Rucksack samt Inhalt zu verstecken, misslang – er wurde gefunden. Stattdessen meldete der Koch das Stück wenig später als gestohlen. Der Polizeioberkommissar der Polizeiinspektion Berchtesgaden schilderte, wie Kinder Geldbörsen und ein Hausmeister den Rucksack mit dem hohen Geldbetrag gefunden hatten. DNA-Spuren und andere Hinweise verrieten den Täter, der sich da schon nach Österreich abgesetzt hatte. Am 28. Juni 2017 kehrte der Koch nach Deutschland zurück, wo er dann verhaftet wurde.

Vorgeführt worden war er in Fußketten aus der JVA Bernau, wo er eine Reststrafe absitzt. 2012 war er wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Nach der Verbüßung von drei Jahren war die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt worden, die jedoch widerrufen. Zuvor war der Mann aus den neuen Bundesländern zweimal wegen Betäubungsmitteldelikten zu Geldstrafen verurteilt worden. In Salzburg war eine 18-monatige Freiheitsstrafe nur im Hinblick auf eine beginnende Therapie zur Bewährung ausgesetzt worden. Das jetzige Strafende wäre der 27. Dezember 2018 gewesen. Eine Therapie hat der Koch nach viereinhalb Monaten wegen Psychosen selbst abgebrochen.

»Typisch für den Berufsstand«, sagte dazu Dr. Ulrich Landvogt-Krämer. Es gebe berühmte Kollegen mit vergleichbarem Drogenkonsum. »Er weiß, es ist die letzte Chance, zu überleben«, urteilte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie über die Therapiebereitschaft des Angeklagten. In einem »geschlossenen Rahmen« und einer Dauer von eineinhalb bis zwei Jahren sieht der Gutachter Aussicht auf Erfolg.

Geschockt über das Angebot an Drogen in der JVA Bernau äußerte sich der Koch selbst. Auch Staatsanwalt Dr. Robert Schnabl weiß von dem Druck in dem Knast, dem man sich kaum entziehen könne. Gleichwohl versicherte der Koch, momentan nichts zu nehmen, nicht zuletzt deshalb, weil die »Perspektiven« in der dortigen »Beamtenküche« besser seien als in der »Materialverarbeitung« für die Gefangenen.

Man könnte in diesem Fall durchaus auch über ein Strafmaß von mehr als drei Jahren nachdenken, überlegte Schnabl laut, er wolle dem Angeklagten aber eine Perspektive auf Entlassung nach einer Zweidrittelstrafe geben. Mit einem Strafmaß von zwei Jahren und zehn Monaten wäre die Entlassung nach einer Therapie denkbar, ohne dass der Koch dann noch weiter Monate absitzen müsste.

»Mein Mandant war geständig und ein Großteil der Beute ist zurückgegeben«, warb Rechtsanwalt Dr. Markus Frank für eine Strafe von »nicht mehr als zwei Jahren«, und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Das Schöffengericht entschied auf zweieinhalb Jahre und eine Unterbringung. Seit Juli 2017 ist eine »Werteinziehung« zwingend vorgeschrieben, damit ein Dieb nicht später einen Vorteil von einer Beute hat. Auf 3 130 Euro taxierte das Gericht die nicht beglichenen Schäden, die lebenslang zwangsvollstreckt werden könnten. Hannes Höfer