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»Horch, aus dem Allgäu komm ich her …«

Gekrümmt, zittrig und mit zusammengekniffenen Augen kommt er auf die Bühne geschlürft, angetan mit Filzhut, Trachtenjoppe und kariertem Hemd, und ist erst mal damit beschäftigt, sich einen passablen Gesichtsausdruck zu verordnen. Aber dann legt er los, schwärmt er von den guten alten Zeiten im Allgäu der siebziger Jahre, als man noch Visionen hatte und diese auch umsetzte, etwa in eine Delphin-Therapie im häuslichen Güllebecken. Dumm nur, dass die Viecher dort einfach nicht heimisch wurden und deswegen durch heimische Rindviecher ersetzt werden mussten, die zum Glück bald schon mit ihren Schwimmkünsten von sich reden machten. Ein Erfolg, der ihn schließlich bis in die USA führte, wo sein Name noch heute Legende sei, so sagenhaft erfolgreich waren seine auch von Managern gern gebuchten Cattle-Coaching-Seminare.

Maxi Schafroth (l.) und Markus Schalk brachten die »Faszination Allgäu« ins NUTS. (Foto: Heel)

Ein klarer Fall von Rinderwahnsinn, keine Frage, aber derart bildhaft und pointiert serviert, dass man sich einer Ansteckung nicht erwehren konnte bzw. aus dem Lachen gar nicht mehr heraus fand. Doch kaum waren Filzhut und Trachtenjoppe abgelegt, stand ein gänzlich anderer vor uns, ein lockerer, sympathischer und überaus gewitzter Bauernbub, dem nichts Bäuerliches, respektive Ländliches fremd war und der mit entsprechend haarsträubenden Geschichten und Anekdoten aufwarten konnte. Allein schon, wie er zwei Allgäuer Sturschädel nachahmte, die sich mit ihren Bulldogs auf Kollisionskurs befinden, war einfach umwerfend.

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Kurzum, dieser Maxi Schafroth, Landwirtssohn und gelernter Bankkaufmann aus der Nähe von Ottobeuren, hat einen guten Lauf, seit er vor wenigen Jahren seinen ersten Auftritt im »Vereinsheim Schwabing«, der Nachwuchsbühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, hinlegte. Erstmals größere Bekanntheit erlangte er mit einem Gastauftritt in der Sendung »Ottis Schlachthof« im Februar 2009, dem im März die Premiere seines ersten Soloprogramms »Faszination Allgäu« im Schlachthof München folgte. Aber auch als Schauspieler ist der Kabarettist mittlerweile bekannt, so wirkte er u. a. unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller in der Filmkomödie »Sommer der Gaukler« (nach dem gleichnamigen Roman von Robert Hültner) mit und war kürzlich auch in einer »Tatort«-Folge zu sehen.

Begleitet von dem Gitarristen Markus Schalk, stellte er nun in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS sein Programm »Faszination Allgäu« vor, wobei er das Publikum immer wieder zum Mitmachen animierte, etwa zum Üben des typisch allgäuerischen Dialogs: »Kannscht ma amal helfn?« – »Noi. Dir helf i gwiss nit.« Aber auch viele andere Eigenheiten des Allgäus kamen zur Sprache, etwa die Einsilbigkeit seiner Bewohner, die »mit verdichteten Datensätzen kommunizieren« würden und für die Brautwerbung so ablaufe: »Mei Hof, mei Wald, überlegst dir's halt«.

Köstlich auch, wie der Kabarettist vom Ausbruch der Schumpen (Kälber) erzählte, der den Einsatz der ganzen Familie erfordert hatte, oder vom Allgäuer Stammtisch, bei dem man stundenlang schweigend vor seinem Bier sitzt, es sei denn, ein Witzbold wirft das Reizwort »Milchpreis« in die Gaststube. Ähnlich kurios auch die Vorliebe der Allgäuer für eine Spezialität namens »Einbrenne im Restepfännle«, anstelle der man gleich flüssigen Teer zu sich nehmen könne, so Schafroth.

Diesen Eigenheiten stellte er den abgehobenen Lebensstil des Banker-Pärchens Björn und Silke gegenüber, die mit vermeintlich geschliffener Ausdrucksweise und betont modischem Geschmack einen hübschen Kontrast boten. Dazu gab es zwischendurch immer wieder mal schräges Liedgut, das von »Gemeinsam sparsam sein« bis zum »Kässpätzle-Blues« reichte.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist oder ihn im NUTS verpasst hat, kann ihn am 11. Januar im Bayerischen Fernsehen in der Sendung »Vereinsheim Schwabing: Bühnensport mit Hannes Ringelstetter« und live wieder im NUTS am 17. Mai sehen. Wolfgang Schweiger