weather-image

»Holz trifft Blech«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Musikanten freuen sich über das gelungene Konzert: (von links) Wolfgang Diem, Tobias Spörlein, Thomas Hoger und Johann Schmuck sowie Stefanie Menter, Gabi Oder, Livia Teuer und Marlene Noichl. (Foto: Wunderlich)

Im Rahmen des Chiemgau Alm Festivals mit Musik auf den schönsten Almen und Berggasthäusern fand in der kleinen Kirche St. Servatius auf dem Streichen ein ganz besonderes Konzert statt. Unter dem Motto »Holz trifft Blech« trafen vier temperamentvolle Klarinettistinnen auf ein etabliertes Posaunenquartett.


Einen musikalischen Spannungsbogen zogen Livia Teuer, Stefanie Menter, Gabi Oder und Marlene Noichl zum Posaunenquartett der Grassauer Blechbläser. Die Musikerinnen hatten alle – wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten – den gleichen Lehrer, Albert Osterhammer, das verbindet. Entstanden ist das Klarinetten-Quartett bei einem Lehrerkonzert in Grassau.

Schon seit 25 Jahren macht sich Wolfgang Diem – Leiter der Musikschule Grassau und Mitglied der Grassauer Blechbläser – Gedanken zum Chiemgau Alm Festival. Er erzählt, dass er am liebsten das eigene Potential der Musiker aus der Musikschule Grassau nutzt. Bei diesem Konzert kam ihm die Idee eines Doppel-Quartetts mit vier Klarinetten und vier Posaunen. In Absprache mit Marlene Noichl, die auch die Zweigstelle Schleching der Musikschule betreut, wurden Künstler und Programm zusammengestellt. Besonders stolz war er auf die extra für dieses Konzert und die Zusammenstellung dieser Instrumente umgeschriebenen Kompositionen.

Praktisch, dass der Ehemann von Marlene Noichl zur Stelle war und das Lieblingsstück seiner Frau, das Adagio der Gran Partita (Serenade Nr. 10 B-Dur KV 361) von Wolfgang Amadeus Mozart für das Doppelquartett geschrieben hat. Jeder Besucher konnte hören und sehen, dass hier das Herzblut der Musiker floss. Aber auch das gemeinsam gespielte »Abendlied« von Josef Rheinberger, das eigentlich für einen gemischten Chor zu sechs Stimmen geschrieben wurde, war ein interessantes Experiment mit drei Klarinetten und drei Posaunen, hier wurden neue Ideen sehr harmonisch umgesetzt.

Die Zuhörer freuten sich über ein Programm, das vom Barock bis in die Moderne reichte. Begonnen haben die Grassauer Blechbläser mit einem der wichtigsten Komponisten aus dem 17. Jahrhundert, Samuel Scheidt, mit einem Canzone und wurden in perfektem Übergang abgelöst von den Klarinetten mit dem Oratori aus Salomo von Georg Friedrich Händel »Ankunft der Königin von Saba«. Das erste gemeinsame Stück von Hans Leo Hassler »Echo für zwei Chöre« zeigte, dass das Zusammenspiel von Klarinetten und Blechbläsern einen unverwechselbaren Klang-Genuss beschert. Dank der Bearbeitung des Stücks »Concerto Op. 39, Allegro-Larghetto-Allegro des Posaunenspielers Johann Schmuck freuten sich die Bläser, auch einmal Antonio Vivaldi spielen zu können.

An elf klassischen Stücken konnten sich die Zuhörer in der Kirche freuen, aber damit nicht genug, draußen vor der Kirche ging es zünftig bayerisch weiter. Die Zuschauer lagen und saßen an dem lauen Sommerabend auf der Wiese und konnten sogar noch Alphornklänge genießen, hoch über dem Achental und umgeben auf der einen Seite vom Kaisergebirge und auf der anderen Seite vom Schlechinger Geigelstein und der Kampenwand. Dieses Konzert empfanden nicht nur die Zuhörer als einen ganz besonderen Abend, auch die Musiker hatten sichtlich ihre Freude. Einen schönen Ausklang fanden die Gäste im Berggasthof Streichen, wo man gemütlich beieinander saß und das eindrucksvolle Konzert gedanklich nachklingen ließ.

Das Chiemgau Alm Festival gastiert am Mittwoch, 3. Juli, um 19 Uhr ein weiteres Mal am Berggasthof Streichen. Es wird einen zünftigen Hoagascht geben. Die »Schlechinger Sänger« haben die »Huber Dirndln« aus Wildenwart und die »Boarische Almmusi« vom Hochberg (Siegsdorf) und Mittenwald zum gemeinsamen Singen und Musizieren eingeladen. Sybilla Wunderlich