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Hoffenheim weiter tief in der Krise: 3:5 in Freiburg

Freiburg (dpa) - «Wiese, Wiese ha ha ha!». Verhöhnt, gedemütigt und mit gesenktem Kopf verließ Ex-Nationaltorwart Tim Wiese nach dem bitterem 3:5 (1:2) von 1899 Hoffenheim im badischen Bundesliga-Derby beim SC Freiburg den Platz. Mindestens zwei Tore gingen auf die Kappe des Kapitäns.

SC Freiburg - TSG 1899 Hoffenheim
Tim Wiese (l) griff beim 3:2 durch den Freiburger Fallou Diagne mächtig daneben. Foto: Patrick Seeger Foto: dpa

Bundestrainer Joachim Löw dürfte sich auf der Tribüne bestätigt gesehen haben, dass er den 30-Jährigen nicht mehr berücksichtigt. Ausgerechnet Wiese stürzte die Hoffenheimer und Trainer Markus Babbel immer tiefer in die Krise. Bei den beiden Treffern von Fallou Diagne und Cedrick Makiadi in einer turbulenten Schlussphase sah der Keeper des Tabellenletzten ganz schlecht aus und musste sich hämische Rufe von den SC-Fans anhören.

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«Ich werde jetzt hier keine Kritik üben, das machen wir intern», sagte Babbel nach dem Abpfiff im Sky-Interview. Ob die Position des Schlussmanns jetzt eine Baustelle sei? «Nein», sagte der 1899-Coach. Ob der Club ein Torwartproblem habe? «Es gibt kein Problem.» Wiese selbst ging kopfschüttelnd und ohne Kommentar zum Mannschaftsbus.

Für Babbel wird die Luft nach 15 Gegentoren und vier Niederlagen in vier Pflichtspielen immer dünner. Der 40-jährige Coach der Kraichgauer gab sich aber kämpferisch: «Wenn wir chancenlos aufgetreten wären, hätte ich jetzt ein Problem», meinte Babbel. Arbeitsplatzsorgen, sagte er, mache er sich «überhaupt keine». Er wisse, was er mit dem Team in der Woche mache. «Wenn ich heute eine tote Mannschaft auf dem Platz gesehen hätten, dann wäre es schwierig.»

Der SC Freiburg dagegen durfte am Sonntag vor 22 088 Zuschauern einen Vereinsrekord bejubeln: Die Mannschaft blieb unter Christian Streich im zehnten Heimspiel hintereinander ungeschlagen und ist damit erfolgreicher als in der Saison 1994/95 unter Coach Volker Finke. «Wir hatten uns entschieden, das ganz, ganz hohe Risko zu gehen offensiv zu spielen. Ich bin in einem guten Verein, in einer schönen Stadt. Mir geht es gut», sagte Streich.

Die Freiburger Anhänger erfreuten sich am schwachen Wiese. Der Ex-Bremer, der von Babbel gegen viele Fanproteste geholt worden war, stand völlig neben sich. Die Neuzugänge Karim Guedé (17.) und der überragende Max Kruse (27.) brachten die Freiburger zunächst 2:1 in Führung. Matthieu Delpierre hatte für die Hoffenheimer bereits in der zweiten Spielminute getroffen.

Kurz nach seiner Einwechslung zur Pause schaffte dann Boris Vuckevic (57.) den Ausgleich, ehe sich die Ereignisse überschlugen. Diagne (68.) und Makiadi (83.) nutzten die Wiese-Schwächen, der Japaner Takashi Usami (76.) hatten zwischenzeitlich die Hoffenheimer Hoffnungen am Leben erhalten. Sebastian Freis (87.) sorgte kurz vor Schluss für klare Verhältnisse mit dem 5:3. «Wenn wir so weiterspielen, dann brauchen wir nicht über Europa Lague oder sonst so einen Scheiß reden. Wir müssen ganz schnell den Schalter umlegen», sagte Hoffenheims Daniel Williams.

Die Leidenschaft und der Kampfgeist der Freiburger hatten sich letztendlich durchgesetzt. Und damit hat Trainer Babbel seit seinem Amtsantritt in Hoffenheim am 10. Februar nur vier Siege geschafft. Mäzen Dietmar Hopp hatte noch vor dem Spiel festgestellt: «Wir haben volles Vertrauen in Markus Babbel.» Nach dem Abpfiff meinte der Trainer: «Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir stellen den Betrieb ein oder wir arbeiten weiter.»

Spieldaten:

Ballbesitz in %: 59,3 - 40,7

Torschüsse: 23 - 9

gew. Zweikämpfe in %: 52,2 - 47,8

Fouls: 11 - 18

Ecken: 11 - 2

Quelle: optasports.com