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Hochbegabte Kinder, verliebte Pfarrer, frustrierte Stadtführer

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Michael Altinger (von links), Tilmann Birr, Thomas Lienenlüke und Werner Meier präsentierten Musik und Kabarett in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Heel)

Ungewöhnlich viel Musik stand diesmal auf dem Programm, das der Kabarettist Michael Altinger und seine drei Gäste in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS präsentierten.


Nur Altinger selbst hielt sich musikalisch bedeckt und führte mit gewohnt launigen Sprüchen durch den Abend. So empfahl er z. B. den Ösis, bei den Kuverts zur nächsten Präsidentenwahl doch den Klebstoff der Vignette zu verwenden: »Der pappt ewig.« Eine Warnung hatte er hingegen für die Leute parat, die aus Protest die AfD zu wählen, um den etablierten Parteien einen Denkzettel zu verpassen. Denn eines Tages würden sie die Quittung dafür erhalten.

Zuletzt kam er noch auf seine Jugend in den achtziger Jahre zu sprechen, als eine rote Lederkrawatte und weiße Tennissocken als todschick galten, Lothar Matthäus der Held der Nation war und jeder Pole noch willkommen war, ob als Papst oder Laminatverleger.

Altingers erster Gast war Thomas Lienenlüke, ein Ostwestfale mit Wohnsitz im Rheinland, der seit über 20 Jahren für Kabarett-Sendungen wie »Satire-Gipfel« (ARD) oder »Klugscheißer« (BR) schreibt und seit 2013 als erster Nichtbayer auch für das traditionelle »Derblecken« am Nockherberg. Ein freundlich daherkommender Liedermacher, der mit sanftem Spott die Tristesse seiner Heimat besang, sich über Deutschlehrer in Jack-Wolfskin-Jacken lustig machte (»Die überleben alles«) und stolzen Supereltern (vermeintlich) hochbegabter Kinder mitgab: »Es gibt nur ein Problem mit dem kleinen Genie. Hochbegabt ist er nur in Papas Fantasie. (…) Der Kindergärtner sagt: Nehmen Sie’s nicht so schwer, doch es gibt Stühle hier im Raum, die sind klüger als er.«

Auf Thomas Lienenlüke folgte Werner Meier, der seit über dreißig Jahren Musik macht, satirische Texte, Lieder, Theaterstücke, Bücher, Shows und Musicals schreibt und nebenbei Tomaten züchtet. Er präsentierte Auszüge aus seinem Programm »… apps geht imma!«, ein schönes Wortspiel, denn »ebbs geht imma«, vor allem dann, wenn man genügend Apps bzw. Applikationen auf sein Smartphone geladen hat. Wie zum Beispiel der Sepp, der für alle Wechselfälle des Lebens die richtige App parat hat, und dem Meier eingangs auch gleich sein Lied »Frag ma an Sepp« widmete.

Doch der digitale Alltagsdschungel mit seinen scheinbar unendlichen Möglichkeiten diente Meier nur dazu, um zwischendurch immer wieder mal Erscheinungen wie den SMS- bzw. Whatsapp-Wahn aufs Korn zu nehmen. Muss ja auch eine geradezu entsetzliche Erfahrung sein, wenn man in der S-Bahn bemerkt, dass man sein Handy vergessen hat. Und man plötzlich, quasi als Online-Loser, zum Fenster hinausschauen muss.

Doch Männer können auch anderweitig in die Zwickmühle geraten, etwa dann, wenn man mit seiner Haushälterin unter einem Dach wohnt und »der Geist willig und das Fleisch noch stark ist«, der Beruf dem Trieb aber im Weg steht. Wie das enden kann, erzählte Meier so verschmitzt wie lebensnah in seinem Liebeslied »Verliabter Pfarrer«. Denn, so sein Credo gegen Ende seines Auftritts, »Das Leben, des is koa Sparkasse«, das Leben gehört verbraucht und nicht wie ein Konto geführt, penibel in gesunde Führung (plus) und Ausschweifungen (minus) aufgeteilt. Oder anders gesagt: »Ebbs geht imma«, auch ohne Apps.

Altingers letzter Gast war Tilmann Birr, ein gebürtiger Hesse mit Wohnsitz in Berlin, wo er eine Zeitlang auch als Stadtführer tätig war. Und sich dabei mit Fragen herumschlagen musste wie: »Hat Hitler die Mauer gebaut?« oder »Wieso ist man um die Mauer nicht einfach herum gelaufen?«

Dazu zitierte der in zahlreichen Dialekten versierte Kabarettist Passagen aus seinem Buch »On se left side you see se Siegessäule« und beschloss seinen Auftritt mit einem herrlich komischen Dialog zwischen einem Mann, dem die Brieftasche geklaut worden war, und einem Polizeibeamten, der auf eine korrekte Anzeige bestand. Die muss nämlich lauten: »Ich möchte Anzeige erstatten«, und nicht etwa: »Ich möchte eine Anzeige machen.«

Kurzum, ein ungemein unterhaltsamer Abend, und wer Kabarett mag, sollte sich den 8. März 2017 vormerken, wenn Altinger mit seinem Kabarett-Brettl wieder im NUTS zu Gast sein wird. Wolfgang Schweiger