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Hintergrund: Endspiel für Rösler

Berlin (dpa) - Schicksalstage eines Parteivorsitzenden: Für FDP-Frontmann Philipp Rösler geht es nach der Niedersachsen-Wahl um die politische Zukunft. Hinter den Kulissen positionieren sich seine Gegner, um Macht und Posten neu zu verteilen.

Rösler und Brüderle
Rastlose FDP-Spitze: Philipp Rösler und der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle. Foto: Bernd Weißbrod Foto: dpa

Ein Überblick über die Akteure im Machtkampf:

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PHILIPP RÖSLER (39): Der Wirtschaftsminister und Vizekanzler will die Parteispitze behaupten. Scheitert die FDP in Niedersachsen an der Fünf-Prozent-Hürde, dürfte ein Rücktritt unausweichlich sein. Holt die FDP in seiner Heimat ein gutes Ergebnis, wäre Rösler gestärkt, ein Putsch vorerst unwahrscheinlich. Rösler könnte dann ein Team vorschlagen: Er selbst weiter an der Parteispitze, Fraktionschef Brüderle als Frontmann im Bundestagswahlkampf.

RAINER BRÜDERLE (67): Er gab sich monatelang keine Blöße und stützte öffentlich Rösler. Am Freitag ließ er in einem ARD-Interview die Muskeln spielen. Der Mai-Parteitag müsse früher kommen, um die Krise zu beenden. Der gewiefte Pfälzer steht als Vorsitzender bereit, will aber nicht Königsmörder sein. Ob er sich für ein Acht-Monate-Tandem mit Rösler im Wahlkampf hergibt, ist offen.

CHRISTIAN LINDNER (34): Der Chef des mächtigen Landesverbandes Nordrhein-Westfalen gilt als Gesicht einer neuen, modernen FDP. Die Parteispitze kommt für den Hobby-Rennfahrer aber zu früh. Er stellte sich jetzt offen an die Seite Brüderles. Lindner soll beim Parteitag Vize werden und irgendwann den Vorsitz übernehmen. Er warf als Röslers Generalsekretär in Berlin hin, holte in NRW dann 8,6 Prozent.

SABINE LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER (61): Die Justizministerin und Landeschefin in Bayern hat viel Einfluss. Die Basis feiert sie als Hüterin der Bürgerrechte. «Schnarre» ist Röslers Stellvertreterin, sie dürfte beim nächsten Parteitag gesetzt sein. Wird Rösler entmachtet, könnte sie zur Vizekanzlerin im Kabinett aufsteigen.

GUIDO WESTERWELLE (51): Er wurde 2011 durch die «Boygroup» mit Rösler, Lindner und Daniel Bahr von der Parteispitze verdrängt. Als Außenminister wurde er lange belächelt, ist aber jetzt im Amt angekommen - und in der Partei ein Machtfaktor. Westerwelle stützt Rösler - nach außen. Sein Verhältnis zu Lindner gilt als angeknackst, zu Brüderle solide.

DIRK NIEBEL (49): Der zupackende Entwicklungsminister hat es mit seiner Rösler-Jagd übertrieben. Beim Dreikönigstreffen lästerte er auf offener Bühne. Mancher empfand das als parteischädigend. Der Ex-Fallschirmjäger muss selbst aufpassen, dass er politisch nicht abstürzt. Er könnte auf dem Parteitag abgestraft werden.

WOLFGANG KUBICKI (60): Der Kieler Fraktionschef ist einer der schärfsten Kritiker Röslers, den er für zu weich hält, um die FDP «aus dem Verschiss» zu holen. Er schaffte 2011 mit seinem Power-Wahlkampf in Schleswig-Holstein 8,2 Prozent. Kubicki, der für den Bundestag kandidiert, könnte am Montag im Vorstand den Aufstand proben. Ihm werden Ambitionen auf den Posten des Generalsekretärs nachgesagt.

HANS-DIETRICH GENSCHER (85): Der legendäre Außenminister mit dem gelben Pullunder mischt kräftig mit im Machtpoker. Sein Wort besitzt unverändert Gewicht. Genscher verteilt seine Gunst großzügig. Sein Liebling ist Lindner, Brüderle schätzt er auch. Am Freitag stützte er dann Rösler.

PATRICK DÖRING (39): Seinen Freund aus Niedersachsen machte Rösler nach Lindners Abgang zum Generalsekretär in Berlin. Döring rackerte im Wahlkampf, aber er muss um seinen Job zittern, wenn Rösler fällt.

DANIEL BAHR (36): Der Gesundheitsminister verlor den NRW-Landesvorsitz und seine Hausmacht an Lindner. Er gab Rösler zuletzt Rückendeckung. Bahr taktiert und muss schauen, was nach der Bundestagswahl aus ihm wird.