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»Hinter einem Tunnel steckt viel mehr als nur Licht«

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Regelmäßig muss das Entwässerungssystem im Ettendorfer Tunnel von Ästen, Schlamm und Steinen befreit werden. (Fotos: A. Hauser)
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So voll kann ein Gully im Tunnel sein.

Traunstein – Der Tunnel ist wieder sauber: Im Zuge der halbjährlichen Reinigungs- und Wartungsarbeiten wurde er in den vergangenen zwei Tagen »auf Vordermann« gebracht. Zehn Fachfirmen waren beteiligt, erklärte Tunnelmanager Josef Kaiser vom Staatlichen Bauamt Traunstein.

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Am ersten Tag wurden die Tunnelwände und die Straße gereinigt, erklärte Kaiser. Das geschah mit einem speziellen Fahrzeug mit seitlich ausfahrbaren Bürsten und eine Halterung für eine Bodenbürste. An den Wänden hat sich über die Sommermonate viel Dreck von den vielen Fahrzeugen, die tagtäglich den Tunnel passieren, angesammelt. Nach der Reinigung erkenne man deutlich, dass es im Tunnel wieder heller wird, so Kaiser. Das habe auch Auswirkungen auf die LED-Lampen, die im Tunnel für die Beleuchtung sorgen. Diese passen sich nämlich an das Tageslicht an; je heller es draußen ist, desto heller wird es auch im Tunnel. Ist dieser stark verschmutzt, leuchten auch die Lampen heller. Das bedeute aber auch einen höheren Energieverbrauch, sagte der Tunnelmanager.

Am zweiten Tag der Wartungsarbeiten wurde dann das Entwässerungssystem von Ablagerungen befreit. Zwei bis drei Kubikmeter Schlamm, Stroh, Steine und kleine Äste wurden aus den Kanälen gepumpt.

Seitlich befinden sich im Tunnel Schlitzrinnen, in die das Wasser abfließen kann. Das Wasser in den Rinnen wird alle 50 Meter in sogenannten Sinkkästen gesammelt. Von dort fließt das Wasser unterirdisch in einen Hauptkanal und sammelt sich in einem sogenannten Havariebecken am Anfang des Tunnels. Dort wird das Wasser, nachdem es mit Hilfe von verschiedenen Filtern gereinigt wurde, in den Grundbach gespült, der in die Traun fließt, erklärte Kaiser.

Bei stärkeren Regenfällen kann Wasser in den Tunnel laufen. Die Straße hat nämlich eine leichte Steigung. Wird das Kanalsystem nicht regelmäßig von Unrat befreit, kann sich Regenwasser im Tunnel stauen. Das Wasser kann nicht mehr richtig abfließen und im schlimmsten Fall nicht mehr in den Gewässerschutzanlagen gereinigt werden.

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum die Kanäle gesäubert werden müssen: Bei Unfällen könnte sich Benzin oder Leichtflüssigkeiten im Tunnel verteilen. Da die Flüssigkeiten leicht entzündbar sind, kann so ein Tunnelbrand entstehen. Dank des Entwässerungssystems können diese Flüssigkeiten jedoch abfließen und sich das Feuer nicht weiter ausbreiten, teilte der Tunnelmanager mit. Neben den Reinigungsarbeiten wurde an diesen zwei Tagen allerdings noch einiges mehr gemacht: Am Tunnelportal wurden die Sträucher und Bäume zurückgeschnitten. »Das kann nur an den zwei Tagen gemacht werden, an denen der Tunnel gesperrt ist«, sagte Kaiser. »Die Gefahr wäre sonst zu groß, dass etwas auf die Straße fällt«. Unter anderem wurden außerdem die Brandmeldeanlagen, die Elektro- und Verkehrstechnik sowie die Notstromversorgung überprüft. Die Überwachungskameras und die Notrufsäulen werden geputzt sowie die Fluchtwege kontrolliert.

Irgendwelche unvorhersehbaren Beschädigungen gab es nicht, teilte Kaiser mit. Planmäßig wurden die Türschlösser an den Fluchtwegen ersetzt. »Die Salzluft hat von Winter zu Winter die Schlösser der Türen so stark angegriffen, das sie erneuert werden mussten«, so Kaiser.

Immer wieder stehen die halbjährlichen Tunnelwartungen in der Kritik »Die Leute fragen mich immer wieder, ob die Arbeiten nicht auch in der Nacht stattfinden können«, so Kaiser. Laut dem Tunnelmanager ist das schwierig. Vor ein paar Jahren fand die Reinigung in der Nacht statt. »Da ist ständig die Polizei vorbeigekommen, weil sich die Anwohner beschwert haben«, erklärte Kaiser. Auch würden sich die Kosten um 30 Prozent erhöhen und die Leistungsfähigkeit der Arbeiter sei nicht dieselbe. Zudem könne man bei Beschädigungen, die im Rahmen der Reinigungen und Wartungen festgestellt werden, schneller und besser reagieren. »Hinter einem Tunnel steckt nämlich viel mehr als nur Licht«, resümierte Tunnelmanager Josef Kaiser. aha