weather-image
26°

Hilfe bei chronischer Kreislaufschwäche?

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Schluss mit Ausfahrt: Ab Sommer 2020 soll am Bahnhofskreisel ein Bypass Richtung Ramsau führen. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Nun ist es amtlich: Baudirektor Martin Bambach hat in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats am Montagabend die Ergebnisse der Studie zur Verkehrsbelastung des Bahnhofskreisels vorgestellt. Laut dem Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt geht daraus eindeutig hervor, dass ein Bypass Richtung Ramsau die beste Möglichkeit für eine Entlastung bietet. Baubeginn soll im Herbst sein.


Bei der Freigabe des Bahnhofskreisels im Jahr 2006 sei man im Staatlichen Bauamt noch davon überzeugt gewesen, dass es sich um einen verkehrssicheren Knotenpunkt handle, betonte Martin Bambach. Einen Bypass, der damals schon im Gespräch gewesen sei, habe man für unnötig erachtet. »Doch dann gingen die Diskussionen schon los«, so der Baudirektor. Bereits wenige Jahre später sei, vor allem im Sommer, die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht gewesen. Als Reaktion darauf habe man die Ampeln an der Schießstättbrücke modernisiert. Ohne Effekt. Und ab 2014 habe Bürgermeister Rasp »massive Beschwerden« vorgebracht. Das Problem damals: »Es war kein Geld da.«

Einen Ruck Richtung Bypass gab es im Januar 2018, als Christian Rehm neuer Leiter des Staatlichen Bauamts wurde. Aufgrund der hohen Kosten sei das Projekt zwar erneut infrage gestellt worden. Jedoch habe Rehm sein Ok für den Fall in Aussicht gestellt, wenn Sinn und Zweck eines Bypasses bewiesen werden. Ein auf Kreisverkehre und Kreuzungen spezialisierter Verkehrswissenschaftler hat dann an einigen Tagen im August zwischen 6 und 19 Uhr mit mehreren Kameras die Verkehrsströme erfasst und ausgewertet. Das Ergebnis: Die Verkehrsbelastung dort ist enorm.

Weitere Erkenntnisse waren: Kaum jemand nutzt die Innenspur. Außerdem verhalten sich Autofahrer gegenüber Bus- und Taxifahrern sowie Fußgängern überaus zuvorkommend. »Das ist zwar sehr lobenswert«, erklärte Martin Bambach, »bremst den Verkehrsfluss aber aus.« Zudem seien vor allem Touristen bei guter Sicht stark durch die Umgebung abgelenkt, was die Einfahrtszeit verlängere und die Einfahrtsgeschwindigkeit verringere.

Mit dem Bypass solle sich das ändern. Ein paar Beispiele: Der Rückstau in der Spitzenstunde eines Sommertags auf dem sogenannten Arm 1 Richtung Ramsau soll sich von 410 auf 250 Meter verkürzen. Der Knackpunkt Bavaria-Knoten ist übrigens 372 Meter entfernt. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den reinen Standzeiten pro Fahrzeug vor der jeweiligen Einfahrt in den Kreisel. Richtung Ramsau sollen es laut Studie statt 147 nur noch 60 Sekunden sein. Richtung Königssee statt 161 nur noch 49 Sekunden.

Wie Martin Bambach berichtete, wäre ein Bypass aus Richtung Königssee aber sogar kontraproduktiv. Die vorgesehene Abbiegespur zur Bahnhofhofstraße Richtung Salzburg sei allerdings eine Entlastung. Laut Gutachten muss der Bavaria-Knoten nicht umgebaut werden, die jeweiligen Ampeln aber auf kürzere Umlaufzeiten programmiert werden.

Die erste Bauphase soll im Herbst beginnen. Nach einer Winterpause sollen die Arbeiten im Frühjahr weitergehen und im Sommer abgeschlossen sein. Kostenpunkt: 1,3 Millionen Euro. Wie Marktbürgermeister Franz Rasp gestern mitteilte, soll es Ende Juni eine Infoveranstaltung zum Bypass geben. Mit dabei sein wird da auch Verkehrsingenieur Peter Nolden, der die Studie gemacht hat. Auf Drängen von Dr. Bartl Wimmer (Grüne) wird der Experte auch zeigen, wie der Kreisel auf das erwartbare steigende Verkehrsaufkommen reagieren wird. Christian Fischer