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Hertha wirtschaftlich im Zugzwang - Schulden wachsen

Berlin (dpa) - Die Mannschaft von Hertha BSC ist im Plan und will nach dem Ausrufezeichen in Aue nun die Tabellenspitze im Fußball-Unterhaus angreifen. Doch der Druck auf den Bundesliga-Absteiger bleibt groß - vor allem auch aus finanzieller Sicht.

Finanzchef
Ingo Schiller verkündete die Geschäftszahlen von Hertha BSC. Foto: Sören Stache Foto: dpa

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würden sich bei einem Nichtaufstieg und damit «einem zweiten Jahr in der 2. Liga noch mehr verschärfen», betonte Hertha-Finanzchef Ingo Schiller, der den Mitgliedern den gewachsenen Schuldenberg erklären musste.

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Schon jetzt ist die Lage angespannt: In der Abstiegssaison 2011/12 haben sich die Verbindlichkeiten von 34,7 Millionen auf 42,0 Millionen Euro erhöht. Grund zur Besorgnis sieht der Hauptstadtclub aber nicht. «Das ist eine Vokabel, die ich nicht verwenden würde. Aber es entspricht nicht dem, wofür wir angetreten sind», sagte Schiller. Einem Aufwand von 79,8 Millionen Euro, davon 32,4 Millionen Euro Personalkosten, stand in der vergangenen Spielzeit ein Umsatzerlös von 72,5 Millionen Euro entgegen.

42 Millionen Euro Verbindlichkeiten sind der höchste Wert seit 2006. Man müsse die Schuldenlast natürlich im Auge behalten, «dass sie nicht weiter steigt», bemerkte Geschäftsführer Schiller. Allein das Team von Trainer Jos Luhukay, das sich als Tabellenzweiter auch zur Mitgliederversammlung angesagt hatte, kann mit anhaltendem sportlichen Erfolg für eine langfristige Entspannung sorgen.

«Bis zum Jahresende», sagte Luhukay, wolle man «ganz oben stehen» in der Tabelle. Das souveräne 4:0 bei den unbequemen Erzgebirglern wurde schnell abgehakt, am Donnerstag soll gegen Mitabsteiger Köln das 14. Spiel ohne Niederlage folgen. Um die sofortige Rückkehr ins Oberhaus zu realisieren, müsse aber noch viel verbessert werden, unterstrich Kapitän Peter Niemeyer: «Wir haben in Aue zu viel zugelassen, was Topmannschaften bestrafen.»

Gegen Köln wird allerdings ein weiterer Spieler ausfallen. Nico Schulz erweitert die ohnehin lange Verletzten- und Rehaliste der Berliner. Mindestens drei Wochen ist der Mittelfeldmann nach seinem Außenbandanriss im linken Sprunggelenk nicht einsatzfähig. Zudem plagt sich Peer Kluge weiter mit einem Magen-Darm-Infekt. In der Offensive hat Luhukay dagegen die Qual der Wahl, Sami Allagui zeigte sich bereits unzufrieden mit meiner Reservistenrolle.

Das Geschäftsjahr 2011/12 habe der Berliner Club mit 5,9 Millionen Euro Verlust vor Steuern und Sondereffekten abgeschlossen, berichtete indes Schiller. Durch die Ausgliederung von Vermarktungsrechten an eine Tochtergesellschaft verbuchte die Hertha BSC Aktiengesellschaft einen Gewinn von 12,7 Millionen Euro. Der außerordentliche Ertrag von 20 Millionen Euro für die Vermarktung des Hertha-Logos ist aber nicht liquiditätswirksam. «Das ist eine Bilanzmaßnahme, um das Eigenkapital positiv zu gestalten», erläuterte Schiller. Damit will Hertha auch mögliche Auflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) verhindern.