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Hernandez wankt: Exil-Kubaner bleibt aber Weltmeister

Bamberg (dpa) - Dem Champion ist ein Zacken aus der Krone gebrochen: Boxweltmeister Yoan Pablo Hernandez hat seinen IBF-Gürtel im Cruisergewicht zwar erfolgreich verteidigt.

Weltmeister
Cruisergewichtler Yoan Pablo Hernandez verteidigte erfolgreich seinen Titel. Foto: David Ebener Foto: dpa

Den erneuten Nachweis boxerischer Extraklasse blieb der größte Hoffnungsträger des Berliner Sauerlandstall in Bamberg bei seinem schmeichelhaften Punktsieg (114:113, 115:112, 116:112) über den Kanadier Troy Ross allerdings schuldig. «Respekt für Troy. Er war ein großer Gegner», sagte Hernandez erschöpft und schwer gezeichnet. Und befand: «Es war eng, aber der Sieg war verdient.»

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Die Meinung des seit 2005 in Deutschland lebenden Exil-Kubaners, der den 27. Sieg im 28. Kampf seiner Karriere feierte, teilten bei weitem nicht alle Experten - und die 3000 Zuschauer schon gar nicht. Sie pfiffen. Aus gutem Grund. Ross tat das, was ein Herausforderer tun muss. Der elf Zentimeter kleinere Kanadier ging mutig nach vorn, überwand immer wieder die Reichweitennachteile und brachte den Titelverteidiger mit harten Schlägen in Verlegenheit. «Mir war klar, dass er einen harten Punch hat», sagte Hernandez. «Ich musste immer aufpassen.»

Eben dies tat der 27 Jahre alte Schützling von Trainer Ulli Wegner vor allem in der ersten Kampfhälfte aber nicht und lief mehrfach Gefahr, den zweiten K.o. seiner Karriere hinnehmen zu müssen. Hernandez musste in Runde fünf angezählt werden und wankte auch in der Runde danach. Aber er fing sich wieder. «Wie Pablo diese schwere Phase überstanden hat, das verdient Anerkennung», urteilte Meistertrainer Wegner.

Dem 70-Jährigen stand wie immer der Schweiß auf der puterroten Stirn. Und: Diesmal hatte es ihm sogar fast die Sprache verschlagen, so eng war das wechselvolle Geschehen in dem schlagstarken Gefecht. Am Ende war der Platzhirsch der Glücklichere. Zu Recht, wie Wegner meinte: «Der Kampf war sehr eng, aber der aktivere Mann, der in der Schlussphase die klareren Treffer hatte, war auf jeden Fall Yoan Pablo Hernandez.»

Supermittelgewichtsweltmeister Arthur Abraham, Stallkollege von Hernandez, sah dies zwar ebenso, räumte aber ein: «Man hätte auch ein Unentschieden geben können.» Das wäre gerechter gewesen und hätte am Weltmeister-Status von Hernandez nichts geändert. Die wohl beste Lösung aber hatte Henry Maske parat: «Es wäre eine großartige Sache, wenn Pablo sagen würde: Ich boxe den Ross noch mal.» Hat er aber nicht. Noch nicht. Dafür aber hat sein Manager eine Neuauflage des Duells in Aussicht gestellt. «Aus meiner Sicht müsste es ein Rematch geben, um einen klaren Sieger zu finden», teilte der 72-jährige Wilfried Sauerland aus dem fernen Südafrika mit.