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Hermann Nitsch ein 80er

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Das Porträt Walter Angerer des Jüngeren von Hermann Nitsch entstand 2012, als beide an der Kunstakademie Bad Reichenhall tätig waren. (Foto: Giesen)

Der österreichische Künstler Hermann Nitsch, 1938 in Wien geboren, ist vor allem für seine »Blutorgien« bekannt. Kürzlich kam er wieder mal in die Schlagzeilen, als bei einer seiner Kunstaktionen ein Blut beschmiertes Hemd verschwand – denn die niederösterreichische Polizei behandelte den Fall als Kunstdiebstahl, obwohl es nicht mal die Unterschrift des Künstlers enthielt.


Das Hemd stammte aus einer Kunstaktion, die im vergangenen Sommer zu Nitschs 80. Geburtstag in Mistelbach, Weinviertel, stattfand, wo das österreichische Nitsch-Museum steht. Bei der Aktion flossen 150 Liter Blut.

Hermann Nitschs Weltbild ist stark von mystischen Autoren, aber auch von de Sade, Nietzsche, Sigmund Freud, C. G. Jung oder Antonin Artaud bestimmt. Nach Auffassung des Künstlers sollen seine Aktionen bei den Zuschauern zuerst Ekel und Abscheu, dann aber eine Katharsis, eine Art innerer Reinigung und Erkenntnis auslösen. Durch die Verbindung von realen Dingen, zum Beispiel Tierkadavern, will er den Betrachter zwingen, sich oft verdrängte Gegebenheiten wie Blut und Tod bewusst zu machen. Er verknüpft diese Inhalte mit religiösen Bildern, zum Beispiel Opferritualen und liturgischen Inhalten wie Kreuzigung oder unbefleckter Empfängnis. Aus dem Grund ist Österreichs bekanntester Künstler der Gegenwart sowohl bei Theologen als auch Tierschützern stark umstritten. Seine Werke sind in fast allen bedeuten-den Museen Europas und der USA vertreten.

Im Jahr 2012 unterrichtete Hermann Nitsch, wie schon mehrmals zuvor, an der Sommerakademie in Bad Reichenhall wie zu der Zeit auch der Siegsdorfer Künstler Walter Angerer der Jüngere. In dem Jahr malte Angerer das Porträt von Hermann Nitsch, das derzeit im Original in Angerers Atelierfenster im Schaumburger Schlössl in Traunstein zu sehen ist. Christiane Giesen