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Hermann Hesse von einer ganz anderen Seite

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Schauspieler Klaus Brückner und Musiker Sunyata Kobayashi gestalteten die Matinee im Rahmen der diesjährigen Literaturwoche. (Foto: Mix)

Die Matinee im Rahmen der Steiner Literatur- und Medienwoche gestalteten Klaus Brückner und Sunyata Kobayashi. Der Schauspieler Klaus Brückner las Gedichte von Hermann Hesse, kurze »Minidramen« wie er sie nannte, und wurde dabei auf angenehm einfühlsame Art von der Gitarrenmusik Kobayashis begleitet.


Klaus Brückner hat seine Liebe zu Hermann Hesse erst spät entdeckt, sich aber dafür umso intensiver mit seiner Biografie und seinem Werk beschäftigt. Hesse soll einmal gesagt haben: »Wenn wir nur einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, sollten wir das tun.« In diesem Sinn hätte laut Klaus Brückner der Dichter an der Veranstaltung in der Aula der Schule Schloss Stein sicherlich Gefallen gefunden. Für die Lesung hatte der Schauspieler rund 30 Gedichte aus der Fülle an Texten von Hermann Hesse herausgesucht, die »aus der Reihe tanzen«. Darin werden Themen wie Liebe, Trunkenheit, Eifersucht, Aufruhr gegen den Krieg und ganz persönliche Lebenssituationen vom Dichter oft frech, teils wütend, manchmal selbstironisch behandelt.

Hesse hinterließ eine ganze Fülle an Werken und soll bereits mit 13 Jahren gesagt haben: »Ich werde Dichter oder gar nichts.« Schnell habe er aber erkennen müssen, dass man »zwar Dichter sein, aber nicht werden« könne. Es gab keine klassische Ausbildung dafür wie für andere Berufe. Schon seine frühen Gedichte zeigen aber, dass er es doch meisterlich verstand, seine Eindrücke zu Papier zu bringen. »Hesse war einer der ehrlichsten Dichter überhaupt, er hat viel an seinen Gefühlen gearbeitet«, erzählte Brückner. Schwere Krisen, beruflich wie familiär, habe er in seinen Gedichten verarbeitet. Auch sei er ein »im sympathischen Sinne unangepasster Mensch« gewesen. Das habe ihn oft einsam gemacht.

Zur Auflockerung zwischen dem Gelesenen und Erzählten spielte Sunyata Kobayashi selbst komponierte Stücke, die perfekt zu den Gedichten passten. Brückner und Kobayashi hatten sich bei einem Stummfilmdreh kennengelernt und taten sich zusammen, um ein Abendprogramm über Hermann Hesse auf die Beine zu stellen. Kobayashi sang seine Lieder bei der Matinee in deutscher, englischer, französischer, japanischer Sprache. Zuletzt überraschte der Musiker mit japanischen Wurzeln die Zuhörer sogar mit einem Lied auf Bairisch, in dem er beschreibt, warum er sich im Freistaat so wohl fühlt.

Die Besucher der Matinee genossen den Vortrag der beiden. »Ich hab heute Hermann Hesse von einer ganz neuen Seite kennengelernt«, betonte eine Besucherin anschließend und lobte die sehr gelungene Mischung aus Lesung und Musik. Pia Mix