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»Hereinspaziert« auf die Ainringer Freilichtbühne

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Alfons Panzl (rechts) spielte virtuos auf dem vierreihigen Xylofon. Er begeisterte in Ainring zusammen mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern. (Foto: Janoschka)

Es passte alles ins Konzept: das angenehm warme Sommerwetter, die zwitschernden Vögel, die Kirchenglocken und vor allem die Musik der Bad Reichenhaller Philharmoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten, Generalmusikdirektor Christian Simonis. Es ist das Konzept des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach«, Musik, Architektur und Natur oder Landschaft miteinander zu verbinden. Und die Natur präsentierte sich an diesem Abend im Dorfpark von ihrer schönsten Seite.


Bürgermeister Hans Eschlberger betonte, er sei stolz und dankbar, dass nicht nur im Kloster Seeon, auf Herrenchiemsee oder auf der Burg in Tittmoning Musiksommer-Konzerte stattfinden, sondern auch auf der Ainringer Freilichtbühne.

Schwungvoll und mit einem energiegeladenen Dirigenten präsentierte sich das Orchester mit Walzern und Polkas von Johann, Josef und Eduard Strauss sowie Carl Michael Zierer, mit der »Ungarischen Rhapsodie« von Franz Liszt und mit Instrumentalisten, die teilweise solistisch hervortraten, aber auch mit Solokonzerten auf dem Xylofon (Alphons Panzl) und auf der Posaune (Uwe Schummer). Nach der Pause wurde es mit Melodien aus dem Musical »Kiss me, Kate« von Cole Porter jazzig.

Die Philharmoniker zeigten sich wie die Natur von ihrer besten Seite und spielten schwungvoll und tänzerisch, aber auch singend und einfühlsam. Sie übertrugen ihre mitreißende Musizierlaune auf die singende Vogelschar, die hörbar und hörenswert in das wunderbare Konzert mit einstimmte. Die Ouvertüre zur Operette »Waldmeister« von Johann Strauss gab dazu inhaltlich den richtigen Rahmen. Sie besteht aus verschiedenen musikalischen Teilen, die nicht nur eine Zusammenfassung der Operette waren, sondern in ihrem Charakter symbolisch die folgenden Werke des Programms andeuteten, durch das Christian Simonis gut gelaunt führte.

Nach der stimmungsvollen Polka mazur »Frauenherz« von Josef Strauss folgte die schnelle Polka »Bahn frei!« von Eduard Strauss, »dem schönen Edi«, wie Simonis schmunzelnd berichtete. Carl Michael Zierers berühmter Walzer »Hereinspaziert!« mit seinen spannend ausgedehnten Tönen auf die Zählzeit eins gab dem Konzert den einladenden Titel.

Auf einem historischen Instrument, einem vierreihigen Xylofon aus der Werkstatt von G. Seele aus Leipzig begeisterte der Virtuose Alphons Panzl bei der »Tell-Fantasie« für Xylofon und Orchester von Franz Krüger und erntete für die schier unglaubliche Geschwindigkeit viel Applaus und Bravorufe. Mit der »Ungarischen Rhapsodie Nr. 2« von Franz Liszt erlebten die Zuhörer eine besondere Begegnung mit beeindruckenden Soli auf der Klarinette (Karin Nagel-Ulsamer) und einem Sprung des temperamentvollen Dirigenten, mit vielen Tempowechseln und genauen synkopischen Einwürfen des Beckens.

Nach Charles Kalmans »Grand Prix Galopp« lud dessen Walzer »Bonjour Paris« alle in die Metropole an der Seine ein. Mit schnellen Passagen zwischen den Glissandi swingte Solo-Posaunist Uwe Schummer in Henry Fillmores »Lassus Trombone« und leitete mit dem rauchigen letzten Glissando endgültig zum Jazz über, der sich in Leroy Andersons »Blue Tango« mit dynamischer Differenzierung und einem Potpourri von Louis Armstrongs schönsten Melodien endgültig freudiges Gehör verschaffte. Wunderbar drückten die Instrumente aus, was dieser Sänger und Musiker der Welt hinterlassen hat.

Die Begeisterung des Publikums war groß – besonders, als Christian Simonis Bürgermeister Hans Eschlberger aufs Podium bat, um den Radetzkymarsch zu dirigieren – der Schlag auf eins lag dem Gemeindeoberhaupt im Blut und kam bis zum Schluss zur rechten Zeit. Mit der Zugabe des Orchesters und Alphons Panzl mit seinem virtuosen Spiel auf dem Xylofon bei »Zirkus Renz« wurden die Zuhörer nach diesem letzten Höhepunkt des Abends in die laue Sommernacht entlassen. Brigitte Janoschka