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Herausragendes Quartettspiel

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Das »Danish String Quartet« begeisterte das Publikum mit einem gelungenen Eröffnungskonzert bei den Traunsteiner Sommerkonzerten. (Foto: Aumiller)

Dänemark ist das Thema der Traunsteiner Sommerkonzerte, die während der Sanierung des Kunstraums Klosterkirche im Großen Sitzungssaal des Landratsamts eine ebenso attraktive wie angenehme Spielstätte zur Verfügung haben. Das dänische Streichquartett war zum Auftakt der Konzertreihe ein hervorragender Repräsentant der Musikkultur seines Landes.


Den Anfang machte, »als kleiner nordischer Aperitif«, das zweisätzige »Quartetto breve – Strygekvartet Nr.1« aus dem Jahr 1952 des heute 85-jährigen Komponisten Per Nørgard. Zart, aber mit energetischer Spannung intonierten die Violinen, die Viola fädelte sich ein und schließlich das Cello. Die Silberfäden der Primgeige suggerierten ferne Nordlichter. Die Streicher gaben der von Naturstimmungen inspirierten Tonmalerei geheimnisvoll irisierende Farbschattierungen und steigerten den Allegrosatz zu intensivem Klingen mit emotionalem Kern, endend in ausdrucksvollem Unisono. Per Nørgard, der sich auch als Filmkomponist einen Namen gemacht hat, gilt mit seinen etwa 400 Werken als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Skandinaviens.

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Ludwig van Beethovens Streichquartett F-Dur op. 59/1 ist das erste der drei dem Fürsten Rasumowsky gewidmeten sogenannten »Rasumowsky-Quartette« und das Initialwerk der Gruppe der mittleren Streichquartette. Die beiden Geiger tauschten die Plätze und die vier Musiker begegneten den Anforderungen, instrumental wie formal, mit Konzentration und Können. Faszinierend gestalteten sie stets die abgestuften Wechsel in Dynamik und Tempo zwischen filigranem Feinklang und temperamentvoller Intensität im kraftvollen Einsatz. Geradezu balsamisch formten sie melodische Legato-Bögen und gaben erfühlten Pianophrasen inneren Gehalt, besonders im Adagiosatz, der in seiner traurig-dunklen Stimmung gleichzeitig von innerem Pulsieren geprägt ist.

Die vier Sätze des F-Dur-Quartetts haben eine längere Dauer als Beethovens frühe Quartette. Die Dänen machten eine »himmlische Länge« daraus, so dynamisch differenziert und unterschiedlich in der breiten Ausdrucksskala gaben sie den musikalischen Aussagen und Möglichkeiten Form. Alle minutiös herausgearbeiteten Details ergänzten sich zu einem großen Ganzen. Umso mehr, da sich eher eine Themenvielfalt anbietet anstelle eines einzigen durchziehenden Gedankens. Gerade das macht aber den Reiz des Werks aus und die Dänen gestalteten die Übergänge teils elegant fließend, teils mit bewusst kantigen, fast schroffen Dynamik- oder Themenwechseln, wobei sich die Vier stets nahtlos die Bälle zuspielten.

Die Kontrastwechsel kamen nach der Pause beim 1. Streichquartett von Bela Bartók noch auffälliger, aber gleicherweise faszinierend zum Tragen. Der erste Satz des 1908 entstandenen Werks ist eher traditionell angelegt. Fast ätherisch spielten die Streicher zu Beginn, immer auch auf das Herausschälen der melodischen Linie bedacht.

Das Cello punktete mit herrlicher Kantilene, auch mal kurz vom klopfenden Pizzikato unterbrochen. Die 2. Violine leitete ein neues Thema ein, in das die übrigen einstimmten. Immer wieder setzten dann in Folge die Kontraste und die große Skala dynamischer Schattierungen großartige vitale Impulse. Die Phrasierung klang so folgerichtig und einleuchtend und das Zusammenspiel der Dänen war so exzellent tariert und balanciert, dass es eine pure Freude war. Dem begeisterten Publikum servierten sie als Zugabe ihren bezaubernden »favorite song« von Carl Nielsen. Mit dem »Danish String Quartet« haben die Traunsteiner Sommerkonzerte den Musikliebhabern zweifellos einen großen Eröffnungsabend serviert. Elisabeth Aumiller

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