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Heißer Jazz und cooler Swing

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Sechs Spitzenmusiker wären mit ihren wuchtigen Bläsersätzen und coolen Swing-Tunes garantiert auch im Savoy Ballroom bestens angekommen. (Foto: Heel)

In die Welt der Swing-Musik entführte der Auftritt der Münchner Jazz-Band »Ripley and the Talents« im gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1. Genauer gesagt, in den legendären Savoy Ballroom, einen Tanzclub im New Yorker Stadtteil Harlem, der von 1926 bis 1958 existierte.


Legendär deswegen, weil es der erste Tanzsaal war, in dem sich Schwarze und Weiße ohne Rassenkonflikte treffen konnten. Aber auch, weil hier die bekanntesten Swingbands ihrer Zeit auftraten, etwa Chick Webb, der Ella Fitzgerald in seine Band aufnahm und berühmt machte.

Als Einstieg wählten di e jungen Musiker eine Nummer von Django Reinhardt, »Seul Ce Soir«, und unterstrichen damit, woher die meisten von ihnen kommen, nämlich vom Monaco Swing Ensemble, dessen großes Vorbild bekanntlich Django Reinhardt (1910 bis 1953) ist. Jener sagenhafte französische Gitarrist, Komponist und Bandleader, der bedingt durch einen Unfall im Jahr 1928, der schwere Verbrennungen an seiner linken Hand zur Folge hatte, eine völlig neue und höchst virtuose Spieltechnik entwickelte, die ihn zum populärsten Gitarristen und Jazzmusiker seiner Zeit in Europa aufsteigen ließ, zum Meister des sogenannten Gypsy-Swing oder -Jazz.

Ein Seitenprojekt des Monaco Swing Ensembles also, das Pariser Gypsy-Jazz-Flair mit amerikanischer Swing-Attitüde verband, angeführt von dem Sänger Maximilian Höcherl, der auch das Waldhorn bediente. Begleitet wurde er dabei von Julia Hornung am Kontrabass, Jakob Lakner an der Klarinette, Jan Kiesewetter am Saxophon, Daniel Fischer an der Gitarre sowie Sebastian Wolfgruber am Schlagzeug. Sechs Spitzenmusiker, die mit ihren wuchtigen Bläsersätzen und coolen Swing-Tunes garantiert auch im Savoy Ballroom bestens angekommen wären, dessen einzigartige Atmosphäre Sänger Höcherl in seinen anregenden Ansagen immer wieder in Erinnerung rief.

Als roter Faden diente ihm dabei die Geschichte des Tänzers Frankie Manning (1914 bis 2009), der zusammen mit seiner Partnerin Elaine zum Star auf dem Tanzboden des Savoy avanciert war und als einer der Begründer des Swing-Tanzes Lindy Hop gilt. Eigenkompositionen mit deutschem Text wie »Savoy« ergänzten die vielseitige Titelauswahl, zu der neben der Pop-Ballade »After You’ve Gone« auch das »Chanson d’Hélène« zählte, gesungen von Romy Schneider in dem französischen Film »Die Dinge des Lebens« (1970).

Zum Ausklang verwies Höcherl noch darauf, dass in der Lenox Avenue 596 heute nur noch eine Gedenktafel an den legendären Club erinnert. Zum Glück lebt die Musik dieser Epoche noch weiter, weitergetragen von Bands wie »Ripley and the Talents«, deren etwas seltsamer Name daher rührt, dass Höcherl mal eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Matt Damon in dem Film »Der talentierte Mr. Ripley« (1999) nachgesagt wurde. Wie dem auch sei, sein Talent als Sänger dürfte nach diesem Abend niemand mehr in Frage stellen. Wolfgang Schweiger