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Heiße Rhythmen an einem heißen Abend

Roberto Blanco mit den beiden Sängern der Gruppe Soneros des Verdad. Luis Frank (links) und Mayito Rivera. (Foto: Heel)

Lag es nur an den hochsommerlichen Temperaturen, dass sich der Entertainer angesichts der vielen leeren Stuhlreihen auf einer Möbelausstellung wähnte, wie er ironisch anmerkte? Oder lag es einfach daran, dass Roberto Blanco von seinem Image als seichter Schlagersänger à la »Ein bisschen Spaß muss sein« derart verfolgt wird, dass man ihm Neues bzw. Besseres nicht mehr zutraut? Etwa jenes Album, das er 2011 auf Kuba aufgenommen hat und das trotz des etwas irreführenden Titels »Du lebst besser, wenn du lachst« einen gänzlich anderen Blanco präsentierte, nämlich einen richtig guten Sänger, inspiriert von seinen kubanischen Wurzeln und mit einem Gespür für starke Songs.


Jedenfalls war es mehr als schade, dass sich zu seinem Auftritt im Saal des Traunreuter k1 so wenige Besucher eingefunden hatten. Zwar dauerte es eine Weile, bis er selbst die Bühne betrat, was dem Vergnügen aber keinen Abbruch tat. Auf diese Weise hatte man reichlich Zeit, die sieben Spitzenmusiker seiner Begleitband Soneros de Verdad zu bewundern, die den ersten Teil des Programms bestritten, angeführt von ihrem charismatischen Sänger Luis Frank und verstärkt durch Mayito Rivera, den ehemaligen Frontmann der Salsa-Legende Los Van Van. Zwei Meister des gefühlsbetonten Son Cubano, die sich wunderbar ergänzten und neben vielen hierzulande eher unbekannten Songs auch Klassiker wie »Besame Mucho« zum Besten gaben.

Sein Bestes gab auch Roberto Blanco, auch wenn ihm die Enttäuschung über den mäßigen Besuch ein wenig anzumerken war. Aber ein Entertainer wie er lässt sich so leicht nicht unterkriegen. So lobte er sogleich die Qualität des Publikums, die vor Quantität gehe, und fand auch freundliche Worte für Traunreut, das er schon seit Jahrzehnten mit einem Auftritt beehren wollte.

Erwartungsgemäß begann er seinen Auftritt mit dem Titelsong seiner CD »Du lebst besser, wenn Du lachst«, dem ein »spanischer« Abend folgte, bzw. sang er neben einer deutschen Version von Violeta Parras' »Gracias a la vida« (Danke an das Leben) fast noch nur auf Spanisch wie etwa »Granada« oder »No ha nada terminado« (»Fool« von Chris Rea), oder wie im Schlussteil gemeinsam mit Luis Frank und Mayito Rivera »Guantanamera«. Alles Songs, die eindrucksvoll bewiesen, dass der 1937 in Tunis als Sohn kubanischer Eltern geborene und in Beirut und Madrid aufgewachsene Sänger viel mehr kann als Schlager. Wer also nicht dabei sein konnte (oder wollte) und neben Big- Band-Salsa-Sound vom Feinsten eine andere Seite von Roberto Blanco entdecken möchte, dem sei zumindest das bereits erwähnte, überaus hörenswerte Album empfohlen. Wolfgang Schweiger