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Kunstverein Traunstein, Landkreis und Stadt Traunstein verleihen den »Roter-Reiter-Preis«

Heinrich Stichter und Claudia Weber ausgezeichnet

Erstmals beteiligte sich auch der Landkreis Traunstein an der Verleihung des »Roter-Reiter-Preises«, der vom Kunstverein Traunstein vergeben wird. Landrat Siegfried Walch (von links) gratulierte den beiden Preisträgern Heinrich Stichter und Claudia Weber gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Kunstvereins Traunstein, Herbert Stahl, sowie Oberbürgermeister Christian Kegel. (Foto: Giesen)

Heinrich Stichter, Jahrgang 1940, aus Traunstein und Claudia Weber, Jahrgang 1976, die in Traunstein und München lebt und arbeitet, sind bei der Vernissage zur Großen Jahresausstellung des Kunstvereins Traunstein mit dem »Roter-Reiter-Preis« ausgezeichnet worden.


Mit dem Preis, an dem sich neben Kunstverein und Stadt Traunstein zum ersten Mal auch der Landkreis Traunstein beteiligt, werden ein bis maximal drei Werke aus der Ausstellung des Kunstvereins Traunstein ausgezeichnet, die inhaltlich und ästhetisch Zeitbezüge aufweisen, neue Sehgewohnheiten hervorrufen oder einen experimentellen Charakter haben, sodass ideell das Anliegen der 1945 in Traunstein gegründeten, progressiven Künstlergruppe »Roter Reiter« weitergeführt wird. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

Fast 120 Kunstwerke bei der Jahresausstellung

Bei der überaus gut besuchten Vernissage in Klosterkirche und Städtischer Galerie gab der Vorsitzende des Kunstvereins, Herbert Stahl, eine kurze Einführung in die Offene Jahresausstellung des Kunstvereins, die fast 120 Kunstwerke aus den verschiedensten Sparten der bildenden Kunst zeigt und so einen eindrucksvollen Querschnitt der zeitgenössischen Kunst bietet.

Arbeiten von 69 Mitgliedern des Kunstvereins und von 22 Nicht-Mitgliedern wurden von der Jury ausgewählt. 129 Künstler hatten insgesamt 214 Arbeiten eingereicht, elf Künstler mehr als im Vorjahr. Auch die Preisträger des »Roter-Reiter-Preises« wählte die Jury, bestehend aus Judith Bader, Klaus Ballerstedt und Samuel Rachl.

Ausgezeichnet wurde das Bild »ohne Titel« von Heinrich Stichter aus dem Jahr 2015, das »die traditionelle Kreisform als eines der zentralen, archetypischen Zeichen im globalen Bildvokabular zu ihrer emblematischen und dennoch frischen, aktuellen Entfaltung bringt«, heißt es in der Begründung. Damit gehe der »Roter-Reiter-Preis« in diesem Jahr an ein Werk, »das die künstlerischen Mittel, Form, Farbe und Material überaus kraftvoll zum Einsatz bringt« und sowohl eindrucksvoll als auch für den Betrachter unmittelbar erlebbar verdeutlicht, dass »die Intensität künstlerischer Abstraktion nichts von ihrer Wirkmächtigkeit eingebüßt hat«.

Auszeichnung für eine hochaktuelle Arbeit

Ausgezeichnet wurde außerdem die hochaktuelle Arbeit »Vestibularisparoxysemie« von Claudia Weber – mehrere kleine Bleistiftzeichnungen – »die uns eine ins Schwanken geratene Welt vor Augen führt, in der wir uns die brisante Frage nach Authentizität, nach Original und Kopie neu zu stellen haben«, so die Jurybegründung. »Wiedererkennbarkeit und Irritation« seien die widersprüchlichen Merkmale des aus mehreren Zeichnungen bestehenden Tableaus, das den Blick des Betrachters in verschiedene Innenräume lenkt. Ornamentale, serielle Elemente und die (…) verwirrend aufgebauten Raumkonstruktionen lösen eine befremdliche, Schwindel erregende Wahrnehmungsreaktion aus«.

Unter dem Applaus des Publikums nahmen die beiden Künstler die Urkunden und Glückwünsche aus den Händen der Vertreter von Landrat Siegfried Walch, Oberbürgermeister Christian Kegel und Herbert Stahl, Vorsitzender des Kunstvereins Traunstein, entgegen. Der Preis ist insgesamt mit 2000 Euro dotiert. Christiane Giesen