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»Heimatwelten hier und dort«

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Sie präsentierten das interkulturelle Theaterprojekt »Heimatwelten hier und dort«: Die Schauspielerinnen (von links) Alexandra Hanstein, Manuela Serafim, Nunzia Sabina, Fatos Haug und Viorica Prepelita-Hurubaru. (Foto: M. Heel)

Wer bin ich und wo lebe ich? Habe ich ein Zuhause? Wo will ich hin und wo will ich sein? Um diese Fragen kreiste das interkulturelle Theaterprojekt »Heimatwelten hier und dort«, mit dem die Münchner Schauspielschule Zerboni in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gastierte. Nach einer Idee und unter der Leitung von Ulrike Behrmann v. Zerboni traten dabei sechs Frauen aus verschiedenen Ländern an, die ihre Texte selbst geschrieben oder bei anderen Autoren gefunden hatten, und erzählten davon, was für sie Heimat bedeutet, authentisch, berührend und bunt.


So schwärmte die türkischstämmige Erzieherin Fatos Haug von ihrer Muttersprache, die eine wahre Schatztruhe sei, und meinte, sie lebe zwar gerne hier in Deutschland, doch ihre Heimat bleibe die Türkei. Weniger traditionsgebunden gab sich die Künstlerin Viorica Prepelita-Hurubaru aus der Republik Moldau. Zwar könne auch sie nicht vergessen, woher sie komme, aber ihr Zuhause sei da, wo sie sich am wohlsten fühle. Ähnlich gestimmt zeigte sich Manuela Serafim, Tochter einer Österreicherin und eines Griechen und aufgewachsen im Allgäu, die als Theaterpädagogin arbeitet und sich in beiden Kulturen heimisch fühle, wie sie betonte.

Nicht so leicht integriert hatte sich Nunzia Sabina, Deutsche sizilianischer Herkunft und nach Abschluss eines Lehramtsstudiums z. Zt. als Teamassistentin beschäftigt, die von Fremdheit, Leere und diversen Zwängen berichtete, und in einem furiosen Kurzauftritt wetterte die Schauspielerin Marta Veltri, geboren in Mailand und seit über 40 Jahren in München ansässig, über die Ungerechtigkeit der italienischen Justiz, die einen Wurstdiebstahl im Wert von 1,76 Euro mit 45 Tagen Haft respektive 11 250 Euro Geldstrafe geahndet habe, während ein Berlusconi … Nicht zu vergessen die Sechste im Bund, die gebürtige Münchnerin und ebenfalls als Schauspielerin tätige Alexandra Hanstein, die mit liebenswerter Logik angab, ihre Heimat sei da, wo sie liebe und geliebt werde.

Verknüpft mit Spielszenen, Tanzeinlagen sowie Texten von Helmut Wöllenstein (»Das Märchen vom Auszug aller Ausländer«), Alexander Gerst (»Interview mit einem Weltraumfahrer«) und Khue Pham (»Wir neuen Deutschen«), ergab dies einen so kurzweiligen wie nachdenklich stimmenden Abend, auch wenn »Die Vorstellung von Heimat vielleicht keine so gute Idee mehr ist. Sie passt nicht in eine Gesellschaft, in der so viele Menschen zerrissene Lebensläufe und verschiedene Kulturen haben« (Khue Pham).

Musikalisch begleitet wurde der Auftritt der sechs Schauspielerinnen von Michaela Dietl, bekannt von ihrem Frauenorchester »Quetschenweiber«, die mit ihrem einfühlsamen Akkordeonspiel Wehmut im Herzen aufkommen ließ. Denn wie schrieb schon Novalis: »Wo gehen wir hin? Immer nach Haus!« Wolfgang Schweiger