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Heilpraktikerin verkauft Tumor-Gerät

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Die Frau muss 1 300 Euro Strafe bezahlen. (Archiv: Höfer)

Laufen – Im August 2015 hatte die heute 50-jährige Heilpraktikerin ein »Therapiegerät« zur Tumorbehandlung gekauft. Der Neupreis: 46 770 Euro. Drei Jahre später verkaufte sie das Gerät zum Preis von 20 000 Euro wieder. Das hätte die Freilassingerin nicht tun dürfen, denn mit einem Darlehen über 39 000 Euro hatte die Frau damals auch einen Sicherungsvertrag mit der Sparkasse abgeschlossen. Unterschlagung lautete die Anklage am Laufener Amtsgericht. Die Frau hat deshalb 1 300 Euro zu zahlen.


Die Tatsache war nicht zu leugnen. Die Angeklagte aber beteuerte weinend, beim Verkauf des Gerätes, mit dem sie nicht zufrieden gewesen sei, nicht mehr an den Vertrag mit der Sparkasse gedacht zu haben. Sie habe länger versucht, das teure Gleichstromgerät zur Tumorbehandlung wieder loszuwerden, weil es das Erhoffte nicht erbracht, ja eher geschadet als genutzt habe. Seit 2017 war die Praxis der Frau schlechter gelaufen. Das Darlehen für das Gerät war nicht das einzige. Die Schulden häuften sich. Auf den insgesamt sieben Konten der Frau summierte sich das Minus auf über 97 000 Euro.

Im August 2018 hatte die Angeklagte einen Käufer für das Gerät gefunden. Einen entsprechenden Kaufvertrag lud sie sich aus dem Internet herunter. Auch in diesem Vertrag heißt es konkret: »Der Verkäufer erklärt das Produkt als sein alleiniges Eigentum, es ist frei von Rechten Dritter.« Die geforderten 20 000 Euro erhielt sie in bar und zahlte einen Teil davon auf eines ihrer Konten. Im November musste die 50-Jährige Privatinsolvenz anmelden. Zur Arbeit sei sie seither nicht mehr fähig, erklärte die Frau unter Tränen. Derzeit lebt sie bei Freunden in Südeuropa und nimmt Psychopharmaka gegen ihre Depressionen.

»Billigend in Kauf genommen«, meinte Rechtsreferendarin Marianne Resch zur Tat der Unterschlagung. Die Frau sei nicht vorbestraft, und weil es die erste Anklage sei, könne man die sechsmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aussetzen. Einen Vorsatz verneinte Rechtsanwalt Christian Spielbauer, »ihr war es einfach nicht bewusst«. An eine Sicherungsübereignung habe seine Mandantin nicht mehr gedacht, als sie das Gerät loswerden wollte. »Fahrlässigkeit wahrscheinlich ja, aber eine fahrlässige Unterschlagung gibt es nicht.« Also plädierte der Verteidiger auf »Freispruch«.

Christopher Lang urteilte auf schuldig und entschied auf eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 10 Euro. Daneben ordnete er die Einziehung von Wertersatz über 20 000 Euro an. Im Kaufvertrag habe ausdrücklich gestanden, alleiniges Eigentum und frei von Rechten Dritter, also müsse der Angeklagten das allein deshalb wieder klar geworden sein. »Die kriminelle Energie ist gering, der Wert hoch«, so der Richter abschließend. Hannes Höfer