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Heil Walch – »Berghof« soll auch in Berchtesgaden gedreht werden

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Bitte lächeln: Der beste Versuch von Wolfram Paulus schaut so aus. Umso lustiger soll dagegen sein neuer Film »Berghof« werden. (Foto: Fischer

Berchtesgaden – Adolf Hitler ist 1943 ermordet und durch den Berchtesgadener Holzbildhauer Josef Walch ersetzt worden. Zumindest, wenn es nach dem österreichischen Regisseur und Autor Wolfram Paulus geht. Der bereitet nämlich gerade seinen neuen Film vor. »Berghof« soll die 5  Millionen Euro teure Produktion heißen. Die beißende Satire will der mehrfach ausgezeichnete Filmemacher zum Teil auch in Berchtesgaden drehen.


Natürlich trägt er einen Schal bei seinem Besuch in der Redaktion. Einen weinroten. Bei 30 Grad im Schatten. Schließlich ist Wolfram Paulus ein Filmemacher der alten Schule. Man könnte ihn einen knallharten Träumer nennen.

Wenn er spricht, dann vermischen sich Leben und Drehbuch, Geschichte und Geschichten, Fakten und Fiktion. Filme sind sein Leben. Visionen, Wunschdenken und Ideen auf der einen Seite. Eine unerbittliche Branche auf der anderen. Die kreative Herrschaft will Wolfram Paulus, der inzwischen in Hallein lebt, aber niemals aus der Hand geben. »Ich lasse mir von niemandem reinpfuschen«, sagt der gebürtige Großarler. Auch in seinem neuesten Projekt »Berghof« nicht.

In seinem fünften Film über das Dritte Reich möchte Paulus mit beißender Satire die Geschichte fälschen. »Berghof« ist eine klassische »Was-wäre-wenn«-Story über den fiktiven Holzbildhauer und Hitler-Doppelgänger Josef Walch, der nach einem Attentat den schwächelnden Führer ersetzen soll. Wie kommt man auf eine solche Idee?

»Ich bin gerne zum Flanieren in Berchtesgaden«, sagt Paulus. »Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, wie viele Holzbildhauer es hier gibt.« Das ist das erste Bruchstück der Story. Das Nächste ist das enorme Wissen des Filmemachers über das Dritte Reich. Die zündende Idee kam Paulus aber bei der Lektüre des Buchs »Nachbar Hitler«, das er in einer Berchtesgadener Buchhandlung entdeckt hat. Darin steht, dass die britische Regierung Adolf Hitler in der nie durchgeführten Operation »Foxley« ermorden wollte. Und, dass der britische Geheimdienst davor warnte, nicht aus Versehen einen Hitler-Doppelgänger zu erwischen. »Nur, wer sich bestens mit der Geschichte auskennt, kann sie manipulieren«, weiß Paulus.

Als Doppelgänger stand bereits im ersten sogenannten Treatment, also Drehbuchskizze, der frei erfundene Berchtesgadener Holzbildhauer Josef Walch fest. Und jetzt wird es heftig: Erst danach hat Wolfram Paulus erfahren, dass sein Urgroßvater Josef Walch hieß. Und auch noch Holzbildhauer war. »Jetzt weiß ich, warum ich mich beim Drehbuchschreiben so wohlgefühlt habe«, sagt der Filmemacher. Das war vor zwei Jahren.

Vergangene Woche wurde es dann ernst. Wolfram Paulus war zur Strategiebesprechung bei der Produktionsfirma Golden Girls in Wien. Hätte ihm deren Chef Arash T. Riahi eine Abfuhr erteilt, wäre es das gewesen mit der rund 5 Millionen Euro teuren Produktion. Doch die Wiener sind dabei. Und jetzt kommt der Coup: So wie es ausschaut, könnte der Streaming-Gigant Netflix mit im Boot sein. »Netflix steigt gerade in die Beteiligung an anspruchsvollen Filmen ein«, erklärt Paulus. »Aber die wollen ein fertiges Paket inklusive Besetzung, Stab, Drehorten und Finanzierungsplan.« Wolfram Paulus schnauft kurz durch. »Wir schnüren denen nun bis Ende Juli ein Komplettpaket.«

Dass Berchtesgaden, unter anderem der Bahnhof, Drehort wird, steht für den Regisseur fest. Genauso wie Hallein. Die Pernerinsel könnte er sich als Hauptquartier der Produktion vorstellen. Aus Kostengründen schlägt Wolfram Paulus vor, die Szenen, die in Metropolen wie Kiew spielen, in Rumänien zu filmen. »Ich habe bereits in Rumänien gedreht und weiß, dass man dort die Zeit des Zweiten Weltkriegs gut darstellen kann«, sagt Paulus. Christian Fischer