weather-image
22°

Hausarbeit kann das Wohlbefinden von Senioren steigern

0.0
0.0
Senioren im Haushalt
Bildtext einblenden
Senioren fühlen sich wohler, wenn sie Hausarbeit leisten. Doch auch im Alter übernehmen Männer weniger Aufgaben als Frauen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa Foto: dpa

Selbst als Rentner arbeiten Männer weniger im Haushalt als Frauen. Das hat eine Studie von Bremer Forschern gezeigt. Dabei würde ihnen Mehrarbeit gesundheitliche Vorteile bringen - und ihren Frauen auch.


Bremen (dpa) - Emanzipation hin oder her -  Frauen arbeiten im Haushalt immer noch deutlich mehr als Männer. Das hat zuletzt wieder eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung gezeigt.

Demnach verwenden berufstätige Frauen zwischen 18 und 64 Jahren auf unbezahlte Arbeit etwa 1,6 Mal so viel Zeit wie erwerbstätige Männer. Eine neue Studie von Bremer Wissenschaftlern stellt nun klar: Das Missverhältnis bleibt auch im Rentenalter bestehen. Frauen ab 65 Jahren widmen sich im Schnitt fast fünf Stunden der Hausarbeit, ältere Männer nur drei.

«Das hat uns nicht weiter überrascht», sagt Tilman Brand, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen und Mitautor. Für die Studie wurden Aussagen von 36 000 Seniorinnen und Senioren aus Europa und den USA zu ihren täglichen Aktivitäten ausgewertet.

Danach brachten ältere Frauen für Kochen, Einkaufen und Putzen täglich 220 Minuten auf, Männer nur 90. Die männlichen Senioren investierten dafür zwar mit 70 Minuten mehr Zeit für Gartenarbeiten, Reparaturen oder die Betreuung von Haustieren auf als Frauen (40 Minuten). Damit waren die Seniorinnen aber insgesamt aktiver im Haushalt.

Die Forscher schauten sind danach an, welche Auswirkungen das Verhalten auf das gesundheitliche Wohlbefinden hat. «Alle fühlten sich gesünder, wenn sie im Haushalt etwas leisten», betont Forscher Tilman Brand. Allerdings zeigten sich deutliche Unterschiede bei den Geschlechtern. «Männer, die mit sechs Stunden sehr viel im Haushalt machen, fühlen sich besonders gesund», sagt Brand. Das gelte auch ganz unabhängig davon, ob sie viel oder wenig schlafen, denn die Schlafdauer hatten die Forscher auch noch genauer betrachtet.

Bei den Frauen lag das Arbeitsoptimum dagegen bei ein bis drei Stunden - bei einer Schlafdauer von sieben bis acht Stunden. Über die Gründe für die unterschiedlichen Auswirkungen kann Autor und Doktorand Nicholas Adjei nur spekulieren: «Möglicherweise spielt die Art der Aktivitäten eine Rolle.» Frauen verrichten eher monotonere Arbeiten. Brand hat deshalb einen Rat an die älteren Männer: «Wenn sie den Frauen mehr Hausarbeit abnehmen, geht es beiden am Ende besser.»

Sportwissenschaftler Ingo Froböse sieht seine Botschaft durch die Studie bestätigt, dass es für die Fitness nicht immer Sport sein muss. Die körperliche Aktivität am Tag habe einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit. Der Kölner Professor rät deshalb: «Auch leichte Tätigkeiten können wir uns erschweren, indem wir beispielsweise beim Staubsaugen Ausfallschritte machen oder mit dem vollen Wäschekorb die Treppen rauf und runter steigen.»

Vorsichtig sollte man dabei allerdings sein. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin passieren immerhin deutlich mehr tödliche Unfälle im Haushalt als im Straßenverkehr. Im Jahr 2015 wurden über 9800 Todesfälle im Haushalt gezählt.

Hausarbeit sollten erwerbstätige Frauen zudem offenbar lieber aufs Rentenalter verschieben. Das zeigt eine Studie des «Ohio State University's College of Public Health». Demnach haben Frauen mit der Doppelbelastung Vollzeitjob und Hausarbeit ein dreifach erhöhtes Risiko, an chronischen Krankheiten zu erkranken. «Wir wollten untersuchen, ob das auch noch so ist, wenn die Doppelbelastung nicht mehr da ist», sagt der Bremer Wissenschaftler Brand.

Die Antwort kennt er jetzt, aber eins kann er nicht sagen: Ob im Haushalt Arbeitende tatsächlich wegen dieser Aktivität gesünder sind oder Gesunde einfach mehr im Haushalt erledigen können. «Der Pfad geht vermutlich in beide Richtungen», meint Brand.

Statistik zu Unfalltoten

Pressemitteilung Leibniz-Institut