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Da fehlen ihm die Worte: Paul (Marco Dott) gelingt es nicht, seine Liebe zu Marie (Tijana Milicevic) auszudrücken. Er ist zum Schweigen verurteilt. (Foto: Löffelberger/Salzburger Landestheater)

»Die große Wörterfabrik« von Agnès de Lestrade und Valeria Docampo ist ein Buch von bezaubernder Poesie. Die wortkarge Geschichte handelt in einem Land, in dem zwar die Wörterfabrik auf Hochtouren produziert, aber – vielleicht wegen der industriellen Buchstaben-Planwirtschaft – Wörter doch sehr kostbar sind. Die Leute dort, arme Schlucker im Wortsinn, müssen jedes einzelne Wort teuer kaufen, aufessen – und dann erst klappt’s mit dem Reden.


Die Ärmeren sind auf weggeworfene Wörter aus dem Mistkübel, auf Ausverkaufsware oder auf zufällig mit dem Schmetterlingsnetz ergatterte Wörter angewiesen. Sie taugen im Ernstfall wenig. Kein Wunder, dass Paul seine Liebe zu Marie nicht in einem Wortschwall ausdrücken kann, im Gegensatz zu seinem Nebenbuhler Oskar, der aus einer reichen Familie stammt und nicht geizen muss mit Liebesbezeugungen.

Eine Geschichte, die ein wenig weltfremd anmutet in der Zeit der Flatrate am Handy. Vielleicht ist genau deshalb die Verwandlung in eine Oper nicht so unpassend. Martin Zels aus Nürnberg ist der Komponist. Die Produktion des Salzburger Landestheaters auf der Bühne 24, also im Marionettentheater, ist die österreichische Erstaufführung.

Vier Leute reichen aus: Marie (Tijana Milicevic) ist auch die Cello-Spielerin, Oskar (Vladislav Varbanov) bedient die Marimba, das Vibrafon und andere Percussion, eine Sängerin (Meredith Hoffmann-Thomson) führt singend durch die Geschichte. Und dann ist da noch Paul (Marco Dott), dem es zwischendrin mal reicht, mitzuspielen: Schließlich schaut es da schlecht aus für ihn in der Rolle eines aus Wörtermangel zum Schweigen verurteilten Verlierertypen.

Das ist nett und temporeich gemacht, wobei Regisseurin Günilla Hällström die geschätzten zwanzig Minuten Musik um eine Rahmenhandlung erweitert, auf dass es dann doch 45 Spielminuten sind: Der isländische Tenor ist abhandengekommen, also wird die Geschichte improvisierend mit dem Kristalluster-Putzpersonal umgesetzt.

Die Poesie des Buchs ist eine ganz andere, subtilere. Auf der Bühne 24 wirkt alles ein bisschen turbulenter, spontan improvisiert. Passt schon so, wenige junge Zuschauerinnen und Zuschauer werden den Vergleich mit dem Buch anstellen. Ob die Aufführung zum Buchkauf anregt?

Deutsche Theater, die »Die große Wörterfabrik« gerade spielen oder gespielt haben, regen acht Jahre als Alterslimit an, in Salzburg empfiehlt man das Stück schon für Vierjährige. Offenbar sind Kinder dortzulande entscheidend früher operntauglich. Falls dem nicht so ist, werden sie mit genug Slapstick bei Laune gehalten.

Aufführungen des Salzburger Landestheaters gibt es noch bis zum 27. Februar. Reinhard Kriechbaum