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Händels Wassermusik im ehemaligen Hallenbad

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Das »Red Socks Brassquintett« mit (von links) Rita Thiem, Trompete, Balint Garaczi, Posaune, Florian Mayrhofer, Tuba, Sebastian Krause, Horn und Philipp Lüdecke, Trompete. (Foto: Flug)

Ein Konzert der etwas anderen Art fand in Unterwössen statt. Das ehemalige Hallenbad bestand seine Feuertaufe als Konzertsaal und die Besucher im einstigen Schwimmbecken genossen die Musik der jungen Blasmusiker des »Red Socks Brassquintetts«.


Mitmusiker und Ideengeber Sebastian Krause hatte es zunächst nicht einfach, Bürgermeister Ludwig Entfellner und die Verantwortlichen in der Gemeinde vom Reiz von Händels Wassermusik im ehemaligen Schwimmbad zu überzeugen. Zum Glück setzte sich Krause durch und bescherte mit seinen Mitmusikern einen unvergesslichen Abend. Als Moderator fungierte der Musiker Philipp Lüdecke.

Die Suiten der Wassermusik von Georg Friedrich Händel werden mit einer Lustfahrt des englischen Königs Georg I. am 17. Juli 1717 auf der Themse in Verbindung gebracht. Das Orchester in Begleitbooten spielte Teile daraus. »Da passt dieser Veranstaltungsort wie die Faust aufs Auge«, hatte Lüdecke in seiner Anmoderation vermerkt. Und tatsächlich setzten die jungen Musiker die Einfälle der Musik spielerisch, leicht und flüssig um. Gefühlvoll in den zarten Passagen, präzise, wenn große Melodienbögen wieder exakt zusammengeführt werden müssen.

Es spielten Rita Thiem und Philipp Lüdecke, beide Trompete, Sebastian Krause, Horn, Balint Garaczi, Posaune und Florian Mayrhofer mit der Tuba. Die jungen Leute kommen aus Thüringen, Starnberg und Grassau. Sie haben sich während des Musikstudiums an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater München kennengelernt. Obwohl erst 2010 gegründet ist das Quintett Träger mehrerer nationaler und internationaler Preise.

Die jungen Musiker überzeugten die Zuhörer in den eng gestellten Stuhlreihen im Schwimmbecken des ehemaligen Hallenbades. Nicht nur Unterwössner, vor allem auch Musikliebhaber aus der Region sorgten für den überaus guten Besuch des Abends. Das Publikum zeigte sich im Beifall sichtlich begeistert und spornte damit die Musiker deutlich an.

So gelang den jungen Musikern vor der Pause die anspruchsvolle Aufgabe, Stücke aus der »Westside Story« zu interpretieren. Die Schwierigkeit, im Swing zu bleiben, auch wenn das Stück zwischen schwierigen Teilen im Stil der Oper und fließendem leichten Jazz hin und her springt, überwanden die Musiker leicht. Die Gefühle aus der verzweifelten Liebesgeschichte im New Yorker Bandenmilieu drückten die Musiker bei Stücken wie »Maria« und »Somewhere« gelungen aus.

Drei Alphörner im Becken riefen die Zuhörer aus der Pause. Mit gleicher Qualität ging es in den zweiten Teil des Abends. Das Quintett brachte die Ouvertüre aus dem »Barbier von Sevilla« von Rossini. Weiter ging es mit südamerikanischen Rhythmen wie »Tico Tico« oder der etwas kniffligen Suite »Americana«.

Stimmen nach dem Konzert zeigten sich verzaubert von der Musik und dem Veranstaltungsort. Die Spiellaune der jungen Musiker hatte die Zuhörer erfasst. Die sympathische, teils witzige Moderation hatte nicht nur die wichtigen Informationen zum Verständnis der Musik, sondern auch bestens zur Unterhaltung beigetragen. Das Publikum war begeistert.

Ideengeber Sebastian Krause meinte anschließend: »Die Akustik im Becken war super und es war äußerst angenehm zu spielen! Ich hoffe, dass das Hallenbad genauso weiter genutzt wird und nicht durch irgendwelche Baumaßnahmen die Atmosphäre und die Akustik zerstört werden.« Krause schloss: »Vielleicht kann ja aus dem Konzert mit den Red Socks eine Tradition entstehen.« Ludwig Flug