weather-image
20°

»Hände hoch - Klassik!«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Regisseurin Angelika Bamer-Ebner erklärte dem interessierten Schüler aus dem Publikum (Florian Friedrich), wie eine Oper funktioniert. (Foto: Janoschka)

»Hände hoch – Klassik!« hieß es in der Salzachhalle Laufen, und später »Wer hat Angst vor klassischer Musik?« Diese Herausforderung kam vom Musikum Generationenorchester unter der Leitung von Stephan Höllwerth in Zusammenarbeit mit dem »Theater Brettspiel« Salzburg mit Regisseurin Angelika Bamer-Ebner, die mit Florian Friedrich vor den Augen des Publikums eine kleine Oper entstehen ließ.


Dadurch schoben sie quasi den Schleier des Unbekannten zur Seite, wodurch jede »Angst« in Form von Vorbehalten ihre Daseinsberechtigung verlor. Und wer hätte besser die Vorurteile gegenüber klassischer Musik ausräumen können als die jungen Musiker bei diesem Konzert?

Anzeige

Im Generationenorchester am Musikum musizieren – wie der Name schon sagt – mehrere Generationen miteinander. Und auch im Zuschauerraum saßen junge Zuhörer, die die Musik auf ihre Weise hörten und kommentierten, worauf manch älterer Zuschauer mit Unverständnis reagierte. Der Dirigent Stephan Höllwerth jedoch stellte klar, dass im Sinne des Generationenorchesters auch die Jüngsten ihre Meinung sagen dürfen.

Dass klassische Musik keinesfalls langweilig ist, zeigten die beiden jungen Geigerinnen Hannah Schablas und Manuela Pöllmann, die das Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo a-Moll, op. 3/8 mit Bravour darboten. Virtuos, klar intoniert, forsch in den Ecksätzen und ausdrucksstark mit einem schönen Geigenklang im Mittelsatz ließen sie bei diesem barocken Werk für den Zuhörer sofort jede Hemmschwelle verschwinden.

In Johann Sebastian Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 für Streicher und Basso continuo, BWV 1048 blitzte deutlich der Wettstreit-Gedanke auf, wie es die Bedeutung des lateinischen Worts »concertare« verrät, erklärte Höllwerth. Die Melodien wanderten durch die verschiedenen Streicher-Register, als wollten sie sich mal in der Höhe und dann wieder in der Tiefe verstecken. Dynamisch und mit klarer Körpersprache führte Stephan Höllwerth das gut vorbereitete Orchester durch die reizvollen Dialoge zwischen den Soli der Ersten und Zweiten Violine sowie der Bratsche und den Tuttistellen.

Die junge Cellistin Katharina Lang brillierte anschließend mit David Poppers (1843 bis 1913) »Ungarischer Rhapsodie« für Violoncello und Klavier op. 68 in der Fassung für Streichorchester von Stephan Höllwerth. Popper sei quasi der Paganini der Cellisten, stellte Höllwerth den Charakter des Werks vor, in dem Anklänge an Zigeunermelodien, ungarische Tänze und an die Puszta-Landschaft aufblitzten. Sehr delikat, ausdrucksstark und virtuos setzte Katharina Lang ihre Soli dem schwelgenden Orchester gegenüber und zeigte in ihrer bravourösen Interpretation eine hohe musikalische Reife.

Die letzten Vorbehalte gegenüber klassischer Musik löste schließlich Angelika Bamer-Ebners Inszenierung des Singspiels für Sopran, Bass und kleines Orchester, MH 205, »Der Bassgeiger zu Wörgl« auf. Die sparsamen Requisiten reichten völlig, um der Fantasie der Zuschauer die Situation zu erklären: Ein Metallgestell als Türe trennte drinnen und draußen. Im Haus war zunächst Liesl (Sopranistin Silvia Moroder), die ihren betrunkenen Bartl (Bass Klaus Wetzlinger) nicht hereinlassen wollte. Dieser gab daraufhin vor, sich im Bach ertränken zu wollen. Liesl lief ihm nach, doch Bartl schlich unbemerkt ins Haus und sperrte nun seinerseits seine Frau aus, bis sie ihm versprach, ihn mit seiner Liebe zum Alkohol anzunehmen.

Bei dieser szenischen Aufführung führte das Musikvermittlungskonzept des ganzen Konzerts dazu, dass sich jeder Zuhörer unweigerlich identifizierte. Denn die Regisseurin und ein vermeintlicher Zuschauer aus dem Saal betätigten sich als Beobachter und Kommentatoren des musikalischen Geschehens auf der Bühne. Bamer-Ebner agierte dabei als »Lehrende« – »ich zeige dir, wie eine Oper funktioniert« –, während Schauspieler Florian Friedrich der »Schüler« war, dessen Fragen vielleicht dem einen oder anderen Besucher aus der Seele sprachen, und dessen Angst vor klassischer Musik am Schluss völlig verflogen war. So verlief dieses Singspiel nicht linear von Anfang bis Ende, sondern veränderte sich in Sprache, Kleidung und Bewegung je nach Regieanweisung. Eine kreative Idee, um Menschen aller Generationen Freude an der Musik zu vermitteln.

Brigitte Janoschka