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Gütesiegel für Forst als Deckmantel?

Der Forstbetrieb Berchtesgaden ist nun PEFC-zertifiziert und fährt Gewinn ein, das ist gut. Nicht gut ist, dass wir in dieser »nachweislich nachhaltigen Bewirtschaftung«, die derzeit noch Gewinne bringt, frei lebende Wildtiere als Schädlinge bewerten und auch so behandeln. Das beschriebene »einseitige Wildmanagement« mit überhöhten Rotwildbeständen von rund sieben bis zehn Stück je 100 Hektar ging in den 1970er-Jahren mit einem »ebenso einseitigen Forstmanagement« einher. Damals wollten Förster vor allem Fichten. Monokulturen sind menschengemacht! Laubbäume, also der sogenannte Mischwald, wurden beseitigt durch sogenannte »Ringeln«, das heißt Unterbrechung des Saftflusses oder mit dem Pflanzengift »Tormona 80«.

Die Stürme Wiebke, Kyrill und besonders die Bürgermeinung zeigten, dass man auf dem falschen Weg war. Leider fällt bereits heute erschreckend auf, dass inzwischen viele Lichtungen, Auen und Magerrasen von Stauden und Bäumchen überwuchert werden. Viele sprechen sogar schon von einer Verbuschung unserer Heimat. Es gibt bereits publikumswirksame Schwendaktionen auf Almen, Wiesenrandstreifen und schützenswerten Magerrasen. Wildtiere, die diese bisher auf natürliche Weise frei hielten, fehlen immer mehr.

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Im Landkreis Berchtesgadener Land ziehen nur noch rechnerische 0,6 Stück Rotwild je 100 Hektar ihre Fährte. Dagegen im Landkreis Bad Tölz drei bis vier Stück und das wäre auch die angemessene Wilddichte, die das Rotwild benötigt, um seine Sozialstrukturen zu wahren und dem Wald nicht zu schaden. Der Rotwildbestand wurde in Berchtesgaden somit um das fünffache »überschossen«. Und dies, obwohl Berchtesgaden ausgewiesenes Rotwildgebiet ist. Mit Reh und Gams sieht es nicht besser aus.

Warum zudem der Forstbetrieb Berchtesgaden auf den Windwurfflächen Moosenalm und Untersberg die Bäume mitsamt den Ästen aus der Fläche entfernen ließ, ist wohl nur unter finanziellem Aspekt verständlich. Weil dieser »Schutzmantel« aus Ästen und faulendem Holz fehlt, ist der Boden nun der prallen Sonne, dem Regen und dem Wind ausgesetzt. Humus verschwindet und Wasser kann nicht mehr gespeichert werden. Das sind Aussagen von Forstökologen der TU München und Waldökologen der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Diese komplette Abräumung führt zu Nährstoffverarmung und Mineralisierung der äußerst sensiblen Böden und bereitet jetzt massive Probleme bei der Wiederaufforstung.

Gilt nun als Mittel der Wahl wieder Totschießen? Das Problem ist auch hier menschengemacht. Wie so oft im Leben geht es um das vernünftige Maß, das es zu wahren gilt. Ja, Herr Dr. Müller, die Naturverjüngung hat der liebe Herrgott wohl nicht nur uns Menschen zur Nutzung, sondern auch den frei lebenden Wildtieren als Nahrungsgrundlage geschenkt. Und ich bin sicher, die bayerischen Bürger wollen ein vernünftiges Miteinander von Wald, Wild und Mensch. Sollte es hierfür ebenfalls ein Prüfsiegel geben? Ludwig Fegg Mühllehenweg 4 Bischofswiesen-Loipl