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Guardiola schenkt Bundesliga ab

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Radikal
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Pep Guardiola hatte einige seiner Stars nicht mal auf die Bank beordert. Foto: Tobias Hase Foto: dpa

Augsburg (dpa) - Im Angesicht der ausgelassen feiernden Augsburger Champions-League-Sieger-Besieger fühlte sich Thomas Müller als ungewohnter Verlierer «beschissen».


Das Desinteresse von Pep Guardiola an einer historischen Saison ohne Niederlage in der Fußball-Bundesliga, unter die der spanische Starcoach nach der Turbo-Meisterschaft kurzerhand einen dicken Schlussstrich gezogen hat, teilte nach dem vollauf verdienten 0:1 (0:1) beim FC Augsburg nicht jeder in der Delegation des FC Bayern. Auch wenn die erste Liga-Schlappe nach 53 ungeschlagenen Partien «kein Beinbruch» war, wie Nationalspieler Toni Kroos vier Tage vor dem Viertelfinal- Rückspiel in der Königsklasse gegen Manchester United hervorhob.

«Man hat gesehen, dass nicht die erste Elf gespielt hat», bemerkte Manuel Neuer. Aber auch der Nationaltorhüter, der als einziger Münchner eine meisterliche Leistung ablieferte, setzte Prioritäten: «Wichtig ist, im DFB-Pokal und in der Champions League die Spiele zu gewinnen. Darum geht es jetzt für uns - alles andere ist egal!»

Ein endgültiges Urteil über Guardiolas Radikal-Rotation, mit der er die erste Münchner Ligapleite seit dem am 28. Oktober 2012 (1:2 gegen Leverkusen) gegen einen gleichfalls ersatzgeschwächten, aber 90 Minuten kämpfenden und rennenden Gegner begünstigt hatte, wird am Mittwoch gegen Manchester gesprochen werden. «Wenn wir ins Halbfinale kommen, haben wir alles richtig gemacht», äußerte Müller zu der Maßnahme von Guardiola, ganz ohne Ribéry, Robben und Lahm anzutreten. Dafür bot der Spanier die Youngster Mitchell Weiser (19), Ylli Salahi (seit Sonntag 20) und Pierre-Emile Hojbjerg (18) in der umgemodelten Startformation auf.

«Wir haben nicht wegen der jungen Spieler verloren», betonte Guardiola. Rechtsverteidiger Weiser, der vor dem Siegtor von Sascha Mölders (31. Minute) den Ball verlor, bescheinigte der Spanier sogar ein «überragendes» Spiel - das war zu viel des Welpenschutzes.

Große Lust auf Debatten über seine Personalauswahl, die auch bei einigen Liga-Konkurrenten gar nicht gut ankam, verspürte der Spanier nicht: «Unsere Arbeit in der Bundesliga ist vorbei, ist gemacht. Wir haben den Titel im Museum», erklärte Guardiola und richtete den Blick nach vorne: «Wir müssen uns sofort vorbereiten auf unser Finale gegen Manchester. Da geht es um Tod oder Leben!»

Der Titelverteidigung in der Königsklasse ordnet Guardiola alles unter. Und die Spieler folgen ihrem Chef. «Man verliert nicht gerne, aber wenn, dann lieber jetzt in der Liga als in der Champions League», erklärte Neuer und rechtfertigte die Vorgehensweise des Trainers: «Er wollte, dass sich keiner verletzt. Er geht ein Risiko ein, wenn er alle spielen lässt.»

Guardiola konnte sich durch den Muskelfaserriss von Xherdan Shaqiri, der mehrere Wochen pausieren muss, sogar bestätigt fühlen. Schweinsteiger, Martínez (beide gesperrt), dazu die verletzten Thiago, Shaqiri, Contento und Ersatztorwart Starke - die Ausfallliste gegen ManUnited ist lang.

Sechs Mann musste auch Augsburg ersetzen, darunter die besten Torschützen André Hahn und Tobias Werner. Aber die Spieler von Coach Markus Weinzierl rannten um ihr Leben. Und der in dieser Saison lange verletzte Mitelstürmer Mölders belohnte sich und sein Team mit dem krachenden Siegtor. «Geil, geil, einfach nur geil», jubelte der Matchwinner nach dem Husarenstück vor 30 660 Zuschauern: «Es hat kein Mensch dran geglaubt, außer wir!»

Auch Markus Weinzierl, der immer mehr ins Trainer-Rampenlicht rückt, kostete einen seiner größten Siege im Fußball-Oberhaus aus: «Der Kleine schlägt den Großen - das ist eine super Geschichte!» Die Glücksgefühle verleiteten den 39-Jährigen aber nicht zu forschen Kampfansagen: «Wir schielen überhaupt nicht nach der Europa League. Es wäre falsch, als FC Augsburg so ein Ziel auszugeben.»