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Großes Vergnügen tierischer Väter und Söhne

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Ausstellung von Bildern aus Kinderzimmerkalendern: »Vater und Sohn« im Kloster Seeon. Leonard Erlbruch teilt mit Vater Wolf dasselbe Talent. (Foto: Benekam)

Der gebürtige Wuppertaler Wolf Erlbruch gehört als Illustrator und Kinderbuchautor zu Deutschlands bekanntesten Künstlern seines Fachs. Viele seiner Kinderbücher wurden ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugend-Literaturpreis. Bekannt sind auch seine Kinderzimmerkalender, die in Kinderzimmern oder Küchen vieler Familien Nützliches mit kindgerechter Kunst unter einen Hut bringen. Mit seinem Sohn Leonhard teilt der Künstler dasselbe Talent, sodass sein kunstvolles Erbe in allerbesten Händen ist – und vor allem diese zum Schmunzeln schönen Illustrationen in Kinderbüchern und auf Kalendern auch künftigen Kindergenerationen erhalten bleiben werden.


Das Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon hat sich entschlossen, die bunte Farbenwelt, die rund um den Seeoner See derzeit zu bewundern ist, auch in die Ausstellungsräume zu holen: Das soll im Rahmen einer Ausstellung mit Werken aus Kinderzimmerkalendern von Wolf und Leonard Erlbruch unter dem Titel »Vater und Sohn« geschehen. Eine gute Idee, fanden die zahlreichen Gäste, darunter auch viele Kinder, die sich an der Vernissage eingefunden hatten.

Die passenden variationsreichen Klangfarben zur Ausstellungseröffnung steuerten mit großer Hingabe vier Gitarrenschüler der Trostberger Musikschule bei. Zusammen mit ihrem Lehrer Martin Steinack hatten sie bekannte, umarrangierte Stücke aus der modernen Popmusik vorbereitet, die ganz prächtig zu den ausgestellten Werken passten.

An den Wänden der Ausstellungsräume sind vergrößerte Nachdrucke der Kinderzimmerkalender von 2016 bis 2018 zu bewundern: Die Schaffensperiode oder Übergangsphase, in der Vater Erlbruch dem Sohn sinnbildlich den »Mal- oder Zeichenstift« übergab. Aber auch Drucke aus Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 2012 sind ausgestellt – da ging es mit höchster Disziplin tierisch sportlich zu: Eine Gans nimmt die letzte Hürde eines Hürdenlaufs – gar nicht plump, eher so »Gans leichtfüßig«, ein Hase als Skispringer in tadellosem Flug vor angedeuteter Bergkulisse oder ein Ferkel, das in eleganter Verrenkung an den Ringen turnt.

Dem Übermut widmete sich Wolf Erlbruch im Kinderzimmerkalender 2016 und widerlegt in witziger Illustration die Behauptung, dass »Übermut selten guttut«: Ein Rauhaardackel jongliert mit drei Bällen, während eine Eule in Seelenruhe über einen Stock balanciert, den der geniale Hund zwischen Hinterpfote und Schnauze hält. Ein anderer Hund vollführt einen halsbrecherischen Stunt mit seinem Skateboard.

Die Vorzüge des »Kleinseins« hat Sohn Leonard im Jahr 2018, seinem ersten Jahr ohne den Vater, künstlerisch umgesetzt: Da darf man beim Essen noch »Ferkel sein«, den Kopf ungeniert im Spaghetti-Teller versenken oder sich zwischen zwei Zimmerpflanzen eine Hängematte spannen.

Der Kalender 2017 soll als Coup zweier Talente gelten und wurde als Übergangswerk von beiden gestaltet. Hier werden auch Unterschiede künstlerischer Ausrichtung deutlich: Während der Vater eher als Werbegrafiker – mit knapper, klarer Komposition auf wenige Farben begrenzt – agiert, erkennt der Betrachter in den Werken des Sohns an Schraffuren, farblicher Tonigkeit und reicherer Bildmotivik eher ein malerisches oder künstlerisches Streben.

Im gemeinsamen Kalender zeigt das Vater-Sohn-Gespann, wie herrlich bereichernd Zweisamkeit sein kann: Zwölf tierische Väter und Söhne haben (und machen) dem Betrachter Vergnügen. So zeigen sich etwa Vater und Sohn Fuchs als Skateboard-Akrobaten, für den Krötennachwuchs gibt's im Hochsommer am See lecker Mückensüppchen oder ganz reizend auch die Illustration des Angsthasen von Bärenvater, der sich im Schwimmbad nicht traut, vom »Einser« zu springen, während das Söhnchen bereits im kühlen Nass planscht.

Eines, so viel ist gewiss, haben all die Werke gemein: Sie rufen süße Kindheitserinnerung wach. Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen. Kirsten Benekam