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Großartige Hausgäste im Marstallsaal

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Einen Glanzpunkt beim Konzert des Kammerorchesters »Die Zarge« im Pertensteiner Marstallsaal im Rahmen des »Musiksommers«, setzte der Solist Takeo Sato. Der preisgekrönte Gitarrist meisterte das Concerto in e-moll op. 140 von Ferdinando Carulli scheinbar mühelos. (Foto: Gabi Rasch)

Das Wetter hätte nicht besser passen können für eine Serenade im Pertensteiner Schlosshof. Ein Ort, wie geschaffen für den besonderen Zauber eines Sommerabends. Die rund 150 Besucher des Konzerts der »Zarge« im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach, mussten allerdings auf dieses unerreichte Ambiente verzichten. Der Schlosshof war bei der Programmgestaltung des »Musiksommers« 2014 schon von einer Hochzeitsgesellschaft gebucht worden. Deshalb fand das Kammermusikkonzert, wie auch im Programm angekündigt, im Marstallsaal statt.


Die Besucher gingen aber definitiv davon aus, dass das Kammermusikkonzert im Freien stattfindet und waren zum Teil maßlos enttäuscht darüber, dass dem nicht so war. Einzelne forderten sogar das Eintrittsgeld zurück oder machten an der Abendkasse kehrt. Letztere haben einen großartigen Konzertabend verpasst. Ausgesuchte, rare Werke standen auf dem Programm des spielfreudigen und energiegeladenen Orchesters, das seit mittlerweile 25 Jahren zu den Hausgästen in Pertenstein zählt. 1975 von einem Dutzend Studenten gegründet, genießt das Münchner Kammerorchester einen hohen Bekanntheitsgrad.

Die leidenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Leiter Bernhard Tluck hat das Orchester zu einem der erfolgreichsten Münchner Laienorchester gemacht. Seit 1980 leitet der ehemalige Professor für Violine am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg das Orchester mit außergewöhnlicher Kompetenz und seinen musikalischen Fähigkeiten. Seine enthusiastische Spielfreude überträgt der Konzertmeister blind auf das verlässliche und gut besetzte Orchester.

Eröffnet wurde die Schlossserenade mit dem Concerto in a-Moll op. 3/8 in den Sätzen Allegro – Larghetto e spiritoso – Allegro von Antonino Vivaldi. Schon nach dem ersten Stück gab es keinen Zweifel an der hohen Qualität des Ensembles und seiner Solisten. Zu Ehren des deutschen Komponisten Christoph Willibald Gluck, der vor 300 Jahren im oberpfälzischen Erasbach zur Welt gekommen ist und vor Wolfgang Amadeus Mozart der erste internationale Star – ein Kosmopolit, der das Musiktheater völlig neu erfunden hatte, spielte das Orchester seine Sinfonia in G-Dur.

Einen weiteren Glanzpunkt des Abends setzten die Protagonisten mit dem Concerto in e-Moll op. 140 für Gitarre und Orchester von Ferdinando Carulli (1714-1787). Als Solist für das anspruchsvolle Werk des italienischen Komponisten und Gitarristen, konnte Takeo Sato gewonnen werden. Der ausdrucksstark aufspielende Gitarrist meisterte die schwierige Literatur scheinbar mühelos. Mit Eleganz und Virtuosität schöpfte der mehrfach preisgekrönte Gitarrist das Potential des frühromantischen Werks hingebungsvoll aus. Ein wahrer Meister seines Faches und dazu noch unheimlich sympathisch! Takeo Sato hat bereits mit 12 Jahren seine Laufbahn als Konzertgitarrist mit Tourneen in Europa und Asien begonnen. Zahlreiche internationale Preise krönen seinen Erfolg. Sato leitet eine eigene Gitarrenklasse am Leopold-Mozart-Zentrum an der Universität Augsburg. Auch mit den Quartetten in Orchesterfassung von Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Stamitz im zweiten Programmteil hatten sich die Musiker hohe Ziele gesteckt. Zu hören waren die sechs Sätze des Mozart-Quartetts in Es-Dur KV 171 und das Quartett in G-Dur von Stamitz – Allegro con spirito – Andante grazioso – Presto. Um eine Zugabe kam das Orchester nicht herum, das sicher wieder viele Sympathien gewonnen hat. Gabi Rasch