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Groovy moves bei Premierenstimmung

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Das Trio »Triolounge« mit (von rechts)Michael Alfam Piano, Hans Baltinam Kontrabass und Robert Friedl am Saxofon genoss die Ehre, eine Konzertreihe in der Theaterfabrik eröffnen zu dürfen. (Foto: Benekam)

Neugierig begutachteten die Gäste das brandneu eingerichtete Theatercafe – eine von drei Spielstätten im neuen Heim der Theaterfabrik Traunreut an der Waginger Straße. Warme Farben aus unterschiedlichen Scheinwerfern in gedimmter Beleuchtung, gemütliche Bistro-Tischchen und eine stilvolle Bar im Hintergrund sorgen für angenehmes Ambiente mit kreativer Extravaganz.


Die Location macht richtig was her, hat das gewisse Etwas: Sie ist ein echter Gewinn und ein Novum, das förmlich nach Jazz-Veranstaltungen schreit. Für das Ensemble »Triolounge« war es eine Ehre, den Ort mit niveauvoller Musik aus den Genres Jazz, Blues, Latin und Swing »einzuweihen«. Die Gäste freuten sich über den »Premieren-Flair« der Veranstaltung, über das Gefühl, von Anfang an dabei sein zu dürfen. Der Reiz des Neuen birgt Chancen und Risiken – Hausherr Matthias Mollner freut sich über Beides.

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Das Trio mit Michael Alf (Piano, Vocals), Hans Baltin (Kontrabass) und Robert Friedl (Saxofon, Cachon) setzte mit intensivem Jazz, von der ersten Nummer weg, die richtigen Akzente und enterte mit groovigen Rhythmen den neuen Raum. Ob Nummern aus dem Bebop, aus der Filmmusik (Samba D’ Orfeo) oder Arrangements, deren Ursprung in der Klassischen Musik wurzelt, da groovte einfach alles. Die Nummer »In a Sentimental Mood« von Duke Ellington kam dem Versprechen des Titels voll nach: Ein eindrucksvolles Basssolo führte gefühlvoll virtuos ins Thema ein, das einsetzende Saxofon übernahm mit schwelgerisch-melancholischer Klangfarbe und das Piano schließlich gab den hingerissenen Zuhörern den Rest. Die grandiose Leistung des Trios erfüllte mit Wärme und Licht – ein »echter Ellington« in für diese Instrumentierung gnadenlos konsequenter Bearbeitung.

Aber da ging noch mehr, da war noch Luft nach oben. Michael Alf schickte anschließend Rimsky-Korsakows »Hummel(-Flug)« auf solistische Piano-Solo-Entdeckungsreise. Schneller als sich die Flügel des Insekts bewegen können hämmerten Alfs Finger in die Tasten – Weltrekord-verdächtig und nebenbei lässig, präzise akzentuiert im Vorspiel. Perkussive Unterstützung erbat und bekam das Trio in der Jazznummer »Fine Brown Frame«. Gekonnt war damit einmal mehr eine Brücke zum Zuhörer geschlagen, der sich längst als Teil der Jazz-Session fühlte und in anderen Nummern sogar lautstark die Songtextvorgaben wiedergab.

Mit der Eigenkomposition »Speedin’ Boogy« berauschte Alf am Piano im Hochgeschwindigkeitstempo bei maximaler Musizierfreude. Gut, dass innerhalb des Konzertprogramms immer wieder Nummern zum Runterkommen dabei waren wie die Ballade »Do you know, what it means to miss New Orleans?«, bei der Alf auch als Sänger überzeugte, oder die Swing-Nummer »Days of Wine and Roses«. Highlights waren auch die unterschiedlichen Soli für Saxofon und Kontrabass (auch innerhalb der Nummern): Matt Dennis’ »Everything happens to me«, als Saxofon-Solo war eine Hommage an dieses variationsreiche und formschöne Blasinstrument und zugleich eine virtuose Tour de Force, die Friedl mit Bravour bestand.

Und wer annimmt, dass man mit »Klassikern« wie »Take five« oder Piazzollas »Libertango« in sicheren Gewässern fischt, der kann ordentlich daneben liegen. Im Fall »Triolounge« ging aber alles gut. Es groovte, stimmte, machte mehr als gute Laune. Dementsprechend euphorisch fiel am Konzertende der Schlussapplaus aus und brachte den restlos begeisterten Jazz-Freuden noch eine genussvolle Verlängerung ein. Eine rundherum gelungene »Premiere«, mit der die Messlatte für folgende Jazz-Sessions hoch angelegt ist. Kirsten Benekam

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