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Norbert Brandtner &»Volksgefühl« zu Gast im Traunsteiner NUTS

Grenzgänger und Musiker

Was macht ein Student und Musiker, wenn er die Nase voll hat von einer durchorganisierten Gesellschaft, die das Individuum immer mehr einschränkt, reglementiert und kontrolliert? Eine Antwort darauf lieferte der mittlerweile 36-jährige Norbert Brandtner aus Lofer in Österreich.

»Schweizer-Alpträume« ist der Titel des Programms von Nobert Brandtner (rechts), das er mit Katrin Aschaber und Werner Unterlercher in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS präsentierte. (Foto: Heel)

In den zurückliegenden Jahren verdingte er sich in den Schweizer Alpen als Schafhirte und verbrachte die Zeit zwischen Mai und September fernab der Zivilisation auf bis zu 3000 Metern Höhe, wo er 800 Schafe von Weide zu Weide trieb, nur unterstützt von einem Hund und kaum mehr als seine Steirische Harmonika im Gepäck. Denn ohne seine »Zugin« geht der Grenzgänger nirgendwo hin.

Jetzt war Norbert Brandtner in der vollbesetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast, wo er nebst vielen spannenden Geschichten vom Berg mit »Licht und Schatten« auch sein zweites Album präsentierte, meist selbst komponierte Volksmusik zwischen Tradition und Moderne. Begleitet wurde er dabei von der Formation »Volksgefühl« bzw. Katrin Aschaber (Harfe) und Werner Unterlercher (Kontrabass), beide bekannt vom Herbert Pixner Projekt.

Doch die Musik stand erst im zweiten Teil seines Auftritts im Mittelpunkt. Zunächst erzählte er von seinen »Schweizer-Alpträumen«, wie er seine Show benannt hat. Anschaulich gemacht anhand vieler Fotos und kurzer, mit dem Handy aufgenommenen Filmbeiträgen, entführte er das Publikum dabei in die karge Bergwelt der Schweizer Alpen, wo er auf einem ca. 25 Quadratkilometer großen Areal seinem einsamen und ziemlich gefährlichen Job als Schafhirte nachgegangen war.

Eine Zeit, in der Norbert Brandtner viele Grenzerfahrungen gemacht hat, aber auch eine gedankliche Reise, die ihn dazu brachte, so manche Lebensfrage neu zu stellen. Zum Teil sehr emotional, erzählte er, was es z. B. bedeutet, in brenzligen Situationen ganz auf sich allein gestellt zu sein. Es war ein ständiges Wandern durch zerklüftete Seitentäler, bis zu 13 Stunden täglich, ob bei Regen, Schneefall oder Sonnenschein. Und immer unter der Vorgabe: »Nur keinen Fuß brechen dabei.« Sein »Wohnsitz« in dieser Zeit war ein knapp sechs Quadratmeter großer Container, ernährt hat er sich hauptsächlich von Gulaschsuppe und Spaghetti.

Dabei ist Norbert Brandtner keineswegs ein Eigenbrötler, sondern ein geselliger Typ, der auch eine starke soziale Ader hat. So unterstützt er mit dem Verein »Licht und Schatten« Hilfsprojekte in Ecuador, daher auch der Name der CD. Die Musik ist für den gelernten Tischler, der nach einem Studium der Forstwissenschaften kurz davor steht, ein zweites Studium der Wildbach- und Lawinenverbauung abzuschließen, zwar nur ein Hobby, ihn als Hobby-Musiker zu bezeichnen, wäre allerdings eine fast schon boshafte Untertreibung.

Denn Norbert Brandtner ist ein erstklassiger Instrumentalist (und Komponist), dem es im so harmonischen wie technisch versierten Zusammenspiel mit Karin Aschaber und Werner Unterlercher mühelos gelang, Geschichten vom »Gipfelglück« zu erzählen, mit der »Bergwaldfarbenmelodie« Stimmungen zu beschwören, oder mit dem Stück »Bora Bora« Sehnsüchte zu wecken. Entsprechend berührt und begeistert war das Publikum. Wolfgang Schweiger