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Grenzenlos virtuos

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Mit grenzenlosem Vergnügen zelebrierte das Duo »Crossing Borders« (Thomas Hartmann am Klavier und Claus Freudenstein am Kontrabass) Crossover-Musik im Isinger Saal. (Foto: Benekam)

Eine satte Portion Weltoffenheit und multikulturelle Vielfalt in Noten wurde vom Duo »Crossing Borders« beim Verein KulturGut Ising e. V. durch den Isinger Saal geblasen. Bei stimmungsvollem Kerzenschein fühlten sich die Gäste bald mitgenommen in die klanglichen Welten unterschiedlichster Länder, Nationen und Kulturen, wobei das Duo nicht nur geografisch und kulturell Grenzen verschwimmen ließ, sondern auch – und das aufs Genialste – wohlklingend Genres vermischte: Crossover-Musik vom Feinsten, virtuos und dynamisch.


Mitreißend mit soghafter Wirkung. Und das zu zweit, an nur zwei Instrumenten – geht das? Und ob: Claus Freudenstein am Kontrabass und Thomas Hartmann am Klavier sprechen in ihrem musikalischen Zusammenwirken nicht nur dieselbe Sprache, sie teilen das Vergnügen an ihrem Zusammenspiel großzügig mit allen Zuhörern. So fühlten sich die Konzertbesucher bald als Mitreisende »ins Blaue« der Weltmusiklandschaft und genossen auch die locker-humorvolle Moderation Freudensteins, die gespickt mit witzigen Anekdoten aus dem Musiker-Alltag zum Lachen brachte.

Die Reise startete in England mit einem Lied der Hard-Rock-Band Deep Purple aus dem Jahr 1971. Weiter, zwar im selben Sprachraum und in der Rock-Ecke, aber mit einem großen Satz über den Atlantik, ging es mit »Parallel Universe« (Red Hot Chili Peppers) nach Kalifornien – gezupft, gestrichen und mit viel Temperament in die Tasten gegriffen. Mit den nächsten beiden Nummern schlug das Duo einen Haken nach Südamerika: »Hablo Espagnol« von »Polache« (arrangiert von Jorge Santos) und ein selten gehörter Tango von Astor Piazzolla – »Ave Maria«, in dem Freudenstein seinen Kontrabass »singen« ließ.

Ruhe und Frieden zog ein im Isinger Saal, Hartmanns Klavierspiel ließ die Zuhörer ausatmen, sich entspannt zurücklehnen, Zeit und Raum vergessen. Mit »Der Wolf« kam eine Eigenkomposition (Freudenstein) zu Gehör, die es in sich hatte: spannend, mal bedrohlich, dann wieder frech und provokant, aber vor allem wolfsmäßig energiereich.

Nicht weniger aufregend klang »The Bassmonsters«, eine Komposition von Simon Garcia, die der berühmte spanische Kontrabassist eigens für Freudensteins Bassquartett komponiert hat. In Originalfassung für vier Kontrabässe könnte man es als Sprung in eine neuartige Musikära betrachten, in der die virtuosen Möglichkeiten der Bassgeige neu definiert und die Grenzen des Machbaren annähernd überschritten wurden. In Bearbeitung für Kontrabass und Klavier bekam das Werk einen anderen, aber ähnlich exzentrisch-extravaganten Touch und im Isinger Saal tosenden Applaus.

Mit »Hotel California« bewegte sich das Duo wieder in bekanntere Klangwelten, wertete aber den beliebten Ohrwurm von The Eagles klanglich auf, indem es ihn in einen Bachchoral bettete. Auf dem Rückweg streifte das Duo musikalisch mit »With or Without You« die Grüne Insel und nahm den Songtitel von U2 wörtlich: Die gelungene Bearbeitung in dieser doch sehr reduzierten Instrumentierung lässt keinen Zweifel am Weltklasseniveau der beiden Musiker.

Begeisterter, lautstarker Applaus brachte den Gästen im Isinger Saal eine Zugabe ein: Mit einer Andante von Robert Fuchs (1847 bis 1927) bewiesen die beiden innovativen »Musiker-Rebellen« Hartmann und Freudenstein, dass sie’s auch »ganz klassisch« können. Kirsten Benekam