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Grassauer Mittelschüler genießen ihre Sonderstellung

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Die Schüler der Klasse 9a genießen ihren besonderen Status im Sitzungssaal. Hier würden sie am liebsten bis zum Schuljahresende bleiben. (Foto: T. Eder)

Grassau – Normalerweise werden im Sitzungssaal die wichtigsten Entscheidungen für die Gemeinde getroffen, nun aber sitzen dort Schüler der neunten Klasse und bereiten sich auf den qualifizierenden Mittelschulabschluss vor. Einschränkungen können die Schüler nicht erkennen, wie beim Besuch der Schulklasse deutlich wurde.


Der schöne, große Sitzungssaal mit dem warmen Gebälk und dem großen ovalen Tisch ist für einige Wochen nun Heimat der neunten Klasse. Bedingt durch den Wasserschaden in der Grund- und Mittelschule mussten die Schulklassen ausgelagert werden. »Die Gemeinde hat sich sehr kooperativ und konstruktiv gezeigt«, lobt Schulleiter Johannes Zeitel. Zwei Schulklassen können im gemeindeeigenen Gebäude der Touristinformation unterrichtet werden, eine siebte und eine neunte Klasse. Während eine Klasse den Galerieraum nutzt, ist eine weitere im Sitzungssaal untergekommen.

Doch wie organisiert sich der Schulalltag außerhalb des Schulkomplexes? Still ist es im Gebäude der Tourist-Information, der sonst gewohnte normale Schullärm ist hier nicht zu hören. Im Gegenteil, die Tür zum Galerieraum ist offen. Einige Schüler sitzen auf dem Boden in ihre Arbeiten vertieft, andere an den Tischen und lernen. Noch komfortabler hat es die neunte Klasse im Sitzungssaal. Die Buben und Mädchen dürfen auf den Wippstühlen der Marktgemeinderäte Platz nehmen und sind begeistert. Bei der Frage, was den Schülern am Sitzungssaal am besten gefällt, nennen alle übereinstimmend die bequemen Stühle. Sie genießen die Ruhe, die ansprechende Atmosphäre und fühlen sich wohl.

Auch ihr Lehrer, Hans Genghammer, sieht keinerlei Nachteile für die Schüler. »Wir haben hier eine funktionierende Technik mit Beamer«. Und auch die Akustik sei gut. Als Marktgemeinderat ist Genghammer der Sitzungssaal natürlich vertraut. Allerdings können die Schüler, die am Kopfende sitzen, etwas schlechter auf die Leinwand blicken. Selbst für dieses Problem hat Genghammer eine Lösung. So rutschen die Schüler jeden Tag einen Platz weiter. Die Kommunikation zum Hauptgebäude und Sekretariat ist gut. So wird in den Sitzungssaal gemeldet, wenn ein Schüler krank ist und nicht zum Unterricht erscheint.

In Hausschuhen sitzen die Schüler an ihren Plätzen. Ihre Kleidung kann in der kleinen Garderobe verstaut werden und auch für die Materialien, die normalerweise im Klassenzimmer bleiben, hat sich Genghammer eine gute Lösung einfallen lassen. Jeweils zu zweit nutzen die Schüler eine Box und können dort ihr Hab und Gut verstauen. In den Pausen dürfen die Schüler den Sitzungssaal verlassen und sich auch eine Brotzeit kaufen. Von Vorteil ist, dass Bäckereien gleich in der Nähe sind. Somit wird der fehlende Pausenverkauf ausgeglichen. Dies verlangt von den Schülern jedoch einiges an Disziplin, denn einen Pausengong gibt es hier nicht und alle müssen wieder pünktlich zum Unterricht erscheinen. Auch das stellt kein Problem dar.

Die Neuntklässler wissen von ihrem Privileg. In den ersten Tagen in dem »Sitzungssaalklassenzimmer« klärte Hans Genghammer über die sonstige Nutzung auf, informierte welche Aufgaben den Marktgemeinderäten zukommen, wo wer sitzt und auch, was während einer Sitzung auf der Tagesordnung steht.

Die Schüler werden wohl noch weitere sechs Wochen im Sitzungssaal unterrichtet. In ihre ursprünglichen Klassenzimmer werden sie nicht zurückkehren. Stattdessen werden am Festplatz Containerklassenzimmer aufgestellt. Wie Schulleiter Johannes Zeitel informierte, müsse hierfür aber noch ein Bauantrag gestellt und die Planungen abgeschlossen sein. Diese Container werden an Wasser und Abwasser angeschlossen. Währenddessen laufen die Trocknungs- und Sanierungsarbeiten im Schulgebäude auf Hochtouren.

Von der Containerlösung sind die Neuntklässler jedoch nicht begeistert. »Wir möchten bis zum Schuljahresende im Sitzungssaal bleiben«, stimmten alle Schüler ein. Allerdings fehlt der Kontakt zur anderen neunten Klasse und auch die Bildung von klassenübergreifenden Lerngruppen ist da schwierig. Die aufgeweckten Schüler hätten hier aber eine Möglichkeit parat. Ihrer Ansicht nach sollte die andere neunte Klasse ebenfalls in die Touristinformation umziehen. Ein großer Vorteil ist, dass sich hier die Abschlussklasse ohne Baulärm vorbereiten kann.

Wie geht es jetzt im Schulhausgebäude weiter? Wie sehr das Gebäude unter dem Wasseraustritt gelitten hat, ist unschwer an nassen Wänden und an dem lauten Geräusch der Trockner zu erkennen. In wenigen Tagen werden die Böden sowohl im Keller, im Erdgeschoß wie auch im ersten Stock entfernt. Insgesamt müssen rund 1000 Quadratmeter Bodenbeläge erneuert werden. Weitere Klassen, die ihre Zimmer nicht nutzen können, wurden hausintern untergebracht und Fachräume, wie Musik- und Handarbeitszimmer, belegt. Schulleiter Zeitel zeigte sich begeistert vom Lehrerkollegium, das sehr gut mit diesen Einschränkungen umgeht. Auch den beiden Lehrern, die derzeit in der Tourist-Information unterrichten, zollte er Anerkennung. »Das ist für die Lehrer schon eine zusätzliche Belastung«, betonte er. Schließlich fehlt der direkte Kontakt und Austausch mit dem Lehrerkollegium. tb