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Grandioses Konzert mit Georg Ringsgwandl und Band in der Laufener Salzachhalle

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Den ersten Teil seines Konzerts bei den Salzach-Festspielen spielte Georg Ringsgwandl in Jeansjacke, bevor er im zweiten Teil im Anzug auf der Bühne stand. (Foto: Heel)

»Für die Fähigkeit, seine Heimat Bayern künstlerisch ganz und gar zu erfassen, ihre Eigenheiten seinen Landsleuten vor Augen zu führen und sie auch den Nichtbayern verständlich zu machen«, wie es in der Jury-Begründung hieß, wurde der Liedermacher und Kabarettist Georg Ringsgwandl vor Kurzem mit dem Deutschen Weltmusikpreis »Ruth« ausgezeichnet. Krönung einer Karriere, die ihren Anfang genommen hat, als der 1948 in Bad Reichenhall geborene Künstler Ende der 70er Jahre, damals noch hauptberuflich Kardiologe, mit seinem Programm »Gurkenkönigs Hausfrauenshow« erstmals die Kleinkunstbühnen eroberte, zunächst als Musikclown, wild geschminkt, exzentrisch und mit schrillen Kostümen.


Doch das Image des musikalischen Paradiesvogels und Gaudiburschen hat Georg Ringsgwandl mittlerweile ebenso abgelegt wie den Medizinerberuf, heute zählt er zu besten deutschen Liedermachern, ein bajuwarischer Rockpoet der eher leisen Töne. Jetzt hat Georg Ringsgwandl bei den Salzach-Festspielen in der Laufener Salzachhalle gespielt, wo er vorwiegend Lieder aus seinem neuen Album »Woanders« präsentierte.

Begleitet wurde er von Daniel Stelter (Gitarre, Mandoline), Christian Diener (Kontrabass) und Tommy Baldu (Schlagzeug), mit denen er das Album auch eingespielt hat. Und zwar nicht, wie sonst üblich, in einem Studio, sondern im Wohnzimmer einer Münchner Altbauwohnung. Drei Musiker also, die ihm so feinfühlig wie zuverlässig den Rücken stärkten und mit ihrem dezenten, blueslastigen Spiel Stubenmusik-Atmosphäre verbreiteten, wobei der Gitarrist Stelter gleich mehrmals Gelegenheit gab, mit jazzigen Soli zu glänzen.

Zunächst leger mit Jeansjacke bekleidet, stellte sich Georg Ringsgwandl gleich als »Mann von Welt« vor, sinnierte darüber, wie es wohl wäre, im nächsten Leben ein Kater zu sein (»Koda«), und machte klar, dass gegen die Liebe kein Kraut gewachsen ist (»Dawischt«). Hintersinnig-melancholische Lieder, atemberaubend schön arrangiert und unwiderstehlich interpretiert. Warm ums Herz wurde den Zuhörern auch bei der Ballade von der »Oberpfalz« – ein echtes, ehrliches Heimatlied voller Sehnsucht. Auch wenn die Heimat längst vom Ausverkauf bedroht ist, wie Georg Ringsgwandl im nachfolgenden Lied »Dorf« vor Augen führte, das mit bitterem Spott davon erzählt, wie sich ein Dorf durch die hemmungslose Ausweisung von Gewerbegebieten freiwillig zugrunde richtet, frei nach der Devise: »Unser Dorf muass schiacha wern.«

Für viele Lacher sorgten zwischendurch Georg Ringsgwandls launige Moderationen, in denen er von seiner Schreibblockade erzählte, die ihn veranlasst habe, auf der Suche nach Stoff die Patientenkartei seines Psychiaters zu durchforschen. Zum Einsatz kam dabei auch seine von einer Tante ererbte Zither, die einstmals einem Holzknecht gehört habe, der das Zeug zum Alpen-Mozart gehabt hätte, wäre er nicht in jungen Jahren tödlich verunglückt.

In der zweiten Konzerthälfte, nun mit Anzug, packte Georg Ringsgwandl dann die alten Hits aus, von »Hühnerarsch, sei wachsam« über »Lebn wiara Kuah« bis zu »Nix mitnehma«. Georg Ringsgwandl erinnerte mit kauzigen Einlagen, die nur entfernt einem Tanz glichen, an die wilden alten Zeiten. Wolfgang Schweiger