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34°

Grandiose Aussichten beim alpinen Klassiker

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Über zwei Kuppen geht es hinauf zum Schwalbenwandgipfel. (Fotos: Zeis)
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Vom Brunnkopf aus hat man unter anderem einen herrlichen Blick auf die Südabstürze des Steinernen Meeres mit Sommerstein, Schönfeldspitze und Selbhorn.

Wie jedes Jahr hat sich mit den ersten Schneefällen das altbekannte Kribbeln in den Füßen eingestellt. Die Skitourenausrüstung war schon längst hergerichtet, als mir ein alter Klassiker eingefallen ist: die Schwalbenwand, ein rundlicher Mugel mit weichem Grasbelag. Die Neugierde war geweckt. Für einen ersten Test steuerte ich mit zwei Tourenkameraden Maria Alm im Salzburger Land an.


Gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten zogen wir am Morgen bei frischen acht Grad Minus vom Ortsteil Unterberg, auf knappe 900 Meter gelegen, in den Jetzbachgraben talwärts. Die Schneeverhältnisse im Jetzbachgraben waren ordentlich, was nicht nur erfreulich, sondern auch eine Grundvoraussetzung für Aufstieg und Abfahrt ist.

Bis auf den Gipfelanstieg ist die Tour nicht besonders steil, die weiten Wedelwiesen im Almbereich sind eher als lieblich zu bezeichnen. Eine gut angelegte Spur führte uns über Almwiesen – vorbei an zwei kleinen Hütten hinauf zur Hinterjetzbachhütte auf 1144 Meter. Über den Talboden des Mitterpinzgaus lag noch eine zähe Nebeldecke, die weit hinaufreichte.

Nach rund 400 Höhenmeter erreichten wir eine Alm, schwenkten nach links und durchquerten einen kurzen Waldstreifen. Oberhalb der Waldstufe zeigte sich, warum die Salzburger Schieferalpen als Tourenziel so beliebt sind. Über uns lagen freie Hänge, großzügig dimensioniert und abwechslungsreich gestuft mit Pulverschneeauflage. Während des Aufstiegs über einen langgezogenen Rücken zur Hofer Hochberghütte auf 1650 Meter hielten wir Ausschau nach dem Brunnkopf, einen Vorgipfel der Schwalbenwand.

Allmählich löste sich der hartnäckige Hochnebel auf und die Sonne strahlte von einem tiefblauen Himmel. Am Zaun der Hofer Hochberghütte hatte der Wind wunderschöne Girlanden aus Schnee geformt. Wir genehmigten uns eine Rast und genossen die Aussicht hinüber zum Steinernen Meer und Hochkönig.

An der Steilstufe zum Brunnkopf, wo die Stauden noch nicht eingeschneit waren, kämpfte jeder für sich allein, um den besten Durchschlupf zu erkunden. Auf dem anschließenden breiten Rücken hinauf zum Brunnkopf blies uns eisiger und böiger Nordwestwind ins Gesicht. Eine kleine vom Wind zerzauste Fichtengruppe um den Brunnkopf herum zeigte sich im schönsten Winterkleid. Es war ein wahrer Postkartenblick. Der Weiterweg über zwei Kuppen zum Schwalbenwandgipfel machte diesmal wenig Sinn, denn es war zum großen Teil alles verweht und der steile Gipfelhang sowieso abgeblasen. Der Brunnkopf blieb unser Ziel. Er ist mit seinen 1958 Metern ein fantastischer Aussichtspunkt. Besonders der Blick nach Süden zu den majestätischen Dreitausendern der Hohen Tauern beeindruckt einen immer und immer wieder. Eine längere Rast war bei gefühlten zweistelligen Minusgraden und dazu böigem Wind fast unmöglich. Bei der Abfahrt bis zur Steilstufe suchten wir uns die nordseitigen, windgeschützten Mulden, wo noch jeder seine eigene Spur in den makellosen Pulverschnee ziehen konnte. Unverspurt und derart verlockend war die Abfahrt unterm Brunnkopf über herrliche nordostseitige Hänge bis zu einem Waldgürtel.

Bei Eiseskälte wurden wieder die Felle aufgezogen und zur nächsten Abfahrt aufgestiegen. Im weitläufigen Gelände war Platz für viele Schwünge. Trotzdem erforderte die unbekannte Variante Vorsicht, denn es war noch keine durchgehend feste Unterlage vorhanden. Auch verstreute Baumstümpfe im wohlproportionierten Skigelände mahnten zur umsichtigen Fahrweise. Bei der Jetzbachalm konnten wir etwas aufatmen. Wir stießen auf einen Almweg. Über den vergleichsweise flachen Weg wedelten wir hinab und kamen wieder auf die bekannte Aufstiegsroute.

Sehr abwechslungsreich gestaltete sich der letzte Teil der Abfahrt im jetzt stark verspurten Gelände. Damit es nicht langweilig wurde, gab es besonders im unteren Bereich noch ein paar Gräben und Furchen. Wer mit offenen Augen abfährt und nicht hirnlos bergab brettert, der läuft kaum Gefahr, auf diese Schikanen hereinzufallen. Für uns endete die Abfahrt schneller als erwartet im einsamen Talschluss des Jetzbachgrabens. Auf einem breiten Wirtschaftsweg fuhren wir gemächlich die letzten Meter zum Parkplatz zurück. Fazit: ein landschaftlich tolles Erlebnis und eine ebenso genussreiche Abfahrt. Manfred Zeis