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»Gott zu ehren lasst uns hören«

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Unser Bild zeigt die Mitwirkenden beim volksmusikalischen Konzert in der Schlechinger Pfarrkirche, (von links) das Ensemble Kirchleitnmusi, Siegi Götze, hinter ihm der Lindmair-Dreigsang und auf den Altarstufen die Hohenaschauer Bläser.

Einem blankgeputzten Herbsttag setzte ein feinsinniges, volksmusikalisches Konzert die Krone auf. In der Pfarrkirche St. Remigius in Schleching hatten sich der Lindmair Dreigsang, die Hohenaschauer Bläser und die zum Ensemble erweiterte Kirchleitnmusi eingefunden, um die Zuhörergemeinde musikalisch durch den Jahreskreis zu führen; der gewiefte Brauchtumskenner und Sprecher Siegi Götze beleuchtete die vielfältigen Prägungen dieses Zyklus' vor allem aus religiöser Sicht: »Gott zu ehren lasst uns hören.«


Mit einem verhaltenen, doch in sich fest stehenden Jodler eröffnete der Lindmair-Dreigsang den musikalischen Ablauf. Marlene Lindmair und ihre Töchter Constanze und Simone, dem Gesangsstil der »Röpfei« aus Hausham verpflichtet, überzeugten durch ihren harmonisch abgestimmten, verhaltenen Gesang in vollendeter Reinheit.

In seiner Vorstellung des Veranstaltungsmottos spielte Siegi Götze darauf an, dass man in der Schlechinger Kirche einige der bereits in der Bibel, vor allem in den Psalmen des AT erwähnte Instrumente sehen und hören konnte, zumindest in ihrer abgewandelt-weiterentwickelten Form. Das Eröffnungsstück der Musikanten zeigte das sehr anschaulich. Die zwei Geigen und die Querflöte, fundiert durch den Kontrabass, setzten ein, zwei Gitarren und die Harfe, das Hackbrett dazu schlossen sich an und wechselten sich mit den Bläsern ab, um in einem beeindruckenden Gesamtklang zu gipfeln.

Der Zitherspieler Rudi Ritter, der Leiter des Ensembles Kirchleitnmusi, hatte als Mitglied der Vorstandschaft des veranstaltenden Schlechinger Kultur-Fördervereins mit Siegi Götze zusammen den Konzertablauf zusammengestellt und neben dem Einleitungsstück auch Landler- und Jodlerweisen für seine Gruppe feinfühlig arrangiert, dazu auch Vorspiele für die Lieder der Sängerinnen in unterschiedlichen Besetzungen. Dadurch bekam der Abend eine in sich geschlossene, stimmige Form, wurde zu einem »volksmusikalischen Jahreszeiten-Oratorium mit Sprecher«.

Das Quintett der Hohenaschauer Bläser mit zwei Flügelhörnern, zwei Basstrompeten und Tuba ließ einen sehr weichen, angenehmen Bläserklang vernehmen. Eine Intrada aus der Barockzeit und Anton Bruckners »Musica sacra« irritierten durch gewisse Intonationsunschärfen; ihre volksmusikalischen Stücke und vor allem die »Magdalena Weis« von Erich Gawlik kamen überzeugend »astrein«. Auch die Kirchleitnmusi bewies mit der Kombination eines Präludiums mit einem tiefen Landler, dass Berührungsängste zwischen »Klassik« und »Volksmusik« unsinnig sind.

Das Lied »Gott zu ehren« vom Fanderl Wast, das dem Konzert den Namen gab, sang der Lindmair-Dreigsang sehr intensiv, in ganz eigener Rhythmisierung wie später auch den »Güldenen Rosenkranz«, auch »In der ganzen Stadt« mit raffinierten Ein- und Zwischenspielen wirkte farbig und »modern«. Die meisten Lieder begleitete Rudi Ritter mit seiner Kerschensteiner solo, ganz blicknah. Unbegleitet erklang der »Almsegen« wie eine Bitt-Litanei. Trotz oder vielleicht auch wegen der Feinheit des Gesangs der drei Frauen kam doch ab und zu der Kontrast-Wunsch nach einem gestandenen Männergesang auf...

In der Schlussmoderation bat der Sprecher darum, keinen Applaus zu spenden (Barbara Reichenbach vom Förderverein hatte die Bitte schon zu Beginn ausgesprochen), doch nach der kostbaren, unsterblichen »Hirtenmusik aus dem Pongau« und der herzerhebenden »Magdalena Weis« tröpfelten doch sparsame Klatscher in die Stille; der Nachbar hinter mir meinte: »Vielleicht hams scho gschlaffa g’habt?« Engelbert Kaiser