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»Gott zu ehren lasst uns hören«

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Der Lindmair Dreigsang, aufmerksam begleitet von Rudi Ritter. (Foto: Kaiser)

Es war ein lang erwartetes, überfälliges und gerade deshalb bejubeltes Ereignis, als das Zweite Vatikanische Konzil im Jahre 1965 die katholische Liturgie für die Muttersprache öffnete. Doch auch noch in den Jahren danach waren mancherlei Hindernisse und Widrigkeiten bei einigen Pfarrherrn, aber auch im Kirchenvolk zu überwinden, bis Volksmusik und geistliches Lied aus dem Volksgut ihren geachteten Platz im Kirchenraum fanden.


Inzwischen hat sich ein ansehnlicher (und hörenswerter) Schatz an geistlichen Liedern und passendem Musiziergut für die Gottesdienstgestaltung, aber auch für Passions-, Advents- und Weihnachtssingen herausgebildet, der auch strengen stilistischen Anforderungen genügt. Daraus hatte der erfahrene Volksmusik- und Brauchtumskenner Siegi Götze zusammen mit Rudi Ritter, dem Zitherspieler und Leiter des Ensembles Kirchleitnmusi, ein Volksmusikkonzert unter dem Titel »Gott zu ehren lasst uns hören – ein gedanklicher Gang durch das Kirchenjahr« für die Pfarrkirche Heilig Blut in Marquartstein zusammengestellt. Außerdem war es eine Premiere: Das erste Volksmusikkonzert in der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach«.

Das Konzept passte sehr gut in den klaren, schlichten Innenraum mit den frei ragenden Deckenbalken und der volkstümlich-echten Ausmalung durch den in Piesenhausen wohnenden Kunstmaler Werner Schön im Jahre 1936. Die ausgezeichnete Akustik des Kirchenraumes trug zum Gelingen des abendlichen Konzerts maßgeblich bei.

Bei seiner herzlichen, im Dialekt formulierten Begrüßung bezeichnete Pfarrer Hans Krämmer den Jodler als »Boarisches Halleluja« und ein solches sang der Lindmair Dreigsang ungekünstelt und wohlklingend. Auch die »Eröffnung« (Otto Dufter), gespielt von den Hohenaschauer Bläsern und dem Kirchleitn Ensemble, traf den rechten Ton zwischen volksmusikalischer Wurzel und festlicher Erhebung. In ruhiger Vornehmheit präsentierten die Bläser mit zwei Flügelhörnern, einem Bassflügelhorn, einer Ventilposaune und einer Tuba »Heiliger Tag«, ein Hirtenlied aus der Steiermark.

Das Lied »Gott zu ehren« vom Fanderl Wastl, das dem Konzert den Namen gab, sang der Dreigsang in agogisch recht freiem Vortrag, meisterlich begleitet von Rudi Ritter und gegliedert durch geschmackvolle Zwischenspiele des Ensembles (ein Saitensextett mit Zither, Hackbrett, Harfe, Melodie- und Begleitgitarre und Kontrabass; zum Nonett erweitert durch Querflöte und zwei Geigen). In dieser Besetzung gefiel auch ein feines »Bayerisches Potpourri« aus »Samerberger Landler«, Jodlerweisen und einer staden Weis.

Der Lindmair Dreigsang, Marlene Lindmair mit ihren Töchtern Constanze Wegmann und Simone Kiesenhofer, singt seit 1991 in dritter Generation der »Röpfeitradition«. Der Dreigsang pflegt insbesondere das geistliche Volkslied im Jahreskreis; viele Lieder der Greinsberger Kathi (das kostbar-eigenwillige »Die Wüste steiget auf im Licht«; »Schönster Jesus auf der Wies«; »Dem Herzen Jesu sei die Ehr«; »Lasst uns mit Dank und Fröhlichkeit«, eine glückliche Verbindung beider Haltungen) fanden sich in ihrem Vortrag, aber auch Volksweisen wie der unbegleitet gesungene »Almsegen« als eine Art Bitt-Litanei. Geradezu ausgelassen wirkte danach »Musikantenfreind« des Kirchleitn Ensembles.

Siegi Götze bewegte sich sehr anschaulich und treffend durch die Stationen des Kirchenjahres; er beleuchtete die vielfältigen Prägungen dieses Zyklus vor allem aus der religiösen Sicht, sachlich und völlig unsentimental. Ganz in diesem Sinn gestaltete auch der Dreigsang tief und echt empfunden die Volksweise »Halmerl wiag di, Halmerl biag di«, ein Lied von der Vergänglichkeit allen Lebens. Eine wunderschöne Antwort darauf waren »Präludium« (S. Schneider) und »Tiefer Landler« (T. Reiser) des Ensembles, aufgenommen und weitergeführt von Anton Bruckners »Musica sacra« mit einer gewaltigen Klangentwicklung der Bläser. Ein herbes, unsentimentales Marienlied war »O Maria, sei gegrüßt« von J. Radauer.

Nach Tobi Reisers ewig schöner »Hirtenmusik aus dem Pongau« sprach Siegi Götze den Veranstaltern, den Mitwirkenden und den Helfern im Hintergrund ein herzliches »Vergelt’s Gott« zu, und nach der »Magdalena Weis«der Bläser fasste der priesterliche Segen den Abend zusammen. Engelbert Kaiser