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»Gott hat alles recht gemacht«

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Applaus für eine ergreifende Konzertstunde für das Kammerensemble Kohlhauf: Verena Meurers-Zeiser (von links), Harfe, Daniela Willert, Violine, Susann Král, Oboe, Reinhard Schmid, Kontrabass, und Bernhard Kohlhauf, Akkordeon. (Foto: Janoschka)

Vor dem wunderschön mit Erntegaben geschmückten Altar der Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding nahm ein Kammerensemble Platz, dessen Besetzung alles andere als alltäglich war.


Geigerin Daniela Willert vom Münchner Gärtnerplatztheater, Susann Král, Oboistin bei den Bad Reichenhaller Philharmonikern, Verena Meurers-Zeiser, Harfe, und Reinhard Schmid, Kontrabassist im Bayerischen Staatsorchester München, hatten sich unter der Leitung von Bernhard Kohlhauf, Akkordeon, zu einer geistlichen Abendmusik zu Erntedank zusammengefunden.

Das abwechslungsreiche Programm umfasste sowohl Volksmusikalisches als auch barocke und klassische Musik, zum Beispiel den langsamen Satz aus dem Concerto für Violine und Orchester in a-Moll BWV 1041 und die Ouvertüre aus der Orchestersuite Nr. 1, BWV 1066 von Johann Sebastian Bach, die in dieser Besetzung zum ersten Mal öffentlich zu hören war, und in deren Fugato-Teil sich die verschiedenen Instrumente des Ensembles nacheinander musikalisch vorstellten.

Es erklangen auch »Deutsche Tänze in B« von Franz Joseph Haydn ebenso wie Wolfgang Amadeus Mozarts Menuett KV 568 und Menuetto-Trio KV 239 aus der Serenata Notturna, die durch ihre volksmusikalischen Anklänge bereits eine Brücke zu diesem unterhaltenden Genre bildeten, wofür Mozart ja bekannt ist.

Die Orchesterinstrumente bei Bachs Violinkonzert »nur« im Akkordeon und auf dem Kontrabass zu hören, überraschte, doch boten diese beiden Instrumente durch ihr pochendes Voranschreiten der samten ruhig-singenden Violinstimme von Daniela Willert ein kontrastreiches Klangbett. Dankbarkeit und Zuversicht des barock-geordneten Weltbildes strömte der Choral »Jesus bleibet meine Freude« von Bach durch den bekannten textlichen Inhalt wie auch durch die Musik aus.

Mit langem Atem ließ die Oboe die Melodie als Cantus firmus erklingen, während die Violine die bewegten Triolen dagegensetzte. Wunderschön! Auch in der »Pastorale« von Dirk-Michael Kirsch sang die Oboe von Susann Král zunächst eine Legato-Melodie, die dann in einen schnellen Teil mit einem spitzbübischen Schluss überging. Kunstvoll und mit Titeln wie »Fröhliche Sonntagsmusik«, »Festmusik« oder »Feiertags-Polonaise« erfreuten die Werke, die in differenzierten Variationen alle Instrumente zu Wort kommen ließen, und die teils aus der Feder von Tobi Reiser – »Festlicher Aufzug« –, meistens jedoch von Bernhard Kohlhauf selbst komponiert sind. »Lobet den Herrn« in inhaltlicher Anlehnung an den Choral mit diesem Titel und »Forchensee-Weis’«, die wie ein Jodler weit über die Berge hin begann, zeigten die kompositorische Vielseitigkeit Kohlhaufs, der in »Erntedank-Weisen« Lieder von Kathi Greinsberger zum Dank für die Schöpfung verarbeitete.

Die Volksweise »Gott hat alles recht gemacht« schloss den Dankes-Reigen dieses Stückes. Dankbarkeit kam auch durch die beiden Gottesloblieder mit diesem Titel und »Nun danket alle Gott« zum Ausdruck, die Richard Krekel auf der Orgel mit schönen Improvisationen einleitete und begleitete.

Der Sprecher und Gemeindereferent Georg Gruber thematisierte den Erntedank-Gedanken und sagte, danken komme von denken: »Danken wir zu Erntedank für die Gaben, die uns Gott schenkt, und denken wir an unsere Verantwortung.« Die »Feiertags-Polonaise« von Bernhard Kohlhauf setzte den festlichen Schlusspunkt. Das Ensemble hatte eine geradezu heilige Atmosphäre aufgebaut, so dass die Zuhörer nicht wagten, diese eventuell durch Klatschen zu unterbrechen. Vielmehr spendeten sie am Schluss umso mehr Applaus für eine ergreifende Konzertstunde.

Brigitte Janoschka