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»Glücklich ist, wer vergisst ...«

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Katja Bördner als Rosalinde, Pierre Herrmann in der Rolle des Dr. Blind und Alexander Geller als Gabriel von Eisenstein. (Foto: Immling/Nicole Richter)

In einer neuen, spritzig witzigen Inszenierung bringt das Festival auf Gut Immling die wohl berühmteste Operette aller Zeiten, die »Fledermaus« von Johann Strauß (Sohn) auf die Bühne.


Von hervorragenden Sängern erklangen bei der Premiere die vielen, fast wie bekannte Hits vertrauten Arien wie »Glücklich ist, wer vergisst…«, (Gabriel von Eisenstein alias Tenor Alexander Geller) »'S ist mal bei mir so Sitte« (die Südkoreanerin Jina Choi in der Hosenrolle des Prinz Orlowsky), oder »Mein Herr Marquis, ein Mann wie Sie« (Jennifer Zein als Kammerzofe Adele mit großen Ambitionen) und viele andere. Advokat Dr. Blind (der Bassist Pierre Hermann) und Notar Dr. Falke (Bariton Gezim Barisha) fügen sich mit ihren ausdrucksstarken Männerstimmen und guten Schauspielkünsten ideal in das verzwickte Bühnenge-schehen ein.

Das Bühnenbild gestaltete Nikolaus Hipp mit einfachen Mitteln. Mithilfe einer geschwungenen Treppe ver-wandelt er die Breitwandbühne ins Haus von Eisenstein, mit einer Wanne und goldenen Hähnen stellt er die Sauna von Prinz Orlowsky dar, die nach Strauss´ Vorlage eigentlich ein Gartensalon wäre, oder mit Gittertüren das Gefängnis. Die von Maximilian Ulrich eingeblendeten Hintergrundprojektionen sorgen je nach Szene für die richtige Stimmung – eine gläserne Kuppel über der Sauna oder ein Blick in die Puszta bei Rosalindes Csardas.

Eine entscheidende Rolle zum Gelingen der gesamten Inszenierung spielt wieder der von Cornelia von Kerssenbrock einstudierte große Chor aus engagierten Laien, zu denen acht weitere Sänger aus Namibia und weitere Profis aus Georgien kommen. Unter der versierten Regie des auch im Schauspiel renommierten Thomas Peters werden die schon vor über 100 Jahren beliebten Gags und anscheinend zeitlosen Witze gebracht, lediglich auf der Kommode eine Fotografie von Franz-Josef Strauß als Namensvetter von Kaiser Franz-Josef ist eine Anspielung auf die Neuzeit. Kostümbildnerin Wiebke Horn bringt wunderschöne Gewänder im Stil der klassischen Wiener Operette gewürzt mit Pariser Akzenten, so Alfreds (der mexikanische Tenor Victor Campos Leal) Seidensakko im Blumenmuster und roten Schuhen oder Rosalindes Tüllkleid in den ungarischen Nationalfarben rot, weiß und grün. Mit viel Temperament und Schmiss spielte das Festival-Orchester unter der Leitung von Evan Alexis Christ. Er gehört zu den führenden Dirigenten unserer Zeit und hat bereits mehr als 70 Uraufführungen und das gesamte Standardrepertoire für Orchester dirigiert.

Die besondere Wirkung der Operette basiert aber keineswegs nur auf der Musik, sondern ist ein Gesamtkunstwerk aus Choreografie, Texten und Schauspiel. Alle Darsteller, besonders die wandlungsfähige Kammerzofe Adele (Jennifer Zein) und ihre Schwester Ida (Caren Maxerath) glänzen neben ihren fein modulierenden Sopranstimmen auch mit schauspielerischen Talenten. Absoluter Höhepunkt in dieser Hinsicht ist Kabarettist Ulrich Bauer als Gefängnisaufseher Frosch, der als Schauspieler und Musiker beim Politiker-Derblecken Oberbürgermeister Christian Ude verkörperte. Zusammen mit Gefängnisdirektor Frank (der finnische Bariton Markus Nieminen) stellen sie ein höchst ver-gnügliches Gefängnis-Team dar.

Weitere Aufführungen der »Fledermaus« sind am 14., 21., 26. Juli sowie am 3. und 8. August. Christiane Giesen