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Glasfaser-Verlegung dauert 14 Jahre

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Bis alle 526 Gebäude und Grundstücke in Marktschellenberg einen Glasfaser-Anschluss haben und der Netzbetrieb aufgenommen wird, dauert es theoretisch 14 Jahre. Das steht unter anderem im »Masterplan Breitband«, den die Gemeinde erstellen ließ. (Foto: Voss)

Marktschellenberg – Wenn sich die Gemeinde Marktschellenberg an den »Masterplan Breitband« hält, der dem Gemeinderat am Montagabend vorgestellt wurde, dann ist in 14 Jahren jedes Gebäude dank Glasfaser mit schnellem Internet versorgt.


Diesen Masterplan hat Diplomingenieur Christian Hochhuber von »IK-T Innovative Kommunikations-Technologien« genauer erklärt. Er resultiert aus den Ergebnissen einer Studie zur Breitbandversorgung und der Versorgung mit Leerrohren. Mit dem Masterplan will die Gemeinde eine gute Voraussetzung für die zukünftige Breitbandversorgung schaffen, DSL soll komplett durch Glasfaser ersetzt werden.

Das große Problem beim Thema Internet: »Für Netzbetreiber ist der Glasfaserausbau im ländlichen Raum nicht rentabel«, erklärte Hochhuber. Daher kann es bis zu 14 Jahre dauern, bis auch die letzten Häuser am Rande der Gemeinde mit Glasfaser versorgt sind. Alleine für die Mitverlegung der Leerrohre bei Baumaßnahmen sind zehn Jahre eingeplant. Danach sind noch zwei bis drei Jahre für die Netzvervollständigung und die Betreibersuche im »Masterplan Breitband« vorgesehen. Und noch ein Jahr mehr ist für den Aufbau eines Aktivnetzes geplant. Bis dann der Netzbetrieb aufgenommen werden kann, vergehen die besagten 14 Jahre.

»Glasfaser bleibt, aber Technik ist austauschbar«

Sophie Stanggaßinger (LWG-Grüne) erkundigte sich, ob dann die Technik nicht schon veraltet ist. Bürgermeister Franz Halmich antwortete: »Glasfaser wird bleiben, die Technik ist austauschbar.« Auch der Ingenieur sagte: »Glasfaser bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten.«

Jetzt heißt es für die Marktgemeinde Marktschellenberg, eine eigene Leerrohr-Infrastruktur für ein Glasfasernetz aufzubauen. Auch vorhandene Rohre sollen genutzt werden. Das geplante Glasfaserkabel soll dann mindestens 40 Jahre genutzt werden.

526 Gebäude und Grundstücke eingerechnet

Der Ingenieur Christian Hochhuber stellte unter anderem kurz das »DigiNetz«-Gesetz vor, das seit 4. November 2016 in Kraft ist. Es sieht vor, dass die Kommune bei Baumaßnahmen, die länger als acht Wochen dauern, die Versorger fragen müssen, ob sie Leerrohre mitverlegen. Falls nein, muss die Gemeinde bedarfsgerecht Leerrohre mitverlegen.

526 Hausanschlüsse – dazu zählen Gebäude, Baugrundstücke und potenzielle Baugrundstücke – wurden für den Masterplan eingerechnet. Der Ingenieur hat die Gemeinde in zwei Cluster aufgeteilt, Ost und West. Die Gesamtlänge des Glasfaserkabels inklusive Privatgrundstücke liegt bei rund 56 Kilometern, ohne bei 47 Kilometern.

Was die Kosten betrifft, so präsentierte Hochhuber eine stattliche Summe: 7,2 Millionen Euro brutto. Aber: »Das wären die Kosten, wenn Sie auf grüner Wiese anfangen würden, was Sie natürlich nicht tun«, sagte er in Richtung der Gemeinderäte. Denn einige Leerrohre sind ja bereits vorhanden. Pro Hausanschluss stehen im Masterplan Kosten in Höhe von 11.500 Euro, für Tiefbau, Leerrohr und Kabel. Das bedeutet nicht, dass Hausbesitzer jetzt zur Kasse gebeten werden: »Das erarbeitete »Fiber-To-The-Building«-Konzept steht der Marktgemeinde als Planungsgrundlage für eine mittel- oder langfristige Umsetzung zur Verfügung«, erklärte der Experte.

Und warum das alles? »Glasfasernetze bieten eine fast verlustfreie Datenübertragung. Bei den Bandbreitenprognosen – sprich einer Verdoppelung der Bandbreiten alle zwei Jahre – ist es erforderlich, dass mittelfristig die für DSL genutzten Telefonleitungen durch Glasfaser ersetzt werden«, so die Erklärung im Masterplan. Ein flächiger eigenwirtschaftlicher FTTB-Ausbau durch Breitbandversorger sei nicht zu erwarten. Mit diesem Konzept sei die Grundlage für weitere Ausführungsplanungen geschaffen. Der Ingenieur gibt noch zu bedenken: »Eine fehlende oder unvollständige Bestandsdokumentation kann nicht nur zu Verzögerungen und hohen Kosten im Betrieb, Erweiterung oder Verkauf eines Trassennetzes führen, sondern auch den Verkaufserlös oder Mietzins schmälern, da die Grundlagen für eine Bewertung des Netzes fehlen«.

Bürgermeister Franz Halmich ergriff nach dem Vortrag das Wort: »Das ist ein Plan für die Zukunft und hat im Moment nur am Rande etwas für uns zu bedeuten«, erklärte er. »Ich finde es für den Hauptort sehr schade, dass die Telekom bei Kupfer geblieben ist und kein Glasfaser verlegt hat«, bemerkte der Rathauschef. Allerdings seien 100 Mbit/s auch teilweise schon im Ortskern möglich, was die Geschwindigkeit betrifft. Entlang der Ettenberger Straße gebe es noch keine Leerrohre, »das müsste alles neu gemacht werden«, so Halmich. Aber: »Wir sanieren und aktualisieren ja ständig, da sollten wir das jetzt einfach im Hinterkopf behalten«, sagte er abschließend. Annabelle Voss